Medizin · Infektionen & Atemwege

COPD-Exazerbation: Warnzeichen, wann ins Krankenhaus und was nach der Entlassung zählt

6 Min. Lesezeit

3D-Darstellung beider Lungenflügel mit Bronchien – bei einer COPD-Exazerbation verschlechtert sich die Atmung plötzlich
Exazerbation bei COPD ist eine plötzliche deutliche Verschlechterung im Verlauf der COPD-Erkrankung innerhalb eines kurzen Zeitraums. © Praisaeng / shutterstock.com
Inhalt
  1. Was ist eine COPD-Exazerbation?
  2. Warnzeichen: So erkennen Sie eine plötzliche Verschlechterung der COPD
  3. COPD: Wann zum Arzt, wann ins Krankenhaus?
  4. Wie gefährlich ist eine COPD-Exazerbation im Krankenhaus?
  5. Nach der Entlassung: Warum die Nachuntersuchung so wichtig ist
  6. Häufig gestellte Fragen (FAQ) – COPD-Exazerbation
  7. Quellen

Eine COPD-Exazerbation ist eine plötzliche Verschlechterung der chronischen Lungenerkrankung, bei der Atemnot, Husten und Auswurf innerhalb kurzer Zeit deutlich zunehmen. Sie tritt vor allem im Herbst und Winter auf und ist der wichtigste Einschnitt im Verlauf einer COPD. Viele Betroffene erkennen die Anzeichen zu spät, weil sie sie für eine gewöhnliche Erkältung halten. Dieser Ratgeber erklärt, woran Sie eine Exazerbation erkennen, wann Sie ärztliche Hilfe oder den Notruf brauchen, was Studien über den Krankenhausaufenthalt zeigen und warum die Wochen nach der Entlassung so entscheidend sind.

Was ist eine COPD-Exazerbation?

Die Beschwerden einer COPD schwanken auch an normalen Tagen. Laut österreichischem Gesundheitsportal sprechen Fachleute von einer Exazerbation, wenn sich Husten, Auswurf oder Atemnot plötzlich verschlechtern und dieser Zustand länger als zwei Tage anhält.

Solche akuten Verschlechterungen kommen bevorzugt im Herbst und Winter vor, wenn das Klima kalt und feucht ist. Die häufigsten Auslöser sind:

  • Infektionen mit Viren oder Bakterien, etwa Erkältung, Grippe oder COVID-19
  • Rauchen
  • starke Luftverschmutzung
  • bestimmte Medikamente

Eine Exazerbation kann in jedem Stadium der COPD auftreten. Gegen zwei der wichtigsten Auslöser können Sie selbst etwas tun: mit der Grippeimpfung bei COPD und mit einem Rauchstopp.

Warnzeichen: So erkennen Sie eine plötzliche Verschlechterung der COPD

Das Gesundheitsportal nennt folgende typische Anzeichen einer Exazerbation:

  • Sie bekommen schlechter Luft als sonst.
  • Der Husten ist stärker als sonst.
  • Sie sind stärker verschleimt, der Schleim ist zäher als sonst.
  • Sie haben Fieber und fühlen sich abgeschlagen und müde.
  • Ihre Medikamente helfen nicht wie gewohnt.

Weil die Zeichen einer Erkältung ähneln, wird eine Exazerbation leicht übersehen. Hilfreich ist ein schriftlicher Aktionsplan, den Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt erstellen. Er legt fest, woran Sie eine Verschlechterung erkennen und was Sie dann tun. Ein Cochrane-Review mit sieben Studien und 1.550 Menschen mit COPD hat gezeigt, dass solche Aktionspläne die Wahrscheinlichkeit für Krankenhausaufnahmen und Besuche in der Notaufnahme senken.

COPD: Wann zum Arzt, wann ins Krankenhaus?

Laut Gesundheitsportal sollten Sie bereits bei den ersten Anzeichen einer Verschlechterung Ihre Ärztin oder Ihren Arzt informieren. Bessert sich die Situation nicht oder haben Sie keine Medikamente für den Notfall, brauchen Sie rasch ärztliche Hilfe.

Rufen Sie sofort den Notruf 144, wenn eines dieser Zeichen auftritt:

  • starke Atemnot oder deutlich beschleunigte Atmung
  • verfärbter, blutiger Auswurf
  • Bewusstseinsstörungen
  • bläuliche Lippen oder Fingernägel, neue oder zunehmende blau-rote Verfärbung der Haut

Bis Hilfe eintrifft, gilt: Ruhe bewahren, denn Panik verstärkt die Atemnot. Wenden Sie erlernte Atemtechniken wie die Lippenbremse an und nehmen Sie Ihr kurzwirksames, bronchienerweiterndes Medikament für den Notfall, das Sie immer bei sich tragen sollten.

Im Krankenhaus wird unter anderem gemessen, wie gut das Blut mit Sauerstoff versorgt ist. Je nach Schwere kommen inhalative Medikamente, Kortison, bei bakteriellen Infekten Antibiotika und bei Bedarf eine Atemunterstützung über eine Maske zum Einsatz. Was genau nötig ist, entscheidet das Behandlungsteam.

Wie gefährlich ist eine COPD-Exazerbation im Krankenhaus?

