Dienstag, April 16, 2024

Integrative Gestalttherapie – Kernaussagen

Die Integrative Gestalttherapie, eine Form der Psychotherapie, ist ein phänomenologisches Verfahren, das psychische Integration und Persönlichkeitsreifung fördert.

Die Integrative Gestalttherapie vereint Elemente der klassischen Gestalttherapie (Fritz Perls), des Psychodramas (Moreno), und der Psychoanalyse (Sandor Ferenci). Sie betrachtet den Menschen als ein ganzheitliches „Leib-Seele-Geist-Wesen“ innerhalb seines sozialen und ökologischen Kontexts, inspiriert von der Philosophie von Gabriel Marcel, Merleau Ponty, und Hermann Schmitz.

 

Leibkonzept

Im Mittelpunkt steht die Unterscheidung zwischen Körper („Corps objectif“) als objektivierbarem, organischen Substrat und Leib als personaler Ausdruck des Individuums. Der Leib repräsentiert die belebte, bewusste und persönliche Existenz des Menschen in seiner Umwelt.

Drei Grundfunktionen des Leibes:

  1. Wahrnehmung: Der Leib konstituiert sich durch sensorische Erfahrungen und bleibt auch bei physischen Veränderungen präsent.
  2. Ausdruck: Der Mensch drückt sich durch Bewegung, Gestik, und Mimik aus.
  3. Erinnerung: Das Leibgedächtnis speichert Erinnerungen an körperliche und emotionale Erfahrungen.

Lebenshaltung und Schmerz: Chronische Schmerzen in der Integrativen Gestalttherapie werden nicht nur als physische, sondern auch als psychosoziale Phänomene betrachtet. Lebenshaltungen und Bewältigungsstrategien manifestieren sich in Körperhaltungen und können zu dauerhaften Schmerzzuständen führen.

Therapeutischer Ansatz: Die Therapie zielt darauf ab, den Patienten in seiner Ganzheit zu erfassen und durch ein Verständnis seiner subjektiven Krankheitstheorie und seiner Lebensgeschichte individuell zu behandeln. Dabei wird besonderer Wert auf den Kontakt zwischen Therapeut und Patient gelegt, um durch ein tiefes Verständnis der persönlichen Schmerzgeschichte heilende Prozesse zu ermöglichen.

Bedeutung des Schmerzes: Schmerz wird als zentrales Symptom betrachtet, das über seinen unmittelbaren physischen Ausdruck hinaus auf tiefere, oft unerkannte psychische und emotionale Themen hinweist. Die Therapie beinhaltet, diese Schichten zu erkunden und dem Patienten zu helfen, ungelöste Konflikte und Traumata zu verarbeiten.

 

Fazit

Die Integrative Gestalttherapie bietet einen umfassenden Ansatz zur Behandlung psychosomatischer Erkrankungen, indem sie die Bedeutung des Leibes in der Wahrnehmung, im Ausdruck, und in der Erinnerung betont und den Menschen in seinem gesamten sozialen und ökologischen Kontext betrachtet.


Literatur:

Kaisler RE, Fede M, Diltsch U, Probst T, Schaffler Y. Common mental disorders in Gestalt therapy treatment. A multiple case study comparing patients with moderate and low integrated personality structures. Front Psychol. 2023 Dec 20;14:1304726. doi: 10.3389/fpsyg.2023.1304726. PMID: 38173855; PMCID: PMC10761483.

Tønnesvang J, Sommer U, Hammink J, Sonne M. Gestalt therapy and cognitive therapy–contrasts or complementarities? Psychotherapy (Chic). 2010 Dec;47(4):586-602. doi: 10.1037/a0021185. PMID: 21198245.

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