Dienstag, Juli 2, 2024

Wie sich Kinderfüße gesund entwickeln können

Alle, die schon einmal einem neugeborenen Baby die Söckchen angezogen haben, wissen: Die kleinen Füßchen sind bei den Jüngsten häufig noch leicht nach innen gedreht. Dabei handelt es sich aber meist um eine völlig natürliche Fußstellung, die sich wenige Wochen und Monate nach der Geburt wieder vollständig zurückgebildet. Wir erklären in unserem Betrag, wie man eine gesunde Entwicklung der Füße ab der Geburt fördern kann und welche Folgen Fußfehlstellungen bei Kinderfüßen haben können.

 

Fehlstellung – was ist normal?

Fußfehlstellungen machen die meisten Eltern nervös – verständlicherweise. Dazu sollte man aber wissen, dass sich viele Fußfehlstellungen bei kleinen Kindern mit der Zeit von allein auswachsen. Aufmerksam sollte man dann werden, wenn ein bisher völlig gesunder Fuß plötzlich eine auffällige Form bekommt. Auch der Besuch bei einem Orthopäden oder Podologen macht dann Sinn. Gut zu wissen: Es gibt verschiedene Fehlstellungen der Füße. Hier ein grober Überblick:

Übersicht der häufigsten Fußfehlstellungen © haflinger.com
Übersicht der häufigsten Fußfehlstellungen © haflinger.com

Wenn bei Neugeborenen die Beinchen leicht nach innen gedreht sind, sollte man nicht gleich in Panik verfallen. Das kann eine völlig natürliche Fußstellung bei Neugeborenen sein – die Zehen zeigen leicht zueinander, der Fuß hat eine C-Form.  Diese Fußstellung entsteht auf Grund des mangelnden Platzes in der Gebärmutter und betrifft vor allem große Kinder oder Mehrlinge. Dieser angeborene Sichelfuß normalisiert sich im ersten Lebensjahr in den meisten Fällen von selbst.

 

Barfuß laufen lassen

Beginnen die Kleinen dann zu krabbeln und zu gehen, sollte man darauf achten, dass sie möglichst oft barfuß sind, So kann das Kleinkind die motorischen Fähigkeiten, die dann für das Gehen nötig sind, am besten ausbauen. Weitere Vorteile des Barfußlaufens:

  • Muskeln werden trainiert,
  • Fußknochen werden gestärkt,
  • Gleichgewicht wird geschult,
  • und ein sicherer Gang wird trainiert.

Mit dem Barfußlaufen kann das Kind die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit kennenlernen, z. B. im Sommerurlaub den Sandstrand oder die Wiese – zu Hause die Holzböden, Teppiche und Fließen. Das schult die Wahrnehmung der Kinder. Im Winter sollten auf kalten Böden im Innenbereich aber rutschfeste Söckchen getragen werden.

 

Genug Bewegung für die Füße

Außerdem gilt: Für eine gesunde Fußentwicklung ist ausreichend Bewegung die wichtigste Voraussetzung. Nur so können die vielen kleinen Muskeln, die am Fuß zu finden sind, gut trainiert werden. Es gibt auch lustige Spiele dafür. Das Murmel-Spiel beispielsweise eignet sich für Kinder ab drei Jahren:

Kleine Murmeln werden mit den Zehen aufgehoben und in eine Schüssel gelegt. Man kann auch einen Wettbewerb daraus machen: Wer schneller alle Murmeln mit den Füßen aufgesammelt hat, hat gewonnen.

Leichte Übung für gesunde Füße © haflinger.com
Leichte Übung für gesunde Füße © haflinger.com

Gut zu wissen: Kinderfüße sind evolutionsbedingt mit den Händen zu vergleichen – sie greifen, halten und klammern. Aus diesem Grund ist genug Bewegungsfreiheit für die Füße so wichtig. Schließlich muss man den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder unbedingt fördern.

