Lungenkrankheiten durch Rauchen gehören zu den häufigsten vermeidbaren Gesundheitsschäden. Die Lunge ist das erste Organ, das mit dem Tabakrauch in Kontakt kommt, und sie trägt den größten Teil der Folgen. Die bekannteste Raucherkrankheit neben dem Lungenkrebs ist die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD. Doch bekommt wirklich jeder Raucher COPD? Kann man auch ohne Zigaretten daran erkranken? Und lohnt sich das Aufhören noch, wenn die Diagnose schon gestellt ist? Dieser Ratgeber beantwortet diese Fragen mit Zahlen aus Langzeitstudien und zeigt, wo Sie in Österreich kostenlos Hilfe beim Rauchstopp bekommen.
Welche Lungenkrankheiten durch Rauchen entstehen
Tabakrauch enthält eine Vielzahl schädlicher Stoffe, die mit jedem Zug tief in die Atemwege gelangen. Sie reizen die Schleimhaut, lähmen die Flimmerhärchen, die die Bronchien eigentlich reinigen, und halten eine dauerhafte Entzündung in Gang. Zu den wichtigsten Folgen für die Lunge zählen:
- COPD: Die Atemwege verengen sich dauerhaft, oft wird zusätzlich Lungengewebe zerstört (Lungenemphysem). Typisch sind Husten mit Auswurf und Atemnot bei Belastung.
- Lungenkrebs: Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor für Lungenkrebs. Mehr zur Früherkennung lesen Sie im Beitrag Überlebenschancen bei Lungenkrebs.
- Asthma: Bei Menschen mit Asthma verstärkt Rauchen die Entzündung der Atemwege und erschwert die Behandlung.
- Akute Verschlechterungen: Bei bestehender COPD ist Rauchen laut österreichischem Gesundheitsportal neben Infekten ein wichtiger Auslöser einer plötzlichen Verschlechterung, der COPD-Exazerbation.
Die Beschwerden entwickeln sich bei COPD meist schleichend. Viele Betroffene halten den morgendlichen Husten jahrelang für einen harmlosen Raucherhusten, bis die Atemnot beim Stiegensteigen auffällt.
Bekommt jeder Raucher COPD?
Nein, aber das Risiko ist hoch. Das zeigt eine große Langzeitstudie aus Kopenhagen. Ein dänisches Forschungsteam hat dafür 8.045 Männer und Frauen zwischen 30 und 60 Jahren, deren Lunge zu Beginn gesund war, 25 Jahre lang begleitet.
Am Ende hatten 96 Prozent der Männer, die nie geraucht hatten, noch eine normale Lungenfunktion, aber nur 59 Prozent der Männer, die durchgehend weitergeraucht hatten. Bei den Frauen lag der Anteil bei 91 und 69 Prozent. Die Autorinnen und Autoren schätzen das Risiko, als Dauerraucherin oder Dauerraucher eine COPD zu entwickeln, auf mindestens 25 Prozent. Das ist mehr, als frühere Studien angenommen hatten.
Auch bei den Todesfällen war der Zusammenhang deutlich: 92 Prozent der Menschen, die in den 25 Jahren an COPD starben, hatten zu Beginn der Studie geraucht. Dass nicht alle Raucherinnen und Raucher erkranken, hängt unter anderem mit der Veranlagung und der Menge des Tabakkonsums zusammen. Vorhersagen lässt es sich im Einzelfall nicht.
COPD ohne Rauchen: Welche Ursachen es noch gibt
COPD ist keine reine Raucherkrankheit. Eine Übersichtsarbeit im Fachjournal The Lancet schätzt, dass weltweit 25 bis 45 Prozent der Menschen mit COPD nie geraucht haben. Als weitere Risikofaktoren nennt die Arbeit:
- Rauch aus offenen Feuerstellen beim Kochen und Heizen mit Holz, Kohle oder Dung (weltweit sehr verbreitet)
- Staub, Gase und Dämpfe am Arbeitsplatz
- eine frühere Tuberkulose
- chronisches Asthma
- häufige Atemwegsinfekte in der Kindheit
- Luftverschmutzung im Freien und schlechte soziale Lebensbedingungen
In Österreich ist das Rauchen dennoch der wichtigste vermeidbare Risikofaktor. Wer nie geraucht hat und trotzdem über anhaltenden Husten oder Atemnot klagt, sollte genauso an eine COPD denken lassen.
Rauchen trotz COPD: Was ein Rauchstopp noch bringt
Die Schäden an der Lunge lassen sich durch einen Rauchstopp nicht rückgängig machen. Trotzdem lohnt sich das Aufhören in jedem Stadium. In der Kopenhagener Langzeitstudie senkte ein Rauchstopp das Risiko, an COPD zu erkranken, deutlich, vor allem wenn er früh erfolgte.
Wie viel das ausmacht, zeigt die amerikanisch-kanadische Lung Health Study. 5.887 Raucherinnen und Raucher mittleren Alters mit beginnender Verengung der Atemwege wurden zufällig auf zwei Gruppen verteilt. Eine Gruppe bekam ein zehnwöchiges Programm zur Rauchentwöhnung mit ärztlicher Beratung, Gruppensitzungen und Nikotinkaugummis, die andere die übliche Versorgung. Nach fünf Jahren hatten im Programm 21,7 Prozent aufgehört, in der Vergleichsgruppe 5,4 Prozent.