Schwere Exazerbationen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, sind ein ernstes Ereignis. Eine große Studie aus Kanada (Suissa und Kollegen, Thorax 2012) hat über 73.000 Menschen ab ihrem ersten Krankenhausaufenthalt wegen COPD begleitet. Die Hälfte von ihnen war nach 3,6 Jahren verstorben. Mit jeder weiteren schweren Exazerbation stieg das Risiko für die nächste: Nach der zweiten war es dreimal so hoch wie nach der ersten, nach der zehnten 24-mal so hoch. Am höchsten war die Sterblichkeit in der ersten Woche nach der Aufnahme.

Wie gut die Versorgung in Europa ist, hat der Europäische COPD-Audit mit Krankenhäusern aus 13 Ländern untersucht, unter Federführung des Wiener Otto-Wagner-Spitals. Bei der Aufnahme lagen nur bei 49,7 Prozent der Patientinnen und Patienten Ergebnisse eines Lungenfunktionstests vor, eine Blutgasmessung bekamen 81,6 Prozent. Ein höheres Sterberisiko hatten Menschen, die älter waren, eine Atemschwäche mit Übersäuerung des Blutes hatten, eine Beatmung brauchten oder an Begleiterkrankungen litten. Wer schon früher wegen COPD im Krankenhaus gewesen war, musste häufiger innerhalb von 90 Tagen wieder aufgenommen werden.

Diese Zahlen sind Durchschnittswerte und keine persönliche Prognose. Was Exazerbationen für die Lebenserwartung bedeuten, erklärt unser Beitrag COPD und Lebenserwartung.

Nach der Entlassung: Warum die Nachuntersuchung so wichtig ist

Die Zeit nach dem Krankenhaus ist besonders heikel. Eine Studie aus Israel (Gavish und Kollegen, Chest 2015) hat 195 Menschen nach einem Krankenhausaufenthalt wegen einer COPD-Exazerbation untersucht. Nur 44,1 Prozent gingen innerhalb von 30 Tagen zur Nachuntersuchung bei einer Lungenfachärztin oder einem Lungenfacharzt. Wer diesen Termin nicht wahrnahm, hatte ein fast dreimal so hohes Risiko, innerhalb von 90 Tagen erneut ins Krankenhaus zu müssen.

Den Termin ließen vor allem Menschen aus, die weit weg wohnten, im Jahr davor oft im Krankenhaus gewesen waren oder in deren Entlassungsbrief keine Empfehlung für eine Nachuntersuchung stand. Die Forschenden raten deshalb zu einer frühen Kontrolle nach der Entlassung.

Für Sie heißt das konkret:

  • Vereinbaren Sie schon vor der Entlassung einen Kontrolltermin bei Ihrer Lungenfachärztin oder Ihrem Lungenfacharzt.
  • Lassen Sie Ihre Dauertherapie und die Inhalationstechnik überprüfen.
  • Nehmen Sie an einer Patientenschulung teil, wie sie das Gesundheitsportal empfiehlt, und lassen Sie sich einen Aktionsplan erstellen.
  • Prüfen Sie Ihren Impfschutz gegen Grippe und Pneumokokken und hören Sie mit dem Rauchen auf.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) – COPD-Exazerbation

Ab wann spricht man von einer COPD-Exazerbation?

Laut österreichischem Gesundheitsportal spricht man von einer Exazerbation, wenn sich Husten, Auswurf oder Atemnot plötzlich verschlechtern und das länger als zwei Tage anhält. Kurzfristige Schwankungen an einzelnen Tagen gehören dagegen zum normalen Verlauf einer COPD. Typisch ist auch, dass die gewohnten Medikamente nicht mehr so gut helfen wie sonst.

Wann muss man mit COPD ins Krankenhaus?

Sofort den Notruf 144 rufen sollten Sie bei starker Atemnot, beschleunigter Atmung, blutigem Auswurf, Bewusstseinsstörungen oder bläulichen Lippen und Fingernägeln. Auch wenn sich die Beschwerden trotz Notfallmedikament nicht bessern, brauchen Sie rasch ärztliche Hilfe. Bei ersten, leichteren Anzeichen informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Wie gefährlich ist eine COPD-Exazerbation?

Schwere Exazerbationen, die eine Krankenhausbehandlung erfordern, sind ernst. In einer großen kanadischen Studie stieg mit jeder weiteren schweren Exazerbation das Risiko für die nächste, und die Sterblichkeit war in der ersten Woche nach der Aufnahme am höchsten. Eine gute Nachsorge und Vorbeugung können den Verlauf positiv beeinflussen.

Kann man einer COPD-Exazerbation vorbeugen?

Ja, zum Teil. Das Gesundheitsportal empfiehlt einen Rauchstopp, die Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken, die regelmäßige Einnahme der verordneten Medikamente und die Teilnahme an einer Patientenschulung. Ein gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt erstellter Aktionsplan hilft, Verschlechterungen früh zu erkennen und richtig zu reagieren.

Was ist ein COPD-Aktionsplan?

Ein Aktionsplan ist eine schriftliche Anleitung, die Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt erstellen. Er beschreibt, woran Sie eine Verschlechterung erkennen, welche Medikamente Sie dann zusätzlich nehmen und wann Sie Hilfe holen. Laut einem Cochrane-Review senken solche Pläne die Wahrscheinlichkeit für Krankenhausaufnahmen und Besuche in der Notaufnahme.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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