Samstag, Juni 15, 2024

Chloroquin: Wirkung bei an Covid-19 erkrankten Coronavirus-Patienten

In der Corona-Pandemie durch analysiert man die Wirkung von bekannten Stoffen wie Chloroquin, Hydroxychloroquin, gegen die Coronavirus-Erkrankung Covid-19.

Die Corona-Pandemie zwingt Wissenschaftler rund um die Welt, neue Medikamente zu entwickeln und neue Anwendungsgebiete bereits verfügbarer Wirkstoffe zu suchen. So stand von Anfang an das Malaria-Medikament Chloroquin beziehungsweise sein analoger Arzneistoff Hydroxychloroquin im Blickpunkt gegen die Coronavirus SARS-Cov-2 verursachten CoVid-19-Erkrankung. Denn bei manchen Patienten brachte die Behandlung positive Effekte, wie beispielsweise mehrere aktuelle französischen Studien zeigen konnten. Eine aktuelle randomisierte klinische Studie zur Vorbeugung mit Chloroquin ergab allerdings keinen klinischen Nutzen von Hydroxychloroquin. Dazu erhielten Krankenhauspersonal, Ärzte und Pfleger, die Patienten mit COVID-19 ausgesetzt waren, 8 Wochen lang täglich eine Präexpositionsprophylaxe. Die Studie wurde aus Gründen der Sinnlosigkeit vorzeitig abgebrochen, bevor eine geplante Teilnehmerzahl von 200 Teilnehmern erreicht wurde.

 

Hoffnungsschimmer im Kampf gegen Covid-19: Chloroquin gegen das Coronavirus SARS-CoV-2

Immer wieder hat man in den letzten Jahren versucht, bewährte alte Wirkstoffe für neue Anwendungsgebiete zu untersuchen. Bei dieser Strategie ist es wichtig, dass man Arzneimittel verwendet, die im Grunde genommen sicher sind und deren Pharmakokinetik und optimale Dosierung bereits bekannt sind. In der aktuellen Pandemie durch das Auftreten des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 findet man mit Chloroquin ein spektakuläres Beispiel zur Behandlung der Covid-19-Erkrankung.


FAKTEN zu Chloroquin bei Covid-19 durch die Coronavirus SARS-Cov-2-Infektion

  • In-vitro-Daten lassen vermuten, dass Chloroquin die SARS-Cov-2-Replikation hemmt.
  • In früheren Forschungen hat Chloroquin eine In-vitro- Aktivität gegen viele verschiedene Viren gezeigt, in Tiermodellen zeigte sich jedoch keinen Nutzen.
  • Chloroquin wurde mehrfach zur Behandlung von akuten Viruserkrankungen beim Menschen ohne großen Erfolg untersucht.
  • Die Ergebnisse einiger vielversprechender aktueller klinischer Studien mit Chloroquin in China wurden ohne die Bekanntgabe genauer zugrundliegender Daten publiziert.
  • Peer Review der Ergebnisse und eine unabhängige Bewertung des potenziellen Nutzens für Patienten sind aber unerlässlich.

Schon vor 20 Jahren haben Forscher vorgeschlagen, das Chloroquin bei Virusinfektionen systematisch zu testen. Denn der Wirkstoff zeigte, dass es in vitro (in Laborversuchen) gegen ein breites Spektrum von Viren wirksam war.

Chloroquin entwickelt mehrere Aktivitäten, von denen eine darin besteht, das Phagolysosom zu alkalisieren, was die vom niedrigen pH-Wert abhängigen Schritte der Virusreplikation, einschließlich Fusion und Unbeschichtung, behindert. Andere Mechanismen der antiviralen Aktivität von Chloroquin sind schlecht dokumentiert.

Zum Zeitpunkt der mit dem schweren akuten respiratorischen Syndrom (SARS) assoziierten Coronavirus-Epidemie im Jahr 2003 wurden mehrere Wirkstoffe getestet, um die Wirksamkeit gegen das SARS-Virus zu bewerten. Hier zeigte auch das Chloroquin gegenüber dem Virus positive Wirkung. Diese Erkenntnisse gerieten aber aufgrund des Verschwindens von SARS in Vergessenheit.

Das neuartige Coronavirus SARS-Cov-2 wurde mit erstaunlicher Geschwindigkeit auf bereits verwendeten Arzneimitteln untersucht. So wurde festgestellt, dass das neue antivirale Medikament Remdesivir sowie das Malariamittel Chloroquin die Replikation des Coronarvirus SARS-Cov-2 wirksam verhindern konnten.

