Dienstag, Februar 20, 2024

Kieferorthopädie: Alles rund um Ausbildung und Beruf

Bei der Kieferorthopädie handelt es sich um einen spezialisierten Zahnbereich, der sich speziell um die Zahnstellung kümmert. In Deutschland gibt es für diesen Berufszweig zwei verschiedene Berufsbezeichnungen, die sich in „Kieferorthopäde:in“ sowie „Zahnarzt:in für Kieferorthopädie“ gliedert. Um diesen Beruf jedoch ausüben zu können, ist zunächst ein Studium in Zahnmedizin vorgeschrieben. Dieses dauert fünfeinhalb Jahre und ist anschließend an Weiterbildungen geknüpft. Doch was ist für die Ausbildung wichtig?

Welche Ausbildung haben Kieferorthopäden:innen in Deutschland zu absolvieren?

Nach dem Studium zum Fachzahnarzt müssen sich Kieferorthopäden:innen einer Weiterbildung widmen. Diese hat auch Frau Dr. Susanne Kaiser durchlaufen, die eine Expertin für Kieferorthopädie ist. Die Weiterbildung ist in Deutschland vorgeschrieben und dauert in der Regel drei Jahre. Diese Zeit können angehende Kieferorthopäden an Universitätskliniken verbringen oder eine Ausbildung in einer kieferorthopädischen Praxis vornehmen. Die Praxis sollte jedoch über eine Weiterbildungsberechtigung verfügen, in der ein Lehrprogramm durchgeführt wird. Unter Anleitung lernen sie schließlich an Patienten die wichtigsten Maßstäbe für eine gesunde Zahnstellung.

Die Weiterbildung unterteilt sich dabei in theoretischen und praktischen Teilen. Die Theorie findet als Unterricht oder im Rahmen der Fallplanung statt. Hierbei lernen Fachzahnärzte verschiedene Grundlagen, Diagnosen und Therapien kennen. In der Praxis ist hingegen die Arbeit mit Behandlungsgeräten und deren Einsatz wichtig. Während der Ausbildung ist es ratsam, mindestens 50 Patienten verschiedener Altersgruppen zu behandeln. Dabei sollen neben unterschiedlichen Kieferfehlstellungen auch schwierige Zahnstellungen untersucht werden.

Ist die Weiterbildung abgeschlossen, erhält der Fachzahnarzt oder die Fachzahnärztin eine spezielle Urkunde, die je nach Anerkennung von der zuständigen Landeszahnärztekammer ausgehändigt wird.

Wie gut verdienen Kieferorthopäden:innen?

Da der Aufgabenbereich abwechslungsreich und vielfältig ist, kann auch die Höhe des Gehalts unterschiedlich ausfallen. Je nach Arbeitsaufwand und Ort der Berufsausübung können Kieferorthopäden:innen verschiedene Gehaltsstufen erreichen, die sich wie folgt aufteilen:

Arbeit in einer Zahnklinik: Einstiegsgehalt liegt bei ungefähr 2.000 Euro bis 3.000 Euro im Monat.
Facharztpraxis: Einstiegsgehalt von ca. 3.000 Euro bis 4.500 Euro pro Monat sind möglich.

Kieferorthopäden:innen, die eine eigene Praxis führen und über ein festes Patientenklientel verfügen, können pro Monat sogar bis zu 15.000 Euro verdienen. Allerdings gilt diese Einschätzung für Personen, die bereits im Beruf angekommen sind und diverse Geräte abbezahlt haben. Sie können demnach auch die finanzielle Verantwortung für mehrere Angestellte tragen.

Welche Voraussetzungen sind wichtig, um ein erfolgreicher Kieferorthopäde zu sein?

Neben der fachlichen Befähigung sind auch einige Persönlichkeitsmerkmale interessant. Personen, die diesen Berufsweg einschlagen möchten, sollten demnach nicht nur sorgfältig und verantwortungsbewusst arbeiten können, sondern auch gewisses Interesse an Ästhetik mitbringen. Einfühlsamkeit, Kontaktfreudigkeit und eine vertrauenswürdige Ausstrahlung runden das Portfolio schließlich ab.

Es ist ebenso ratsam, mit schwierigen Patienten umgehen zu können. Ein guter Kieferorthopäde nimmt Ängste, zeigt sich kooperativ und bietet verschiedene Möglichkeiten, um mit Patienten erfolgreich zusammenarbeiten zu können. Neben Geduld ist also auch ein Quäntchen Selbstbeherrschung und Kommunikationsfreude wichtig.

Gibt es Bedingungen, die für die Arbeit als Kieferorthopäde wichtig sind?

Da Kieferorthopäden oftmals in zahnmedizinischen Praxen oder Krankenhäusern tätig sind, ist Sorgfalt und Hygiene maßgeblich. Die meisten Kieferorthopäden:innen arbeiten zudem eng mit ihren Patient:innen zusammen. Sie müssen demnach auch gefühlsmäßig belastbar sein. Verantwortung hat daher einen besonders hohen Stellenwert.

Trotzdem ist es immer mal wieder möglich, dass sich bei der Arbeit Fehler einschleichen können. Daher empfiehlt die Landeszahnarztkammer nach Abschluss der Prüfung allen Kieferorthopäden:innen die Berufshaftpflichtversicherung. Gleichzeitig ist auch der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung sowie Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll. Bei der Wahl der richtigen Versicherungsgesellschaft ist neben ausreichend hohen Summen ebenso ein breites Versicherungsspektrum wichtig. Somit kann die Arbeit reibungslos und mit einem gewissen Maß an Sicherheit erfolgen.

 


Literatur:

Harkness M. Effective orthodontics. Aust Orthod J. 2010 Nov;26(2):206-7. PMID: 21175034.

Pernier C, Bridel N, Diemunsch C. Orthodontie conventionnelle [Adult orthodontics. Conventional orthodontics]. Orthod Fr. 2011 Mar;82(1):107-20. French. doi: 10.1051/orthodfr/2011101. Epub 2011 Apr 4. PMID: 21457698.

Ewoldsen N, Demke RS. A review of orthodontic cements and adhesives. Am J Orthod Dentofacial Orthop. 2001 Jul;120(1):45-8. doi: 10.1067/mod.2001.117207. PMID: 11455376.

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