Dienstag, April 16, 2024

Das Alter beeinflusst den Gehalt der Mikronährstoffe im Blut

Altersbedingte Unterschiede beim Gehalt an Mikronährstoffen im Blut könnten künftig dazu beitragen, altersorientierte Ernährungsempfehlungen zu verbessern.

Unlängst konnte eine europäische Studie mit 2.118 Frauen und Männern zeigen, dass ältere Menschen im Vergleich zu jüngeren höhere Vitamin E-Spiegel und geringere Mengen an Mikronährstoffen wie bestimmter Carotinoide im Blut haben. Die altersbedingten Unterschiede waren unabhängig von der Landeszugehörigkeit, dem Geschlecht, der Jahreszeit, dem Cholesterinspiegel, dem Body-Mass-Index, dem Raucherstatus, dem Obst- und Gemüseverzehr sowie der Einnahme von Vitaminpräparaten.. Mit anderen Worten zeigten die Ergebnisse, dass auch das Alter den Gehalt an Mikronährstoffen im Blut beeinflussen. Dieses Wissen könnte künftig dazu beitragen, altersorientierte Ernährungsempfehlungen zu verbessern.

Obst und Gemüse erhöht die Lebenserwartung

Zahlreiche Beobachtungsstudien lassen annehmen, dass ein hoher Obst- und Gemüsekonsum das Risiko für Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und bestimmte Krebserkrankungen vermindert sowie die Lebenserwartung erhöht. Dabei führen Wissenschaftler die günstigen Effekte einer pflanzenbetonten Ernährung auf eine höhere Aufnahme von Mikronährstoffen zurück, zu denen auch Vitamine und Carotinoide zählen.

Wie könnte man jedoch messen, ob eine Person ausreichend mit diesen Mikronährstoffen versorgt ist? Könnten Blutanalysen hier weiterhelfen? Und wenn ja, gibt es Faktoren wie das Alter, die bei der Beurteilung des Blutbildes zu berücksichtigen sind? Wenn man den Versorgungszustand einer Person richtig einschätzen kann, ist man jedenfalls in der Lage, maßgeschneiderte Ernährungsempfehlungen zu entwickeln, die zum Beispiel ein gesundes Altern unterstützen.

Die Forscher werteten für ihre Untersuchung Daten der großen europäischen MARK-AGE-Studie aus. Sie wollten herausfinden, inwieweit neben den Ernährungsgewohnheiten auch das Alter die Blutspiegel von Vitamin E und verschiedenen Carotinoiden beeinflusst. An der Studie nahmen Personen im Alter zwischen 35 und 74 Jahren teil, die während des Datenerhebungszeitraums von 2008 bis 2012 in Österreich, Belgien, Finnland, Deutschland, Griechenland, Italien und Polen lebten. Neben Blutproben sammelten die Forscher Daten zu den Körpermaßen, dem Alter und Geschlecht sowie zum Gesundheitsstatus. Die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten der Teilnehmer erfassten sie mit Hilfe von Fragebögen.

Bedeutsame altersbedingte Unterschiede stellten die Wissenschaftler für alpha-Carotin, Lycopin  – dem roten Farbstoff aus Tomaten – und Vitamin E fest. Während ältere Menschen vergleichsweise geringere Spiegel der beiden Carotinoide im Blut hatten, nahmen die Werte für Vitamin E mit steigendem Alter kontinuierlich zu. Pro einem Altersunterschied von fünf Jahren nahmen die Lycopin-Konzentrationen um durchschnittlich 6,5 Prozent ab, alpha-Carotin sank um 4,8 Prozent und der Vitamin E-Spiegel nahm um 1,7 Prozent zu.

