Sonntag, März 3, 2024

Ängste, Ursachen, Hilfe: Was Eltern gegen Schulverweigerung tun können

Ursachen herausfinden, frühzeitige Hilfe einleiten: Was Eltern gegen Schulverweigerung tun können, wenn Schüler immer wieder vom Unterricht fern bleiben.

Wenn eine Schulverweigerung immer wieder auftritt, oder wenn sie länger andauert, dann können verschiedene Probleme des Kindes Ursache dafür sein. Es beginnt häufig mit stundenweisem Fernbleiben vom Unterricht: beginnend in den Morgenstunden, dann durch Fehlen beim Nachmittagsunterricht. Schließlich fehlen manche Kinder dann auch einzelne Stunden während des Schultages in der Klasse. In weiterer Folge kann es zu gelegentlichem Schulschwänzen kommen. Und in schweren Fällen kann das schließlich in einer vollständigen Schulverweigerung enden. Oft sind die Ursachen und damit auch spezielle Maßnahmen unklar, was Eltern gegen die Schulverweigerung ihrer Kinder tun können und welche Hilfe sie brauchen. Die Ursachen für Schulverweigerung können sehr vielfältig sein. Sie können oft auch gemeinsam auftreten, wodurch ein verstärkender Effekt besteht.

 

Schulverweigerung durch Angst vor schulischem Versagen

Oft ist Angst vor Leistungsversagen die Ursache: betroffene Schüler sorgen sich davor, die an sie gestellten Leistungsanforderungen nicht erfüllen zu können. Diese Leistungsangst kann durch schulische Überforderung entstehen.

Beispielsweise aufgrund bestehender Wissenslücken durch Schulwechsel oder längerem krankheitsbedingten Fernbleiben oder auch dadurch, dass der gewählte Schultyp im Sinne der Fähigkeiten des Schülers ungeeignet ist. Ein Schüler kann einfach auch schwer lernen (Lese-Rechtschreibstörung, Rechenschwäche oder auch Konzentrationsprobleme) und so eine Prüfungs- und Versagensangst entwickeln.

Aber auch unzureichende Organisation der Lerninhalte oder zu späte oder ungenügende Prüfungsvorbereitung können zu einer solchen Angst führen. Oft ist auch eine zu hohe Erwartungshaltung der Eltern schuld für eine derartige Schulangst.

 

Schulverweigerung durch soziale Phobie

Der Zusammenhang Schulverweigerung, soziale Phobie kann mit der Sehnsucht verknüpft sein, soziale Bewertungen zu vermeiden. Das Kind, der Jugendliche, scheut sich vor sozialen Kontakten mit Mitschülern oder mit Lehrern.

Dabei haben betroffene Kinder oft große Angst davor, sich zu blamieren oder in peinliche Situationen zu geraten. Beispielsweise, dass das Kind vor der ganzen Klasse eine grobe Unwissenheit preisgeben muss. Solche Schüler fürchten die Bewertung durch andere Menschen und fühlen sich sehr beobachtet auf.

Typische Verhaltensanzeichen für eine soziale Phobie sind im Grunde genommen eine ausgeprägte Verlegenheit, wenn ein Kind sehr scheu ist und Angst vor der Öffentlichkeit hat.

Betroffene Menschen sind oft sehr schüchtern und vermeiden beim verbalen Kommunizieren Blickkontakt mit seinem Gegenüber.

Im Unterricht sind betroffene Schüler, die ihre soziale Phobie »meistern« müssen, auffallend ruhig. Sie sagen meistens nur etwas, wenn man sie dazu auffordert. Die Antworten beziehungsweise eine eingeforderte verbale Mitarbeit erfolgt dann oft sehr leise, undeutlich oder leicht stotternd.

Unter dem Strich führt soziale Phobie durch Angst vor Ablehnung und Spott zu großer Unsicherheit über das eigene Ich. Wobei gleichzeitig die Sehnsucht nach Bestätigung ausgeprägt ist.

»Einfachere« Gründe für Schulschwänzen können auch eine grundsätzlich mangelnde Lernmotivation und eine generelle Schulunlust sein. Auch die Missachtung von Regeln und Normen können verantwortlich sein.

Auslöser können durchaus Mobbing sowie Konflikte mit Mitschülern und/oder Lehrkräften sein. Oft zeigen solche Kinder und Jugendliche dissoziale Verhaltensweisen, die sich auch durch aggressives und destruktives Verhalten manifestieren. Man will sich nicht an Regeln und Vorgaben halten, ist aufsässig, ungehorsam, trotzig. Hierbei ist auch der Gruppenzwang nicht zu unterschätzen.

 

Frühe Hilfe suchen und geben: was Eltern gegen Schulverweigerung tun können

Um bei gefährdetem Kindern und Jugendlichen bereits dem ersten Schulschwänzen zu begegnen, muss individuell alles Erdenkliche unternommen werden. Denn Schulverweigerung führt zu schulischem Versagen, in Folge zu schlechteren Zukunfts- bzw. Berufschancen, was weiters zu psychischen Erkrankungen bis hin zur Kriminalität führen kann.

Um im Einzelfall einer Schulverweigerung angemessen entgegenwirken zu können, müssen Eltern – gegebenenfalls auch mithilfe von Experten – die bestehenden Ursachen für das permanente Schulschwänzen herausfinden und berücksichtigen.

Oft brauchen die Kinder eine neue Motivation, dass sie wieder in den Unterricht gehen. Manchmal ist auch eine gezielte schulische Förderung notwendig. Schließlich kann auch im Eltern-Schule-Gespräch eine Sensibilisierung der Lehrkräfte Hilfe bieten, beispielsweise wenn betroffene Schülerinnen und Schüler öfters spezielle Aufmerksamkeit bekommen.

 

Was man mit einer effektiven Behandlung gegen eine chronische Schulverweigerung tun kann

Das frühzeitige Erkennen problematischer Tendenzen bei Kindern und Jugendlichen sowie eine gezielte Diagnostik und gegebenenfalls Therapie kann Betroffene vor weiteren Schwierigkeiten wie Entwicklungs- und Integrationsproblemen bewahren.

Voraussetzung dafür ist, dass betroffenen Kindern und Jugendlichen rasch Hilfe bekommen, bevor die Ängste, das Vermeidungsverhalten und damit die Schulverweigerung der Betroffenen chronisch werden.

Hilfsmaßnahmen müssen sowohl spezifisch auf die Symptomatik als auch die individuelle Situation, also auch das konkrete Umfeld, passend zugeschnitten sein. Solche Maßnahmen können beispielsweise eine Therapie von Angststörungen oder die Lösung von Mobbing-Situationen sein.

Auch eine Beratung betroffener Eltern und einer Klärung der weiteren schulischen Perspektive dieser jungen Menschen ist wichtig. Wenn frühzeitige Hilfen ausbleiben, dann kann sich die Prognose dieser Kinder und Jugendlichen verschlechtern.


Quelle: Anxiety and Depression Association of America, ADAA

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