 

Sicher und günstig

Chloroquin ist vielleicht eines der am häufigsten verschriebenen Medikamente der Welt. Tatsächlich erhielten alle Europäer, die jahrzehntelang Malaria-endemische geografische Gebiete besuchten, eine Chloroquin-Prophylaxe und setzten diese nach ihrer Rückkehr zwei Monate lang fort.

Darüber hinaus nahmen die Einwohner in desen Malariagebieten kontinuierlich Chloroquin ein. Denn die Behandlung von Malaria basiert seit langem auf diesem Medikament. Darüber hinaus wird Hydroxychloroquin seit Jahrzehnten in viel höheren Dosen (bis zu 600 mg / Tag) zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie Rheuma eingesetzt.

Es ist schwierig, ein Medikament zu finden, das derzeit ein besser etabliertes Sicherheitsprofil als Chloroquin aufweist. Darüber hinaus sind die Kosten für das Medikament vernachlässigbar.

Daher wird die mögliche Verwendung von Chloroquin gegen das Coronavirus SARS-Cov-2 sowohl zur Vorbeugung als auch zur Heilbehandlung von Covid-19 intensiv analysiert. Wenn sich die klinischen Daten bestätigen könnten, dann hätte man eine einfache und günstige medikamentöse Behandlung gegen die teils tödliche infektiösen Atemwegserkrankung.

 

Chloroquin ist seit vielen Jahren am Markt

Chloroquin ist ein rezeptpflichtiges Medikament, das vor allem zur Therapie und Chemoprophylaxe der Malaria eingesetzt wird. Der Wirkstoff ist seit langem auch als Generikum verfügbar und mit Chinin sowie Hydroxychloroquin verwandt.

Chloroquin verwendet man darüber hinaus als Wirkstoff zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen wie Lupus erythematodes und der rheumatoiden Arthritis, der Porphyria cutanea tarda sowie bei der seltenen Form der extraintestinalen Amöbiasis.

 

Sicherheit, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen

Im Grunde genommen ist das Chloroquin ein relativ gut verträgliches Medikament. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Diese Nebenwirkungen können oft auftreten durch Einnahme von Chloroquin mit der Nahrung verringert werden. Der Wirkstoff kann bei einigen Menschen auch Juckreiz verursachen.

Wegen kleinerer Nebenwirkungen wie Übelkeit, gelegentlich Erbrechen oder Durchfall muss man normalerweise das Medikament nicht absetzen.

Übrigens lassen die vorläufigen Ergebnisse einer Studie mit hochdosierten Chloroquin (Chloroquindiphosphat) gegen COVID-19 auch vermuten, dass der Wirkstoff sehr schaden kann.

Die sehr hohen Dosierungen mit 1200 mg/d Chloroquindiphosphat verursachten gehäuft eine tödliche Wirkung mit QTc-Zeit-Verlängerungen, ohne dass Chloroquin gegen die Viren effektiv war. Deswegen haben die Forscher ihre klinische Studie auch vorzeitig abgebrochen.


Literatur:

Abella BS, Jolkovsky EL, Biney BT, Uspal JE, Hyman MC, Frank I, Hensley SE, Gill S, Vogl DT, Maillard I, Babushok DV, Huang AC, Nasta SD, Walsh JC, Wiletyo EP, Gimotty PA, Milone MC, Amaravadi RK. And the Prevention and Treatment of COVID-19 With Hydroxychloroquine (PATCH) Investigators. Efficacy and Safety of Hydroxychloroquine vs Placebo for Pre-exposure SARS-CoV-2 Prophylaxis Among Health Care Workers. A Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med. 2020 Sep 30. doi: 10.1001/jamainternmed.2020.6319. Epub ahead of print. PMID: 33001138.

Touret F, de Lamballerie X. Of chloroquine and COVID-19 [published online ahead of print, 2020 Mar 5]. Antiviral Res. 2020;177:104762. doi:10.1016/j.antiviral.2020.104762

Colson P, Rolain JM, Raoult D. Chloroquine for the 2019 novel coronavirus SARS-CoV-2. Int J Antimicrob Agents. 2020;55(3):105923. doi:10.1016/j.ijantimicag.2020.105923

Mayla Borba et al. Chloroquine diphosphate in two different dosages as adjunctive therapy of hospitalized patients with severe respiratory syndrome in the context of coronavirus (SARS-CoV-2) infection. Preliminary safety results of a randomized, double-blinded, phase IIb clinical trial (CloroCovid-19 Study).

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