 

Ernährungsgewohnheiten und Mikronährstoffe im Blut

Die Forschenden stellen sich die Frage, auf welche Ursachen die beobachteten Unterschiede zurückzuführen sind. Eventuell könnten eine geringere Bioverfügbarkeit der Mikronährstoffe, aber auch eine mit Alterungsprozessen einhergehende veränderte Nährstoffspeicherung in den Organen sowie ein veränderter Nährstoffbedarf des Körpers eine Rolle spielen.

Ebenso sei nicht auszuschließen, dass in der Studie nicht erfasste Ernährungsgewohnheiten das Ergebnis beeinflusst hätten. So sei in der Studie nur nach dem Obst- bzw. Gemüsekonsum insgesamt gefragt worden, ohne Daten zu einzelnen Lebensmittelsorten zu erheben.

Jedenfalls sind die aktuellen Ergebnisse relevant. Sie decken sich mit anderen Studien und Beobachtungen und tragen dazu bei, eine wissenschaftliche Grundlage zu erstellen, die es erlaubt, bessere altersorientierte Ernährungsempfehlungen zu entwickeln.


Hintergrundinformationen:


Die MARK-AGE-Studie ist eine umfangreiche, von der Europäischen Union unterstützte Bevölkerungsstudie, an der 26 europäische Forschungspartner beteiligt sind, darunter auch Unternehmen. MARK-AGE zielt darauf ab, Biomarker zu identifizieren, die mit Alterungsprozessen beim Menschen in Zusammenhang stehen. Mehr Informationen unter: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0047637415000317.


Biomarker sind charakteristische biologische Merkmale, die objektiv gemessen werden und auf einen normalen biologischen oder krankhaften Prozess im Körper hinweisen können. Bei einem Biomarker kann es sich um Zellen, Gene, Stoffwechselprodukte oder bestimmte Moleküle wie Vitamine handeln. Als eingängiges Beispiel sei das Blutbild genannt, das Hinweise auf den Gesundheitszustand des Patienten gibt (Quelle: Wikipedia).


Lycopin und alpha-Carotin sind natürlicherweise in Pflanzen enthaltene Farbstoffe und gehören beide zur Klasse der Carotinoide. Den Carotinoiden wird eine große gesundheitliche Bedeutung zugesprochen. Im menschlichen Körper spielen sechs Carotinoide eine wesentliche Rolle: beta-Carotin, alpha-Carotin, Lycopin, beta-Cryptoxanthin, Lutein und Zeaxanthin. Die meisten von ihnen haben eine Schutzfunktion. Dadurch sollen sie vielen Erkrankungen wie Krebs, Arteriosklerose, Rheuma, Alzheimer und Parkinson, Grauem Star oder der Hautalterung vorbeugen (Quelle: Wikipedia).


Vitamin E ist ein Sammelbegriff für die fettlöslichen Tocopherole und Tocotrienole, wobei alpha-Tocopherol die am besten erforschte Vitamin-E-Form ist, die höchste Bioaktivität im Organismus aufweist und daher die Vitamin-E-Form ist, die in der aktuellen Studie untersucht wurde. Vitamin E ist Bestandteil aller tierischen Zellmembranen, wird jedoch nur von photosynthetisch aktiven Organismen wie Pflanzen und Cyanobakterien gebildet.


EPIC steht für European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. An der Langzeitbeobachtungsstudie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit mehr als 500.000 Studienteilnehmern im Erwachsenenalter beteiligt. Die Bevölkerungsstudie untersucht die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes.


Literatur:

Stuetz W, Weber D, Dollé ME, Jansen E, Grubeck-Loebenstein B, Fiegl S, Toussaint O, Bernhardt J, Gonos ES, Franceschi C, Sikora E, Moreno-Villanueva M, Breusing N, Grune T, Bürkle A. Plasma Carotenoids, Tocopherols, and Retinol in the Age-Stratified (35-74 Years) General Population. A Cross-Sectional Study in Six European Countries. Nutrients. 2016 Sep 30;8(10):614. doi: 10.3390/nu8100614. PMID: 27706032; PMCID: PMC5084002.


Quelle: Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE)

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