Mittwoch, Juli 3, 2024

Diabetes bei älteren Menschen: Behandlung und Betreuung

Wie effektiv die Behandlung und die Betreuung von Diabetes bei älteren Menschen sind, hängt nicht nur von der Beurteilung der Höhe des HbA1c-Wertes ab.

Bei Diabetes bei älteren Menschen ist einerseits die Kontrolle des HbA1c-Wertes wichtig. Andererseits ist auch die regelmäßige Untersuchung der Augen (um eine Retinopathie auszuschließen), der Nieren (um eine Nephropathie auszuschließen) und der Gefäße (um eine Neuropathie auszuschließen) sowie entsprechende Fußkontrollen notwendig. In diesem Sinne sollte das den Standard einer adäquaten Behandlung sein. Keinesfalls ist es jedenfalls angebracht, den Diabetes bei älteren Menschen zu ignorieren und therapeutisch einfach „wegzuschauen“.

Die Häufigkeit von Glukosetoleranzstörungen beträgt bei Über-75-jährigen über 20%, in geriatrischen Betreuungseinrichtungen bis zu 50%. Große Untersuchungen konnten zeigen, dass die Senkung des HbA1c-Langzeitblutzuckerwertes Spätkomplikationen und deren Folgekosten deutlich vermindern kann.



 

Behandlung von Folgeerkrankungen es Diabetes

Laut internationalen Erhebungen nehmen älteren Menschen mit Diabetes (60-74 Jahre) 2 bis 3 mal so viele Gesundheitsleistungen in Anspruch als altersgleiche Nichtdiabetiker. Die Behandlung von diabetischen Folgeerkrankungen verschlingt den größten Teil der Kosten.

Niereninsuffizienz, Diabetischer Fuß und häufiger geriatrische Syndrome führen zu beschleunigtem Verlust der Selbstständigkeit und zu stationärer Pflegebedürftigkeit. Wesentliche klinische Gründe liegen in vaskulären Komplikationen, altersabhängigen Funktionsdefiziten (beispielsweise kognitive Beeinträchtigung) und in gesteigerter Anfälligkeit für Therapiekomplikationen (beispielsweise Unterzuckerung oder diabetische Entgleisung) aufgrund eingeschränkter Compliance.


Blutzucker-Spiegel senken: Ideales Frühstück bei Diabetes Typ-2

Ein ideales Frühstück bei Diabetes Typ-2 sollte eiweißreich sein, um die Blutzucker-Spiegel nach den darauffolgenden Mahlzeiten während des Tages zu senken. Mehr dazu unter https://medmix.at/ideales-fruehstueck-bei-diabetes-typ-2/

Lachs als ideales Frühstück bei Diabetes hilft gegen Zuckerspitzen. © Job Narinnate / shutterstock.com
Lachs als ideales Frühstück bei Diabetes hilft gegen Zuckerspitzen. © Job Narinnate / shutterstock.com

Ziel HbA1c-Wert unter 7%

Jüngste internationale Studien konnten zeigen, dass die Senkung des HbA1c-Wertes Spätkomplikationen und Folgekos­ten deutlich vermindern kann. Ein Ziel HbA1c-Wert unter 7% wird daher von den meisten Experten gefordert. Zu beachten ist dabei aber, dass das Lebensalter beim Erstauftreten des Diabetes bei älteren Menschen und damit die Diabetesdauer eine große Rolle spielen dürfte. Personen, bei denen der Diabetes erst nach dem 75. Lebensjahr diagnostiziert wird, scheinen keine wesentlich schlechtere Prognose zu haben als gleichaltrige Nichtdiabetiker.

Die Compliance in der täglichen Praxis ist ein wichtiger Faktor. Häufige Polypharmazie und mehrmals tägliche Einnahmefrequenz sowie niederer sozial­ökonomischer Status müssen bei Diabetes bei älteren Menschen berücksichtigt werden. Schulungsprogramme für ältere Diabetiker sollten vor allem Wissen über die richtige Ernährung, über Verhinderung von hypo- und hyperglykämischen Entgleisungen (beispielsweise Selbstmessung der Blutglukose und/oder der Uringlukose) und über Prophylaxe des diabetischen Fußsyndroms vermitteln.



 

Therapeutische Prinzipien bei der Behandlung von Diabetes bei älteren Menschen

Die Behandlung von Diabetes bei älteren Menschen erfordert eine sorgfältige Abwägung von geriatrischen Syndromen. Zudem von zusätzlichen gesundheitlichen Problemen, die das Risiko von Komplikationen erhöhen. Und zwar einschließlich einer schweren Hypoglykämie.

