Eine Kohlenmonoxidvergiftung beginnt oft harmlos: Kopfweh am Morgen, leichter Schwindel, ein flaues Gefühl im Magen. Viele denken an einen beginnenden Infekt, gerade jetzt, wenn Gastherme, Kaminofen und Pelletsheizung wieder laufen. Kohlenmonoxid (CO) kann man weder sehen, riechen noch schmecken. In Österreich kommt es laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) im mehrjährigen Schnitt zu rund 200 CO-Vergiftungen pro Jahr. In diesem Artikel erfahren Sie, woher das Gas in der Wohnung kommt, an welchen Zeichen Sie eine Vergiftung erkennen, was im Ernstfall zu tun ist und wie Sie sich mit wenig Aufwand schützen.
Warum die Heizsaison das Risiko für eine Kohlenmonoxidvergiftung erhöht
Kohlenmonoxid entsteht, wenn Gas, Öl, Holz, Kohle oder Pellets unvollständig verbrennen, also bei zu wenig Sauerstoff oder zu niedriger Verbrennungstemperatur. Normalerweise zieht das Abgas über den Rauchfang ins Freie ab. Gefährlich wird es, wenn dieser Weg gestört ist.
Laut einer gemeinsamen Aussendung von KFV und Brandverhütungsstelle Oberösterreich entfallen rund 36 Prozent der jährlich etwa 200 CO-Vergiftungen in Österreich auf die Heizmonate Dezember bis Februar. Häufige Ursachen sind:
- alte oder schlecht gewartete Gasthermen, Öfen und Durchlauferhitzer
- verstopfte oder blockierte Kamine und Abgasrohre, etwa durch Vogelnester
- zu wenig Zuluft, zum Beispiel nach dem Einbau dichter neuer Fenster
- Dunstabzüge, die bei gleichzeitig laufender Gastherme oder brennendem Kaminofen Abgase in den Raum zurücksaugen können
- Geräte, die nicht in Innenräume gehören: Holzkohlegrill, Heizpilz, Katalytofen oder Notstromaggregat in Keller oder Garage
Eine Sonderrolle spielen Pellets. Sie können schon bei der Lagerung Kohlenmonoxid abgeben. Ein Pelletslager braucht deshalb eine dauerhafte Belüftung ins Freie, kurzes Lüften vor dem Betreten reicht laut den Fachleuten nicht aus. Tückisch ist auch, dass CO durch Wände und Decken dringen kann. Betroffen sein können also auch Nachbarwohnungen ohne eigene Feuerstelle.
Kohlenmonoxid Symptome: Woran Sie eine Vergiftung erkennen
CO verdrängt im Blut den Sauerstoff vom roten Blutfarbstoff. Gehirn und Herz bekommen dadurch zu wenig Sauerstoff. Die deutsche Leitlinie zur Kohlenmonoxidvergiftung nennt als häufigste Beschwerden Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Schwindel und kurze Ohnmachtsanfälle. Das österreichische Gesundheitsportal zählt außerdem Sehstörungen, Ohrensausen und Druck auf der Brust zu den Warnzeichen.
Bei einer schweren Vergiftung kommt es zu Kreislaufkollaps, Bewusstlosigkeit und Krampfanfällen. Das kann in kurzer Zeit tödlich enden. Besonders gefährlich ist CO im Schlaf: Wer schläft oder Alkohol getrunken hat, kann laut der US-Gesundheitsbehörde CDC sterben, bevor überhaupt Beschwerden auftreten.
Die Beschwerden sind unspezifisch. Die CDC beschreibt sie als „grippeähnlich“, bei Kindern ähneln die ersten Zeichen laut Leitlinie oft einem Virusinfekt. Hellhörig sollten Sie werden, wenn
- die Beschwerden zu Hause stärker werden und nachlassen, sobald Sie an der frischen Luft oder in der Arbeit sind,
- mehrere Menschen im Haushalt gleichzeitig Kopfweh oder Übelkeit haben,
- die Beschwerden kommen und gehen und vor allem in einem bestimmten Raum auftreten.
