Dienstag, Juli 2, 2024

Typ 2 Diabetes mit der richtigen Ernährung bekämpfen

Menschen mit Prädiabetes oder frühem Typ-2-Diabetes sollten das Ziel verfolgen, diesen Zustand umzukehren, wobei die Ernährung eine entscheidende Rolle spielt.

Lange Zeit dachten wir, dass Typ-2-Diabetes eine unheilbare Krankheit sei, die nicht rückgängig gemacht werden kann. Aber in den letzten Jahren hat sich unsere Sichtweise geändert. Heute wissen wir, dass es in den frühen Stadien von Typ-2-Diabetes durchaus möglich ist, den gestörten Zuckerstoffwechsel vor allem mit der richtigen Ernährung wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

 

Auf die Ernährung achten – gegen Übergewicht, Prädiabetes und Typ-2-Diabetes

Der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes oder seiner Vorstufe, dem Prädiabetes, ist Übergewicht. Es ist entscheidend, dass Menschen ihren Lebensstil ändern, indem sie mehr Sport treiben und sich für eine gesündere und ausgewogenere Ernährung entscheiden, um das Risiko für Prädiabetes sowie Typ-2-Diabetes zu reduzieren. Diese Maßnahmen nicht nur zur Prävention dienen, sondern auch sind dann wichtig, wenn bereits auffällige Blutzuckerwerte vorliegen.

Es gibt inzwischen Studien, die zeigen, dass eine intensive Therapie mit einer adäquaten Ernährung sogar bei frühen Stadien von Typ-2-Diabetes zu einer Remission führen kann. Dadurch verringert sich auch das Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nieren- und Augenerkrankungen.

 

Um eine Remission zu erreichen, ist es vor allem wichtig, dass die Patientinnen und Patienten Gewicht verlieren.

Je mehr Gewicht sie verlieren, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich ihre Blutzuckerwerte normalisieren. Eine aktuelle deutsche Studie zeigt, dass insbesondere die Reduktion von Bauchfett entscheidend für den Therapieerfolg ist. Bauchfett kann Entzündungen fördern und die Wirkung des blutzuckersenkenden Hormons Insulin im Körper beeinträchtigen. Es gilt die Empfehlung, den Taillenumfang bei Frauen um mindestens 4 Zentimeter und bei Männern um mindestens 7 Zentimeter zu reduzieren.

 

Betroffene brauchen intensive ernährungstherapeutische Unterstützung

Ernährungsfachkräfte wie Diätassistenten, Ernährungswissenschaftler, Ernährungsmediziner oder speziell ausgebildete Ökotrophologen sollten dabei helfen. Denn Ernährungsinterventionen sind nicht universell anwendbar, sondern müssen individuell angepasst werden, um den Lebensumständen der Menschen gerecht zu werden. Nur so ist es möglich, die notwendige Gewichtsreduktion von 10 bis 15 Prozent nicht nur zu erreichen, sondern auch langfristig zu halten.

 

Andere Therapieziele bei Typ-2-Diabetes

Es gibt jedoch auch Menschen mit Diabetes, bei denen andere Therapieziele gelten, wie ältere Personen mit reduzierter Muskelmasse. Hier liegt der Fokus auf einer ausreichenden Eiweißversorgung und Bewegung zur Stärkung der Muskulatur, was ebenfalls die Blutzuckerwerte verbessern kann.

Für Menschen, bei denen Typ-2-Diabetes bereits seit vielen Jahren besteht oder bestimmte Subtypen des Typ-2-Diabetes vorliegen, ist eine Remission oft nicht mehr erreichbar. In dieser Typ-2-Diabetes-Phase zielt die Beratung zur Ernährung nicht primär auf Gewichtsverlust ab. Denn dieser geht oft auf Kosten der Muskelmasse. Dennoch bringt eine traditionell-mediterrane Ernährung auch für diese Menschen mit Typ-2-Diabetes gesundheitliche Vorteile mit sich, einschließlich einer längeren Lebensdauer.

 

Individuelle, differenzierte Ernährung bei Typ-2-Diabetes

Abschließend lässt sich festhalten, dass man die Diabetes-Therapie, insbesondere im Hinblick auf die Ernährung, immer individueller und differenzierter gestalten muss. Das besagen die neuesten Forschungsergebnisse. Das müssten aktuelle Diabetes-Schulungsprogramme stärker berücksichtigen und Ernährungsfachkräfte einbeziehen.

Dadurch bleibt ein großes Potenzial in der ernährungstherapeutischen Betreuung ungenutzt. Das kann sich nachteilig auf die Patientinnen und Patienten auswirken. Denn eine optimale Ernährung könnte die Krankheitsbelastung bei Typ-2-Diabetes ansonsten stärker verringern.


Literatur:

Sandforth A, von Schwartzenberg RJ, Arreola EV, Hanson RL, Sancar G, Katzenstein S, Lange K, Preißl H, Dreher SI, Weigert C, Wagner R, Kantartzis K, Machann J, Schick F, Lehmann R, Peter A, Katsouli N, Ntziachristos V, Dannecker C, Fritsche L, Perakakis N, Heni M, Nawroth PP, Kopf S, Pfeiffer AFH, Kabisch S, Stumvoll M, Schwarz PEH, Hauner H, Lechner A, Seissler J, Yurchenko I, Icks A, Solimena M, Häring HU, Szendroedi J, Schürmann A, de Angelis MH, Blüher M, Roden M, Bornstein SR, Stefan N, Fritsche A, Birkenfeld AL. Mechanisms of weight loss-induced remission in people with prediabetes. A post-hoc analysis of the randomised, controlled, multicentre Prediabetes Lifestyle Intervention Study (PLIS). Lancet Diabetes Endocrinol. 2023 Nov;11(11):798-810. doi: 10.1016/S2213-8587(23)00235-8. Epub 2023 Sep 25. PMID: 37769677.

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