Bei gesunden älteren Erwachsenen kann man durchaus therapeutische Ansätze anwenden, die auch für jüngere Betroffene gelten. Hingegen muss man die Behandlungspläne für gebrechliche ältere Patienten vereinfachen. Zudem sollte man die Ziele zu den Blutzuzckerwerten sowie der Höhe des Blutdrucks lockern.

Bei gebrechliche ältere Patienten sollte die Behandlung die Entwicklung von Funktions-, Wahrnehmungs-, Seh- und Geschicklichkeitsstörungen berücksichtigen. Das Ziel der Diabetesbehandlung bei älteren Menschen sollte darin bestehen, die Lebensqualität zu erhalten und symptomatische Hyperglykämie und Nebenwirkungen von Arzneimitteln, einschließlich Hypoglykämie, zu minimieren.

Die Vermeidung von hypo- und hyperglykämieassoziierten Akutsymptomen und die Prävention von Spätkomplikationen (Erblindung, Niereninsuffizienz, Amputation aufgrund diabetischen Fußsyndroms) bei gleichzeitiger Gewährleistung einer möglichst hohen Lebensqualität sind damit primäre Behandlungsziele bei diabetischen Patienten.

Grundsäulen der Therapie sind eine entsprechende Ernährungsweise sowie eine erzielbare Steigerung der körperlichen Aktivität. Prinzipiell entspricht das therapeutische Vorgehen beim Diabetes bei älteren Menschen der klassischen Stufentherapie des Diabetes mellitus Typ 2. Die Mehrzahl der älteren PatientInnen mit Diabetes mellitus Typ 2 erhalten im deutschsprachigen Raum eine Behandlung mit oralen Antidiabetika (OAD).

Nach Versagen der oralen Therapie wird eine Insulingabe notwendig, um eine adäquate Stoffwechseleinstellung zu erreichen. Zusätzlich zur individuell optimierten Stoffwechselkontrolle ist eine strikte Blutdruckeinstellung mit einem Zielwert von RR < 145/85 besonders beim Diabetes bei älteren Menschen erforderlich. Zudem ist auch eine antiaggregatorische, eine antioxidative und lipostatische Therapie sorgsam zu erwägen.



 

Behandlung des Diabetes bei älteren Menschen an die besonderen Gegebenheiten anpassen

Im Grunde genommen muss man eine Behandlung des Diabetes bei älteren Menschen verordnen, die den besonderen Bedürfnisse des Patienten entsprechen. Dabei sind Kontraindikationen und potentiellen Neben- beziehungsweise Wechselwirkungen der Medikamente zu berücksichtigen. Eine bedeutende Rolle spielt der funktionelle Status des Patienten, das heisst wie stark er seine Alltagsfunktionen beeinträchtigt sind.

Die Erfassung des Ernährungsstatus sowie der funktionellen und kognitiven Fähigkeiten gilt als unbedingt notwendig für ein erfolgreiche Therapie. Aufgrund des erhöhten Risikos einer Mangelernährung sind strikte Diätformen grundsätzlich abzulehnen.


Übergewichtige ältere Menschen mit Diabetes Typ-2 profitieren von Essen in einem Zeitfenster

Ältere Menschen mit Diabetes Typ-2 und Übergewicht können ihren Blutzucker verbessern, wenn sie in einem 10-stündigen Zeitfenster essen. Mehr dazu unter https://medmix.at/uebergewichtige-aeltere-menschen-mit-diabetes-typ-2-profitieren-von-essen-in-einem-zeitfenster/

Essen in einem bestimmten Zeitfenster kann helfen, die Gesundheit des Stoffwechsels zu fördern. © ProStockStudio / shutterstock.com
Essen in einem bestimmten Zeitfenster kann helfen, die Gesundheit des Stoffwechsels zu fördern. © ProStockStudio / shutterstock.com

Literatur:

Sanz-Cánovas J, López-Sampalo A, Cobos-Palacios L, Ricci M, Hernández-Negrín H, Mancebo-Sevilla JJ, Álvarez-Recio E, López-Carmona MD, Pérez-Belmonte LM, Gómez-Huelgas R, Bernal-López MR. Management of Type 2 Diabetes Mellitus in Elderly Patients with Frailty and/or Sarcopenia. Int J Environ Res Public Health. 2022 Jul 16;19(14):8677. doi: 10.3390/ijerph19148677. PMID: 35886528; PMCID: PMC9318510.

Bansal N, Dhaliwal R, Weinstock RS. Management of diabetes in the elderly. Med Clin North Am. 2015 Mar;99(2):351-77. doi: 10.1016/j.mcna.2014.11.008. Epub 2014 Dec 30. PMID: 25700588.


Quelle:

Diabetes im höheren Lebensalter. Prim. Univ.-Doz. Dr. Peter Fasching; MEDMIX 11/2005.

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