Altersdepression und Risikofaktoren: Angst und soziale Konflikte als erste Anzeichen

Typisch für eine Altersdepression ist das grüblerische Denken, der Schlaf ist oft durch viele Wachphasen gestört. © sayu / shutterstock.com

Typisch für eine Altersdepression ist das grüblerische Denken, der Schlaf ist oft durch viele Wachphasen gestört. © sayu / shutterstock.com

Anzeichen und Risikofaktoren für Altersdepression sind Einsamkeit, Behinderung, chronische Erkrankungen, Schmerzen, Angst und soziale Konflikte.

Im Grunde genommen betrifft eine Altersdepression hauptsächlich Menschen mit chronischen Erkrankungen und kognitiven Beeinträchtigungen, verursacht durch Schmerzen und Leiden, familiäre Störungen und Behinderungen. Dabei verschlechtert eine Altersdepression die Ergebnisse vieler medizinischer Erkrankungen und erhöht auch die Sterblichkeit. Allgemein werden in den Lehrbüchern unterschiedliche Risikofaktoren und Anzeichen für das Auftreten ­von Altersdepression angegeben, dazu gehören unter anderem Einsamkeit, Behinderung, chronische Krankheit und Schmerzen, Angst, soziale Konflikte sowie ökonomische Belastungssituationen.



 

Erste Anzeichen für eine Altersdepression erkennen

Um der Bedeutung der einzelnen Risikofaktoren für Depressionen im höheren Lebensalter auf dem Grund zu gehen, wurde beispielsweise weiland eine umfangreiche Untersuchung an 605 Patienten im Alter von 75 Jahren durchgeführt.

In einer mehrzeitigen Evaluierung dokumentierte die Untersuchung Zustand und Veränderungen der psychischen Verfassung und überprüfte eine mögliche Korrelation mit dem Auftreten bestimmter Life-Events. Dazu zählten allen voran Krankheit, der Tod des Lebenspartners oder eines Haustieres, weiter soziale Konflikte mit Kindern beziehungsweise Enkelkindern.

Bei der Anfangsuntersuchung waren 16,9% der Untersuchten verdächtig, an einer Altersdepression zu leiden. In weiterer Folge wurden vor allem jene 285 beobachtet, die anfangs nicht depressiv waren und noch nie eine Depression hatten. In dieser Kohorte traten insgesamt 86 Fälle einer Late-onset-Depression auf. Bei fast allen dieser Studienteilnehmer waren ein oder mehrere »Life-Events« aufgetreten. Jedoch konnte für bestimmte einzelne Ereignisse kaum ein statistisch signifikanter Zusammenhang nachgewiesen werden.

Bei älteren Menschen scheint ein eindeutiger Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung und der Verringerung des Risikos für Altersdepression zu bestehen. Im Grunde genommen ist Ernährung ein veränderbarer Faktor, der ohne Nebenwirkungen depressive Symptome oder die Entwicklung von Depressionen verringern kann.

 

Gehäuftes Auftreten von Altersdepression, wenn Angst und Konflikte mit den Nachkommen größer werden

Einen gewissen Trend zum gehäuften Auftreten einer Altersdepression gibt es beim Vorliegen einer erhöhten Angst-Symptomatik und bei Konflikten mit Kindern und Enkelkindern. Hier sogar mit statistischer Signifikanz. Der Tod des Lebenspartners führte im Allgemeinen – wohl durch das Wegfallen der Pflegebelastung – sogar zu einer signifikanten Verringerung des Risikos für eine Altersdepression.

Ob belastende Lebenssituationen nun tatsächlich zum Auftreten psychischer Störungen oder Depressionen führen, hängt auch von der Persönlichkeitsstruktur des Betroffenen ab. Schließlich ist aber auch eine nötige zwischenmenschliche oder psychotherapeutische Unterstützung sehr wichtig.

 

20 oder 30 Psychotherapie-Stunden sind meist ausreichend!

Oft braucht es nicht mehr als zwanzig oder dreißig Psychotherapie-Stunden, um die Probleme zu lösen. Umso bedauerlicher ist es, dass die Psychotherapie bei älteren Menschen kaum zum Einsatz kommt. In einer dementsprechenden Untersuchung waren von etwa 10.000 ambulant behandelten Patienten aus 67 Nervenarztpraxen nur 0,6% der über 60-Jährigen in psychotherapeutischer Behandlung.

Jedenfalls kann auch der ältere ­Patient mit Altersdepression von einer Psychotherapie profitieren. Deswegen ist es wünschenswert, diese Therapieoption auch bei den Älteren häufiger zur Anwendung zu bringen, fordern Experten.




Literatur:

Wu PY, Chen KM, Belcastro F. Dietary patterns and depression risk in older adults: systematic review and meta-analysis. Nutr Rev. 2020 Nov 24:nuaa118. doi: 10.1093/nutrit/nuaa118. Epub ahead of print. PMID: 33236111.

Sacha M, Sacha J, Wieczorowska-Tobis K. Multidimensional and Physical Frailty in Elderly People. Participation in Senior Organizations Does Not Prevent Social Frailty and Most Prevalent Psychological Deficits. Front Public Health. 2020;8:276. Published 2020 Jul 21. doi:10.3389/fpubh.2020.00276

Casey DA. Depression in Older Adults: A Treatable Medical Condition. Prim Care. 2017;44(3):499-510. doi:10.1016/j.pop.2017.04.007

Alexopoulos GS. Depression in the elderly. Lancet. 2005;365(9475):1961-1970. doi:10.1016/S0140-6736(05)66665-2

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