 

Rechtzeitig auf die nächste Schuhgröße wechseln

Ein weiter wichtiger Punkt betrifft die richtige Schuhgröße: Kinder melden sich nicht, wenn ihre Schuhe zu klein werden. Auch wenn die Kinder bereits reden können, ziehen die meisten von ihnen die kleinen Zehen einfach ein, wenn die Schuhe zu klein sind. Wird das auf Dauer gemacht, dann können schwere Fußschäden entstehen, die nur langwierig und mit Therapien wieder gebessert werden können. Deshalb sollten die Eltern immer genau im Blick behalten, wie groß die Schuhe sind, die das Kind aktuell trägt.

So misst man, ob die Schuhe noch passen: Dazu einfach die Innensohle aus dem Schuh nehmen und das Kind daraufstellen. Zwischen Zehe und äußerer Kante der Sohle sollte noch ca. ein Zentimeter Platz bleiben – ansonsten ist der Schuh schon bald zu klein.

 

Qualitatives Schuhwerk für die Kleinsten

Der Billig-Schuh kann das, was ein qualitatives Schuhwerk bietet, nicht. Gute Schuhe haben ein biegsames, weiches und natürliches Material. Für Gehanfänger sollte man unbedingt Schuhe mit flexibler Sohle wählen. Mit diesen Erstlingslaufschuhen können die kleinen Füßchen beim Gehen besser abrollen. Gleichzeitig können sie so die Fußmuskulatur trainierten.

Außerdem muss darauf geachtet werden, dass das Schuhwerk zur Beschaffenheit des Kinderfußes passt. Das heißt: Breiter Fuß braucht breiten Schuh und umgekehrt. Ansonsten besteht die Gefahr, dass es zu Fußschäden kommt, beispielsweise zu einem Senkfuß oder einer Schiefstellung der Zehen.

 

Langfristig Folgen von Fußfehlstellungen beachten

Abschließend möchten wir noch festhalten, welche langfristigen gesundheitlichen Folgen unentdeckte und unbehandelte Fußfehlstellungen haben können. Durch medizinisch auffällige Fußverformungen kann sich beispielsweise ein komplett falsches Gangbild manifestieren. Das betrifft dann nicht nur den Fuß, sondern auch die Beine bis hinauf zur Wirbelsäule. Im schlimmsten Fall führt das zu ernsthaften körperlichen Beschwerden wie Schmerzen in den Knien, in der Hüfte oder im Rücken und Haltungsschäden.

 

Fazit

Es gibt bestimmte Fußstellungen die als normal gelten, weil sie sich bis zum ersten Lebensjahr auswachsen. Häufig verändern sich die Füße der Kinder dann noch einmal, wenn sie zu Laufen beginnen. Wenn man als Elternteil allerdings Sorge hat, dass die Füßchen nicht der Norm entsprechen, kann man den Kinderarzt um Rat fragen. Da unbehandelte Fußfehlstellungen im schlimmsten Fall zu ernsthaften Erkrankungen führen können, sollten die Eltern die Füße ihrer wachsenden Kinder stets im Auge behalten – Fehlstellungen können sich nämlich auch erst später entwickeln.


Literatur:

Hodgson L, Hodges M, Williams AE, Nester CJ, Morrison SC. The „price-tag“ of foot health in infancy and early childhood: a cross sectional survey of UK parents. Eur J Pediatr. 2021 May;180(5):1561-1570. doi: 10.1007/s00431-020-03920-0. Epub 2021 Jan 15. PMID: 33449220.

Hodgson L, Growcott C, Williams AE, Nester CJ, Morrison SC. First steps: Parent health behaviours related to children’s foot health. J Child Health Care. 2020 Jun;24(2):221-232. doi: 10.1177/1367493519864752. Epub 2019 Jul 24. PMID: 31340659.

Hodgson L, Williams AE, Nester CJ, Morrison SC. Steps towards evidence-based foot-care for children: Behaviour and opinions of health professionals. Health Soc Care Community. 2020 Sep;28(5):1651-1657. doi: 10.1111/hsc.12990. Epub 2020 Mar 30. PMID: 32227526.

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