Freitag, Juli 5, 2024

Amygdala im Gehirn schützt vor gestörter Körperwahrnehmung

Die Amygdala im Gehirn soll vor gestörter Körperwahrnehmung schützen – neben ihrer Rolle als Alarmmelder für äußere Gefahrenreize.

Ein Forschungsteam der Universität Bonn hat unlängst in einer Studie mit eineiigen Zwillingen, die beide an einer Beeinträchtigung der Amygdala – auch bekannt als Mandelkern – leiden, neue Erkenntnisse zur Funktion der Amygdala gewonnen. Die Amygdala im Gehirn spielt nicht nur eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von äußeren Gefahrensignalen, sondern schützt auch vor Störungen der Körperwahrnehmung.

 

Die Gummihand-Illusion als Indikator für Körperwahrnehmungsstörungen

Mithilfe der Gummihand-Illusion, einem psychologischen Experiment, das die Illusion erzeugt, eine künstliche Hand sei Teil des eigenen Körpers, konnten die Forscher zeigen, dass Personen mit Schädigungen der Amygdala anfälliger für solche Täuschungen sind. Bei gesunden Personen mit intakter Amygdala trat die Illusion deutlich seltener und schwächer auf.

Die Studie zeigte, dass eine intakte Amygdala vor der Gummihand-Illusion schützt. Je kleiner das Volumen der Amygdala, desto schneller und intensiver trat die Illusion auf. Zudem verstärkte die Verabreichung von Oxytocin, einem Hormon, das die Aktivität der Amygdala hemmt, die Illusion.

 

Bedeutung der Amygdala im Gehirn für die Körperwahrnehmung

Diese Erkenntnisse legen nahe, dass die Amygdala eine wesentliche Rolle bei der korrekten Wahrnehmung des eigenen Körpers spielt. Die Forscher vermuten, dass die Amygdala eine evolutionär entwickelte Schutzfunktion besitzt, die es den Menschen ermöglicht, in gefährlichen Situationen realitätsgetreu zu reagieren, anstatt von Körperillusionen beeinträchtigt zu werden.

 

Mögliche Relevanz für psychische Erkrankungen

Die Studie eröffnet neue Perspektiven für das Verständnis psychischer Erkrankungen, die mit gestörter Körperwahrnehmung im Gehirn einhergehen. Die Amygdala könnte demnach nicht nur bei der Verarbeitung von Angst und Gefahren eine Rolle spielen, sondern auch bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Körperschemas. Jedenfalls steht die Forschung hier erst am Anfang. Doch die Ergebnisse bieten vielversprechende Ansätze für weitere Untersuchungen.


Literatur

Franny B. Spengler, Dirk Scheele, Sabrina Kaiser, Markus Heinrichs, René Hurlemann. A protective mechanism against illusory perceptions is amygdala-dependent. The Journal of Neuroscience, DOI: https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.2577-18.2019

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