Wer öfter mit dumpfen Kopfschmerzen am Morgen aufwacht, sollte bei laufender Gastherme oder Ofenheizung auch an Kohlenmonoxid denken.
Verdacht auf CO in der Wohnung: Was sofort zu tun ist
Bei einem Verdacht zählt jede Minute. Wichtig ist der Eigenschutz: Bringen Sie sich nicht selbst in Gefahr. Das empfiehlt das Gesundheitsportal des Gesundheitsministeriums:
- Fenster und Türen weit öffnen und die Wohnung verlassen. Betroffene an die frische Luft bringen, wenn das ohne Gefahr möglich ist.
- Heizgerät, Therme oder Ofen nicht weiter betreiben.
- Rettung (144) rufen. Ist die Gefahr für Helfende zu groß, zuerst die Feuerwehr (122) verständigen.
- Bewusstlose Personen in die stabile Seitenlage bringen. Atmet die Person nicht, sofort mit der Wiederbelebung beginnen.
- Riecht es zusätzlich nach Gas, den Gasnotruf 128 wählen.
Die Wohnung erst wieder betreten, wenn Feuerwehr oder Fachleute Entwarnung gegeben haben. Für Fragen, wie gefährlich eine Situation ist, berät die Vergiftungsinformationszentrale rund um die Uhr unter 01 406 43 43.
Eine wichtige Einschränkung: Normale Fingerclip-Pulsoxymeter, wie sie viele zu Hause haben, können laut Leitlinie nicht zwischen CO und Sauerstoff im Blut unterscheiden. Ein guter Messwert schließt eine Vergiftung also nicht aus.
Wann zum Arzt? Behandlung und Spätfolgen einer Kohlenmonoxidvergiftung
Bei jedem begründeten Verdacht gehören Betroffene ärztlich untersucht, auch wenn es ihnen an der frischen Luft schon besser geht. Das Gesundheitsportal betont, dass auch leichte Vergiftungen behandelt werden müssen, weil Spätschäden nicht auszuschließen sind. Rufen Sie sofort die Rettung (144) bei:
- Bewusstseinsstörung, Verwirrtheit oder starker Schläfrigkeit
- Ohnmacht, Krampfanfall oder Kollaps
- Atemnot, Brustschmerz oder Druck auf der Brust
- Beschwerden bei Schwangeren, Säuglingen, Kleinkindern oder Menschen mit Herz- oder Lungenerkrankung
Laut Leitlinie soll bei Verdacht schon vor dem Krankenhaus mit der Gabe von 100-prozentigem Sauerstoff begonnen werden. Normale Blutwerte schließen eine Vergiftung nicht sicher aus, wenn Vorgeschichte und Beschwerden passen. Bei schweren Vergiftungen und in der Schwangerschaft kann eine Behandlung in der Druckkammer (hyperbare Sauerstofftherapie) infrage kommen, die Studienlage dazu ist aber schwach.
Zu den Spätfolgen einer Kohlenmonoxidvergiftung zählen laut Brandverhütungsstelle Gedächtnis- und Bewegungsstörungen, auch nach der Behandlung. Laut Leitlinie können solche verzögerten neurologischen Folgen bei bis zu der Hälfte der Betroffenen auftreten, meist im ersten Monat. Melden Sie neue Beschwerden in den Wochen danach deshalb Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Auch bei anhaltendem Schwindel lohnt ein Blick auf die Warnzeichen bei Schwindel.
Vorbeugen: Wartung, Rauchfangkehrer und CO-Melder
Die meisten CO-Unfälle lassen sich verhindern. KFV und Brandverhütungsstelle raten:
- Gasthermen, Öfen, Kamine und Durchlauferhitzer regelmäßig von einem Fachbetrieb warten lassen und die Intervalle einhalten.
- Einen neuen Kaminofen vor der ersten Inbetriebnahme vom Rauchfangkehrer überprüfen lassen.
- Den Rauchfangkehrer fragen, bevor dichtere Fenster, eine Dunstabzugshaube oder ein Klimagerät eingebaut werden.
