Montag, Februar 26, 2024

Chronische Nierenschwäche: Ursachen, Diagnose, Behandlung

Chronische Nierenschwäche: Grundlagen, Symptome, Diagnose, Ursachen, Risikofaktoren und Optionen zur optimalen Behandlung und Betreuung.

Die Erkrankung chronische Nierenschwäche oder Niereninsuffizienz ist ein in der Allgemeinheit nicht verankerter Begriff, obwohl 10 bis 13% der erwachsenen Bevölkerung davon betroffen sind. So wird beispielsweise selbst in den Krankenhäusern die Diagnose häufig übersehen (Friedl et al). Dieses Phänomen ist weltweit zu finden, wie beispielsweise Daten aus Italien und USA zeigen. Außerdem ist Juckreiz bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung sehr häufig. Obwohl er das Leben und das Wohlbefinden stark beeinträchtigt, berichten die Betroffenen oftmals nicht über diese Beschwerden. Vermutlich ordnen sie diese einfach falsch zu. Für die optimale Behandlung ist es wichtig, dass man die Ursachen für eine chronische Nierenschwäche erkennt und die Diagnose so früh wie möglich stellt.


Die goldenen Regeln gegen die Nierenschwäche

In einem frühen Stadium der Nierenfunktionseinschränkung kann man einiges tun, um die Nierenfunktion zu erhalten. Dazu gibt es die 8 goldenen Regeln zur Nierengesundheit:

  1. Die Patienten sollten nach der Diagnose chronische Nierenschwäche fit und aktiv bleiben.
  2. Notwendig ist auch die optimale Blutzuckerkontrolle.
  3. Jedenfalls müssen die Betroffenen auch den Blutdruck stets kontrollieren.
  4. Eine gesunde Ernährung hilft dabei, das Körpergewicht im grünen Bereich zu halten.
  5. Wichtig ist auch die Aufrechterhaltung einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr.
  6. Im Grunde genommen sollten die Patinten mit Nierenschwäche auch nicht rauchen.
  7. Das Vermeiden der regelmäßigen Einnahme von Schmerzmedikamenten, insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion, ist sehr wichtig.
  8. Die Überprüfung der Nierenfunktion ist ein Muss, wenn mindestens einer der Hochrisikofaktoren vorhanden ist.

Um eine chronische Nierenschwäche am Fortschreiten zu hindern, ist schließlich die konsequente Behandlung der auslösenden Ursachen wesentlich. Wie erwähnt sind das in den meisten Fällen eben der Bluthochdruck und der Diabetes.

Je schlechter die Nieren funktionieren, desto eher müssen jedenfalls Spezialisten die durch die Nierenschwäche verursachten Begleiterkrankungen behandeln. Das sind oft die Blutarmut (Anämie), Mineral- und Knochenstoffwechselstörungen sowie ein beeinträchtigter Säure-Basenhaushalt.


Die Hauptrisikofaktoren sind der Bluthochdruck und der Diabetes

Die Erkrankung beginnt in den allermeisten Fällen schleichend, das heißt ohne Symptome. Ursache ist meist einer der beiden Hauptrisikofaktoren, Bluthochdruck oder Diabetes. Das Nierengewebe verliert die Fähigkeit, den sogenannten Primärharn zu produzieren.

Das Serumkreatinin, als derzeit bester Marker der Nierenfunktion, ist erst dann erhöht, wenn bereits mehr als die Hälfte des Nierengewebes geschädigt ist. Vorher gleicht das noch intakte Gewebe den Leistungsausfall aus. Zudem schadet der Körper noch nahezu alle Substanzen, die ausgeschieden werden müssen, über den Harn aus. Wobei klinische Symptome erst bei stark eingeschränkter Nierenfunktion (<30-45%) auftreten.

Allerdings kommt es schon bei einem Abfall der Nierenfunktion unter 60% zu einer Erhöhung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dementsprechend steigt auch die Sterblichkeit durch die Herz- und Gefäßkranheiten dramatisch an.

Denn viele Patienten mit einer Nierenfunktion unter 45% versterben aufgrund der kardiovaskulären Ereignisse, bevor sie eine Dialyse brauchen.

Das Ziel muss es daher sein, eine beginnende Nierenfunktionseinschränkung rechtzeitig zu erkennen, um vorbeugend eingreifen zu können. Hierzu sollten Allgemeinmediziner sowie Internisten darauf achten, ob bei ihren Risikopatienten mit hohem Bluthochdruck und Diabetes die Nierenfunktion eingeschränkt ist oder eine Proteinurie besteht.

Im Grunde genommen sollten jedenfalls erst die Personen mit einem hohen Risiko für eine Verschlechterung ab einer Nierenfunktion unter 60% den Nephrologen konsultieren.


Literatur:

Roberti J, Alonso JP, Blas L, May C. Kidney failure, status passage, and the transitional nature of living with the disease: A qualitative study in Argentina. Health (London). 2021 Sep 15:13634593211046842. doi: 10.1177/13634593211046842. Epub ahead of print. PMID: 34523374.

Satyanarayana R. Vaidya; Narothama R. Aeddula. Chronic Renal Failure. StatPearls [Internet]. Last Update: July 16, 2021.

Aresi et al. Reasons for underreporting of uraemic pruritus in people with chronic kidney disease: A qualitative study. J Pain Symptom Manage. 2019 Jun 19. pii: S0885-3924(19)30343-4. doi: 10.1016/j.jpainsymman.2019.06.010. [Epub ahead of print]

Webster et al. Chronic Kidney Disease. Lancet. 2017 Mar 25;389(10075):1238-1252. doi: 10.1016/S0140-6736(16)32064-5. Epub 2016 Nov 23.


Quelle:

Statement » Heimlich, still und leise – die Nierenschwäche, das unbemerkte Leiden. « Univ.-Prof. Dr. Alexander Rosenkranz. Amgen Press Academy “Update Nierenerkrankungen – Personalisierte Medizin als Therapieoption der Zukunft?“. 2013.

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