Medizin · Augen, HNO & Zähne

Nasenbluten im Winter: Warum Heizungsluft die Nase bluten lässt – und was wirklich hilft

Nasenbluten im Winter ist kein Zufall: Heizungsluft trocknet die Nasenschleimhaut aus, dazu kommen Schnupfen und häufiges Schnäuzen. Hier lesen Sie, wie Sie die Blutung richtig stoppen, vorbeugen und welche Warnzeichen ärztliche Hilfe brauchen.

7 Min. Lesezeit

Frau mit Teetasse sitzt an einem Winterabend neben der Heizung – trockene Heizungsluft begünstigt Nasenbluten im Winter
Inhalt
  1. Warum ist Nasenbluten im Winter häufiger?
  2. Nasenbluten stoppen: So leisten Sie richtig Erste Hilfe
  3. Nach der Blutung: Was Sie in den nächsten 24 Stunden vermeiden sollten
  4. Häufiges Nasenbluten im Winter vorbeugen
  5. Nasenbluten im Winter: Wann zum Arzt?
  6. Häufig gestellte Fragen (FAQ) – Nasenbluten im Winter
  7. Quellen

Nasenbluten im Winter ist kein Zufall: Sobald die Heizsaison beginnt, trocknet die warme Raumluft die empfindliche Nasenschleimhaut aus, und dazu kommen Schnupfen und häufiges Schnäuzen. Laut einer US-Leitlinie haben mindestens 60 % der Menschen irgendwann im Leben Nasenbluten, meist ist es harmlos und lässt sich zu Hause stoppen. Dieser Ratgeber erklärt, warum die Nase gerade in der kalten Jahreszeit öfter blutet, welche Erste Hilfe wirklich wirkt, welche verbreiteten Tipps eher schaden, wie Sie vorbeugen und bei welchen Warnzeichen Sie ärztliche Hilfe brauchen.

Warum ist Nasenbluten im Winter häufiger?

Im vorderen Teil der Nasenscheidewand liegt ein dichtes Geflecht feiner Blutgefäße direkt unter einer dünnen Schleimhaut. Laut einer Übersichtsarbeit im Fachjournal American Family Physician stammen mehr als 90 % aller Nasenblutungen aus diesem vorderen Bereich. Wird die Schleimhaut dort trocken und rissig, platzen die kleinen Gefäße leichter, etwa beim Schnäuzen, Niesen oder Nasebohren.

Genau das passiert in der Heizsaison. Das österreichische Gesundheitsportal gesundheit.gv.at nennt trockene Nasenschleimhaut durch Heizungsluft im Winter ausdrücklich als Auslöser. Dazu kommen Erkältungen und grippale Infekte: Starkes Schnäuzen bei einem Schnupfen und Infektionskrankheiten mit Fieber gehören ebenfalls zu den typischen Ursachen.

Auch eine Studie zeigt den Wintereffekt. Eine kanadische Klinik hat 476 Fälle von Nasenbluten aus den Jahren 2015 bis 2017 ausgewertet: Die meisten traten im Winter auf, und je niedriger die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit eines Tages war, desto mehr Fälle gab es. Ob die trockene Luft allein dafür verantwortlich ist, lässt sich daraus nicht sicher sagen. Mehr dazu, was trockene Luft in Räumen mit Haut und Schleimhäuten macht, lesen Sie in einem eigenen Beitrag.

Nasenbluten stoppen: So leisten Sie richtig Erste Hilfe

Die wichtigste Regel: Ruhe bewahren und die Blutung mit Druck stoppen. So gehen Sie vor:

  • Aufrecht hinsetzen und den Kopf leicht nach vorne beugen. So läuft das Blut aus der Nase und nicht in den Rachen.
  • Beide Nasenflügel fest zusammendrücken, und zwar knapp oberhalb der Nasenlöcher, also am weichen Teil der Nase. Dabei durch den Mund atmen.
  • Lange genug drücken: Die US-amerikanische Leitlinie der HNO-Fachgesellschaft empfiehlt festen, anhaltenden Druck auf das untere Drittel der Nase für mindestens 5 Minuten, der britische Gesundheitsdienst NHS rät zu 10 bis 15 Minuten. Zwischendurch nicht loslassen, um nachzusehen.
  • Blut ausspucken statt schlucken. Verschlucktes Blut kann Übelkeit auslösen.
  • Kühlen: Ein kalter Umschlag im Nacken oder ein in ein Tuch gewickeltes Kühlpack auf dem Nasenrücken kann helfen, ist aber nur eine Ergänzung zum Abdrücken.