- Gasgeräte und Dunstabzug nicht gleichzeitig betreiben.
- Nur geeignetes Brennmaterial verwenden und nie Grill, Heizpilz oder Stromaggregat in Wohnung, Keller oder Garage betreiben.
Als zusätzlichen Schutz empfiehlt das Gesundheitsportal einen CO-Melder für Wohnungen mit Gastherme. Er schlägt mit einem lauten Ton Alarm und weckt auch aus dem Schlaf. Die CDC rät, Melder in der Nähe der Schlafräume anzubringen. Laut Brandverhütungsstelle kostet ein CO-Melder meist 30 bis 50 Euro, er sollte nach den Normen EN 50291 geprüft sein und je nach Herstellerangabe in etwa 1,50 bis 1,80 Meter Höhe hängen. Ein CO-Melder ersetzt keinen Rauchmelder, und seine Lebensdauer ist begrenzt.
Und noch ein Tipp für die Heizsaison: Trockene Heizungsluft reizt die Schleimhäute. Was dagegen hilft, lesen Sie im Artikel über Nasenbluten im Winter.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) – Kohlenmonoxidvergiftung
Kann man Kohlenmonoxid riechen?
Nein. Kohlenmonoxid ist farblos, geruchlos und geschmacklos. Ohne Messgerät bemerkt man es nicht. Riecht es nach Gas, ist das ein eigener Notfall: Fenster öffnen, die Wohnung verlassen und den Gasnotruf 128 wählen. Vor Kohlenmonoxid selbst warnt zuverlässig nur ein CO-Melder, der Alarm schlägt.
Wie merkt man eine leichte Kohlenmonoxidvergiftung?
Typisch sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und manchmal Atemnot. Weil diese Beschwerden an eine Grippe erinnern, werden sie oft verkannt. Ein Hinweis auf CO ist, wenn es Ihnen an der frischen Luft besser geht, die Beschwerden zu Hause wiederkehren oder mehrere Menschen im Haushalt gleichzeitig betroffen sind.
Wo sollte man einen CO-Melder anbringen?
Sinnvoll ist ein Melder in Räumen mit Gastherme, Ofen oder Kamin und in der Nähe der Schlafzimmer, damit der Alarm auch nachts gehört wird. Die Brandverhütungsstelle nennt als Montagehöhe meist 1,50 bis 1,80 Meter. Maßgeblich sind aber die Angaben des Herstellers. Den Melder nach Ablauf seiner Lebensdauer tauschen.
Muss man nach einer Kohlenmonoxidvergiftung ins Krankenhaus?
Bei begründetem Verdacht ja, auch wenn es Ihnen schon besser geht. Ärztinnen und Ärzte geben Sauerstoff und klären, wie schwer die Vergiftung ist. Laut Gesundheitsportal sind auch leichte Vergiftungen behandlungsbedürftig, weil Spätschäden möglich sind. Neue Beschwerden wie Gedächtnisprobleme in den Wochen danach sollten Sie ärztlich abklären lassen.
Wer ist durch Kohlenmonoxid besonders gefährdet?
Laut CDC erkranken Säuglinge, ältere Menschen sowie Menschen mit Herzkrankheit, Blutarmut oder Atemwegserkrankungen leichter. In der Schwangerschaft ist auch das ungeborene Kind betroffen, weil CO im kindlichen Kreislauf laut Leitlinie langsamer aufgenommen und abgebaut wird. Besonders gefährlich ist CO außerdem im Schlaf und nach Alkoholkonsum, weil Warnzeichen dann unbemerkt bleiben.
Quellen
- Gesundheitsportal (gesundheit.gv.at): Vergiftung durch Kohlenmonoxid
- BVS und KFV: Kohlenmonoxid – tödliche Gefahr auf leisen Sohlen (Pressetext, 8.11.2023)
- Jüttner B. et al.: S2k guideline diagnosis and treatment of carbon monoxide poisoning. GMS Ger Med Sci 2021
- CDC: Carbon Monoxide Poisoning – Basics
- NHS: Carbon monoxide poisoning
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.