Über 14,5 Jahre starben in der Programm-Gruppe weniger Menschen: 8,83 pro 1.000 Personenjahre gegenüber 10,38 in der Vergleichsgruppe. Und das, obwohl nur eine Minderheit dauerhaft rauchfrei wurde. Wie stark Rauchen und akute Verschlechterungen die Prognose beeinflussen, beschreibt unser Beitrag COPD und Lebenserwartung.
Hilfe beim Rauchstopp in Österreich
Allein aufzuhören gelingt nur wenigen beim ersten Versuch. Mit Unterstützung steigen die Chancen. In Österreich gibt es dafür ein kostenloses Angebot: das Rauchfrei Telefon unter 0800 810 013. Es ist Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr erreichbar, wird von der Österreichischen Gesundheitskasse betrieben und ist laut Betreiber vollständig kostenfrei. Weitere Informationen finden Sie auf rauchfrei.at.
Auch Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kann Sie beim Rauchstopp begleiten und mit Ihnen besprechen, ob Nikotinersatz oder andere Medikamente zur Entwöhnung für Sie infrage kommen. Wie andere den Absprung geschafft haben, lesen Sie im Beitrag Erfolgsbeispiele zur Rauchentwöhnung aus dem Alltag.
Wer COPD hat, sollte neben dem Rauchstopp auch an den Impfschutz denken. Warum vor allem die Grippeimpfung bei COPD wichtig ist, erklären wir in einem eigenen Beitrag.
Wann zum Arzt? Warnzeichen für Raucherinnen und Raucher
Husten und Auswurf sind bei Raucherinnen und Rauchern kein harmloser Normalzustand. Lassen Sie sich ärztlich untersuchen, wenn Sie Folgendes bemerken:
- Husten mit oder ohne Auswurf, der über Wochen nicht weggeht oder jeden Morgen wiederkommt
- Atemnot bei Belastungen, die Ihnen früher leichtgefallen sind, etwa beim Stiegensteigen
- pfeifende Atmung oder häufige Bronchitis im Winter
- Blut im Auswurf, ungewollter Gewichtsverlust oder anhaltende Schmerzen im Brustkorb: Diese Zeichen sollten rasch abgeklärt werden
Eine einfache Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie) zeigt, ob die Atemwege verengt sind. Sie dauert nur wenige Minuten. Je früher eine COPD erkannt wird, desto mehr bringt ein Rauchstopp. Bei plötzlich starker Atemnot, blauen Lippen oder Bewusstseinsstörungen rufen Sie sofort den Notruf 144.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) – Lungenkrankheiten durch Rauchen
Wie viel Prozent der Raucher bekommen COPD?
In einer dänischen Langzeitstudie mit über 8.000 Menschen lag das Risiko für Dauerraucherinnen und Dauerraucher, innerhalb von 25 Jahren eine COPD zu entwickeln, bei mindestens 25 Prozent. Nur 59 Prozent der Männer, die durchgehend rauchten, hatten am Ende noch eine normale Lungenfunktion, verglichen mit 96 Prozent der Nichtraucher.
Kann man COPD bekommen, ohne zu rauchen?
Ja. Eine Übersichtsarbeit im Fachjournal The Lancet schätzt, dass weltweit 25 bis 45 Prozent der Menschen mit COPD nie geraucht haben. Mögliche Ursachen sind etwa Rauch von Holz- oder Kohlefeuern, Staub und Gase am Arbeitsplatz, chronisches Asthma, eine frühere Tuberkulose oder häufige Atemwegsinfekte in der Kindheit.
Lohnt sich ein Rauchstopp, wenn man schon COPD hat?
Ja, in jedem Stadium. Bereits entstandene Schäden bleiben zwar, aber der weitere Verlauf wird günstiger. In der Lung Health Study starben Menschen mit beginnender Atemwegsverengung, die an einem Rauchstopp-Programm teilnahmen, über 14,5 Jahre seltener als die Vergleichsgruppe. Rauchen ist außerdem ein häufiger Auslöser akuter Verschlechterungen.
Wo bekomme ich in Österreich Hilfe beim Rauchstopp?
Das Rauchfrei Telefon der Österreichischen Gesundheitskasse ist unter 0800 810 013 von Montag bis Freitag zwischen 10 und 18 Uhr erreichbar. Das Angebot ist kostenlos. Auch Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kann Sie beraten und mit Ihnen besprechen, ob Nikotinersatz oder Medikamente zur Entwöhnung sinnvoll sind.
Quellen
- Løkke A et al.: Developing COPD: a 25 year follow up study of the general population. Thorax 2006
- Salvi SS, Barnes PJ: Chronic obstructive pulmonary disease in non-smokers. Lancet 2009
- Anthonisen NR et al.: The effects of a smoking cessation intervention on 14.5-year mortality (Lung Health Study). Ann Intern Med 2005
- Gesundheitsportal Österreich: Exazerbation – plötzliche Verschlechterung bei COPD
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.