Den Kopf in den Nacken zu legen ist dagegen ein alter, aber schlechter Tipp. Das Blut rinnt dann in den Rachen, wird geschluckt, und Sie sehen nicht, ob die Blutung schon aufgehört hat. Auch Hinlegen ist ungünstig.

Nach der Blutung: Was Sie in den nächsten 24 Stunden vermeiden sollten

Hat die Blutung aufgehört, verschließt zunächst nur ein frischer Blutpfropf das verletzte Gefäß. Er löst sich leicht wieder. Der NHS rät deshalb, in den 24 Stunden nach dem Nasenbluten auf einiges zu verzichten:

  • nicht schnäuzen und nicht in der Nase bohren, Krusten nicht entfernen
  • keine heißen Getränke und keinen Alkohol
  • nicht schwer heben und keinen anstrengenden Sport
  • nicht flach liegen

Danach hilft es, die Nase eine Weile zu schonen und vorsichtig zu schnäuzen. Ärztinnen und Ärzte setzen zur Unterstützung der Heilung mitunter eine Nasensalbe ein. Fragen Sie in der Apotheke oder ärztlich nach, welches Präparat für Sie passt, statt auf Verdacht ein Medikament in die Nase zu bringen.

Blutet die Nase in dieser Zeit erneut, gehen Sie wie oben beschrieben vor: aufrecht sitzen, nach vorne beugen, Nasenflügel abdrücken. Kommt die Blutung immer wieder, ist das ein Grund für eine ärztliche Abklärung. Bei Nasenbluten bei Kindern gilt zusätzlich: Hat das Kind womöglich etwas in die Nase gesteckt, etwa eine Erbse oder ein kleines Spielzeugteil, muss das ärztlich entfernt werden. Bei einer Knopfbatterie sofort ins Krankenhaus, denn das Kind könnte sie auch verschluckt haben.

Häufiges Nasenbluten im Winter vorbeugen

Wer zu häufigem Nasenbluten neigt, kann in der Heizsaison einiges tun, damit die Schleimhaut feucht und widerstandsfähig bleibt. gesundheit.gv.at empfiehlt vor allem, auf ausreichende Luftfeuchtigkeit in den Räumen zu achten. Dabei hilft es, die Räume nicht zu stark zu heizen. Wer einen Luftbefeuchter verwendet, sollte ihn regelmäßig reinigen, damit sich darin keine Keime vermehren. Ein Nasenspray mit Salzlösung kann die Schleimhaut zusätzlich befeuchten.

Ebenso wichtig ist ein schonender Umgang mit der Nase: vorsichtig schnäuzen, eine Seite nach der anderen, und bei Kindern die Fingernägel kurz halten. Abschwellende Nasensprays sollten nur wenige Tage verwendet werden, denn ihre längere Anwendung zählt laut gesundheit.gv.at selbst zu den Ursachen von Nasenbluten. Auch kortisonhaltige Nasensprays, etwa bei Allergien, zählen zu den möglichen Auslösern. Bluten Sie unter einem solchen Spray häufiger, besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Manche Menschen sind generell anfälliger. Laut NHS bekommen Kinder, Erwachsene über 45, Schwangere und Menschen mit Bluthochdruck häufiger Nasenbluten. Wer zu dieser Gruppe gehört und oft blutet, sollte den Blutdruck kontrollieren lassen.

Nasenbluten im Winter: Wann zum Arzt?

