Sonntag, April 14, 2024

Chronische (rheumatische) Augenentzündung bei Rheuma

Bei vielen Rheuma-Erkrankungen, allen voran rheumatoider Arthritis, kommt es zu Augenproblemen wie eine Augenentzündung, Uveitis und Trockene Augen.

Das Spektrum möglicher Augenerkrankungen – chronischer Augenentzündungen, Uveitis – im Zusammenhang mit entzündlichen Rheuma-Erkrankungen ist breit, beispielsweise treten bei rheumatoider Arthritis (RA) besonders häufig Erkrankungen der Augenoberfläche wie etwa das Trockene Auge auf. Oder beim Sjögren-Syndrom eine Leder- oder Hornhautentzündung.

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Bei bestimmten Rheuma-Erkrankungen wie Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis, AS), Reiter-Syndrom, Vaskulitiden, Kollagenosen oder Morbus Wegener neben oberflächlichen auch mehr im Augeninneren befindliche (intraokuläre) Erkrankungen verbreitet. Dazu gehören etwa Entzündungen der mittleren Augenhaut (Uveitis, Uveitiden).

Während beispielsweise das trockene Auge zwar relativ harmlos ist, jedoch die Lebensqualität maßgeblich beeinträchtigen kann, können manche der Augenentzündungen sogar bis zur Erblindung führen. Dies gilt insbesondere für die sogenannte Lederhautentzündung bei rheumatoider Arthritis. Sie kann bis zur Einschmelzung der Lederhaut führen und stellt einen ophthalmologischen Notfall dar.

 

Schwierige Diagnose von durch Rheuma verursachte Augenentzündungen

Rheumatoide Arthritis und andere rheumatische Erkrankungen können mit Augenmanifestationen wie einer Uveitis auftreten. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass bei etwa einem Fünftel der Patienten mit rheumatoider Arthritis und einem Viertel bis einem Drittel der Patienten mit Bindegewebserkrankungen (außer dem Sjögren-Syndrom bei 90%) und Vaskulitis eine Augenbeteiligung vorhanden.

Die Diagnose von rheumatisch bedingten Augenerkrankungen gestaltet sich allerdings meist schwierig. Zum einen können sie zu jedem Zeitpunkt auftreten, oft lange Zeit vor der Manifestation der Gelenkerkrankung, wie dies beispielsweise häufig bei Uveitis und Morbus Bechterew der Fall ist. Hier führt häufig erst die Durchuntersuchung oder Abklärung der Uveitis zum Erkennen der zugrundeliegenden Systemerkrankung.



Augenentzündungen können auch in einer Phase beginnen, in der wie auch bei rheumatoider Arthritis die zugrundeliegende Rheuma-Erkrankung selbst keine Aktivität zeigt. Zum anderen können sie häufig auch über lange Zeit beschwerdelos bestehen. Und deswegen entdeckt man sie auch erst spät. Das heißt es kann vom Betroffenen primär vollkommen unbemerkt zu Augenveränderungen führen.

Dies ist unter anderem besonders bei Kindern mit Juveniler Idiopathischen Arthritis (JIA) der Fall. Sie entwickeln sehr häufig eine innere Augenentzündung, die aber von außen nicht erkennbar ist. Das heißt, diese Kinder müssen bei Erstmanifestation der Arthritis alle sechs Wochen augenärztlich untersucht werden, damit eine Entzündung rechtzeitig erkannt und behandelt werden kann. Ddenn die Juvenile idiopathische Arthritis-assoziierten Uveitis (JIA-U) ist eine schwerwiegende Augenerkrankung mit einem beträchtlichen Erblindungsrisiko.

Aufgrund dieser Vielgestaltigkeit sollte die Untersuchung durch spezialisierte Augenärzte beziehungsweise bei Verdacht oder unklarer Diagnose gemeinsam mit einem Rheumatologen erfolgen. Zudem ist die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit und das gemeinsame Verständnis für die Problematik zwischen diesen beiden Fachgruppen erforderlich.

So kann die Gelenkmanifestation aus Sicht des Rheumatologen gut kontrolliert sein, jedoch aufgrund der Augenveränderungen dennoch eine Therapieänderung notwendig sein.

 

Verschiedene Therapieoptionen

Grundsätzlich ist zu berücksichtigen, dass nicht jede Augenerkrankung bei einem Rheumapatienten auch tatsächlich rheumatisch bedingt sein muss. Daher muss die Ursache sorgfältig abgeklärt werden. Handelt es sich um eine Infektion, muss diese gezielt behandelt werden, Immunsuppressiva oder Biologika hingegen sind prinzipiell kontraindiziert, weil sie die Infektion verschlimmern können.

Als primäre Behandlung wird Kortison lokal (Tropfen oder Injektionen ins Auge) oder systemisch, das heißt in Form von Tabletten, Infusionen oder Injektionen verabreicht. Um Kortikosteroid bedingte Nebenwirkungen zu minimieren, ist es bei Langzeittherapie erforderlich, entweder auf Cyclosporin oder andere – meist nicht für Augenerkrankungen zugelassene – Medikamente wie beispielsweise Methotrexat, Azathioprin oder Mycophenolat Mofetil umzusteigen.

Auch Biologika wirken meist bei nicht-infektiösen sehbedrohenden Augenentzündungen gut. Erst kürzlich wurde mit Adalimumab das erste Biologikum zur Behandlung von nicht anterioren-nicht-infektiösen Uveitiden zugelassen.



 

Auch die Behandlung von Rheuma kann eine Augenentzündung beziehungsweise eine Augenerkrankung auslösen

Weiters ist zu beachten, dass auch die Rheuma-Therapie selbst eine Augenentzündung beziehungsweise Augenerkrankung auslösen kann. So können unter Immunsuppressiva Augeninfektionen mit beispielsweise Herpesviren reaktiviert werden. Durch Kortison kann der Augendruck steigen und ein grauer Star entstehen, unter Chloroquin kann es zu Hornhaut- und Makulaveränderungen kommen. Letztere gehen meistens mit Absetzen der Chloroquin zurück.

Wichtig sind jedoch regelmäßige Kontrollen, um Komplikationen rechtzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu setzen. Rheumapatienten ist generell zu empfehlen, sich bei Auftreten von Augenbeschwerden wie Fremdkörpergefühl, Lichtempfindlichkeit, Schlieren-Sehen, Sehverminderung oder Organgefühl (Spüren des Auges) sobald als möglich an einen Augenarzt zu wenden.


Literatur:

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Quelle:

Statement » Rheuma als Ursache für chronische Augenentzündung «. Univ.-Prof. Dr. Talin Barisani-Asenbauer, Fachärztin für Augenheilkunde und Optometrie. Österreichische Rheumaliga

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