Die allermeisten Nasenblutungen sind harmlos. Laut der US-Leitlinie suchen nur etwa 6 % der Betroffenen deswegen ärztliche Hilfe. Bei folgenden Warnzeichen sollten Sie aber nicht warten:

  • Sofort die Rettung (144) rufen bei sehr starker Blutung, Atemproblemen, Schwäche oder Schwindel, wenn das Nasenbluten nach einem Schlag oder Sturz auf den Kopf begonnen hat oder wenn so viel Blut geschluckt wird, dass Sie erbrechen.
  • In die Notaufnahme, wenn die Blutung trotz richtigem Abdrücken länger als 10 bis 15 Minuten anhält. Nicht selbst mit dem Auto fahren.
  • Zeitnah ärztlich abklären bei immer wiederkehrendem Nasenbluten, bei Zeichen einer Blutarmut wie Herzrasen, Atemnot oder auffälliger Blässe, bei Gerinnungsstörungen und wenn ein Kind unter zwei Jahren Nasenbluten hat.

Wer Gerinnungshemmer nimmt, etwa wegen Vorhofflimmern, blutet oft länger. Die Medikamente aber bitte nicht eigenmächtig absetzen: Laut Leitlinie werden zuerst die üblichen Maßnahmen wie Druck oder Tamponade eingesetzt. Ärztlich lässt sich eine blutende Stelle veröden, mit Silbernitrat, Strom oder Laser, oder mit einer Tamponade stillen. Blutet es immer wieder aus beiden Nasenlöchern oder ist das in der Familie häufig, sollte nach einer erblichen Gefäßerkrankung (Morbus Osler) gesucht werden. Nicht sicher, ob Sie zum Arzt müssen? Die Gesundheitsberatung 1450 hilft rund um die Uhr weiter.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) – Nasenbluten im Winter

Warum bekomme ich im Winter öfter Nasenbluten?

Heizungsluft trocknet die Nasenschleimhaut aus. Im vorderen Teil der Nase liegen viele feine Gefäße direkt unter der Schleimhaut, die dann beim Schnäuzen oder Niesen leicht einreißen. Dazu kommen Erkältungen mit häufigem Schnäuzen. Eine kanadische Studie zeigt, dass Nasenbluten im Winter häufiger auftritt und an trockenen Tagen öfter vorkommt.

Wie lange muss man bei Nasenbluten die Nase zudrücken?

Drücken Sie die weichen Nasenflügel mindestens 5 Minuten lang fest zusammen, besser 10 bis 15 Minuten, ohne zwischendurch loszulassen. Sitzen Sie dabei aufrecht und beugen Sie den Kopf leicht nach vorne. Hört die Blutung nach 10 bis 15 Minuten nicht auf, brauchen Sie ärztliche Hilfe.

Soll man bei Nasenbluten den Kopf in den Nacken legen?

Nein. Wird der Kopf zurückgelegt, rinnt das Blut in den Rachen und wird geschluckt. Das kann Übelkeit und Erbrechen auslösen, und man erkennt nicht, ob die Blutung noch anhält. Richtig ist, aufrecht zu sitzen, den Kopf leicht nach vorne zu neigen und Blut auszuspucken.

Ist häufiges Nasenbluten gefährlich?

Meist steckt eine trockene oder gereizte Schleimhaut dahinter. Häufiges Nasenbluten sollte trotzdem ärztlich abgeklärt werden, vor allem bei Bluthochdruck, bei Einnahme von Gerinnungshemmern, bei Zeichen einer Blutarmut oder wenn es immer wieder aus derselben Seite blutet. Selten stecken Gerinnungsstörungen, Gefäßerkrankungen oder Tumoren dahinter.

Was tun bei Nasenbluten bei Kindern?

Nasenbluten bei Kindern ist häufig und meist harmlos. Das Kind aufrecht hinsetzen, den Kopf leicht nach vorne beugen und die Nasenflügel einige Minuten zusammendrücken. Ärztlich abklären lassen sollten Sie Nasenbluten bei Kindern unter zwei Jahren, häufige Blutungen und jeden Verdacht auf einen Fremdkörper in der Nase, besonders eine Knopfbatterie.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

Medizinischer Hinweis: Die Inhalte von MEDMIX dienen ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken. Die Beiträge der MEDMIX-Website sind kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bilder und Darstellungen werden, sofern nicht anders angegeben, mit KI erstellt.