Samstag, Januar 24, 2026

Bluthochdruck-Behandlung mit zwei Wirkstoffen beginnen

In den neuen Leitlinien zur Bluthochdruck-Behandlung bleibt der Schwellenwert unverändert, die Therapie sollte aber mit mindestens zwei Wirkstoffen begonnen werden.

In den neuen europäischen Leitlinien zur Bluthochdruck-Behandlung bleibt der Grenzwert von 140/90 mmHg für die Behandlungsbedürftigkeit grundsätzlich gleich. Wenn die Bluthochdruck-Behandlung von den betroffenen Patienten allerdings gut toleriert wird, so sollte 130 mmHg als systolischer Wert angestrebt werden. Für Patienten unter 65 Jahren soll ein Zielwert von 120-129 mmHg angestrebt werden, in keiner Patientengruppe macht ein Zielwert unter 120 mmHg Sinn. Da würden die Risiken den potenziellen Nutzen überwiegen.

 

Bluthochdruck-Behandlung ab einem Grenzwert von 140/90 mmHg beginnen

Die neuen Leitlinien zur Bluthochdruck-Behandlung des ESC/ESH – the Guidelines for the management of arterial hypertension – wurden nun beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München vorgestellt. „Sie sehen, wie die bisherigen Empfehlungen, grundsätzlich einen Grenzwert für die Behandlungsbedürftigkeit von 140/90 mmHg vor. Bei älteren Patienten werden höhere Schwellenwerte akzeptiert, zum Teil bis zu 160 mmHg, um unerwünschte Nebenwirkungen durch zu intensive medikamentöse Therapie zu vermeiden“, berichtet die Präsidentin der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG), Univ.-Prof. Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer vom Sozialmedizinischen Zentrum Süd – Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien. Nur in bestimmten Fällen soll bereits in einem Bereich von normalem Blutdruck im oberen Bereich (130-139/85-89 mmHg) medikamentös behandelt werden: wenn aufgrund einer kardiovaskulären Vorerkrankung ein besonders hohes Herz-Kreislaufrisiko besteht.

Die neuen europäischen Leitlinienzur Bluthochdruck-Behandlung wurden vor dem Hintergrund mit großem Interesse erwartet, dass im vergangenen Jahr in den USA die Werte für die Behandlungsbedürftigkeit auf 130/80 mmHg gesenkt worden waren. Das gilt in den neuen US-Leitlinien für Patienten mit einem Blutdruck > 130/80 mmHg, wenn Patienten zusätzliche Risikofaktoren aufweisen. Andere Patienten sollen mit Allgemeinmaßnahmen behandelt werden.

 

Bluthochdruck-Behandlung mit zwei unterschiedlich wirkenden Substanzen empfohlen

Neu an der europäischen Leitlinie ist auch die Behandlungsempfehlung, bei einer Mehrheit der Hochdruck-Patienten künftig von Anfang an die Bluthochdruck-Behandlung mit zwei unterschiedlich wirkenden Substanzen zu beginnen. Bisher wurde eine Monotherapie zu Beginn empfohlen, und erst bei Bedarf mit einem zweiten oder dritten Wirkstoff zu kombinieren.

 

Lebensstilmodifikationen

Sollte Bluthochdruck mit einer Kombination von drei blutdrucksenkenden Substanzen nicht ausreichend gesenkt werden können – man spricht dann von therapieresistenten Bluthochdruck, sollte auch ein Diuretikum dazugegeben werden. „Lebensstilmodifikationen werden auch in der neuen ESC-Leitlinie allen Hochdruckpatienten empfohlen“, betont Prof. Podczeck-Schweighofer. Dazu gehören eine Reduktion des Salzkonsums, gesunde Ernährung, regelmäßiges körperliches Training, Nikotinverzicht und das Anstreben von Normalgewicht. Zur bisherigen Empfehlung, Alkohol nur moderat zu konsumieren, kommt nun ausdrücklich der Hinweis, dass das sogenannte Koma- oder Rauschtrinken („binge drinking“) vermieden werden soll.

 

Bluthochdruck und Krebs

In einer neuen Empfehlung zum Thema Bluthochdruck und Krebs wird festgestellt, dass ein vorübergehendes Aussetzen der Krebsbehandlung erwogen werden kann, wenn sehr hohe Blutdruckwerte auch mit einer Kombinationsbehandlung nicht kontrollierbar sind. Ebenfalls neu ist eine Empfehlung zu Bluthochdruck und körperlicher Anstrengung im Hochgebirge. Demnach sollten Patienten mit stark erhöhtem Blutdruck darauf verzichten, sich in Höhenlagen von mehr als 4.000 Meter Seehöhe zu begeben.

Bluthochdruck ist nicht nur ein wichtiger Risikofaktor für Schlaganfälle, sondern erhöht auch das Risiko für Herzschwäche, Vorhofflimmern, Niereninsuffizienz, periphere Verschlusskrankheit oder Demenzerkrankungen.

Quellen: 2018 ESC/ESH Guidelines for the management of arterial hypertension.European Heart Journal
. 2018. doi:10.1093/eurheartj/ehy339; ESC Guidelines auf der ESC Website:www.escardio.org/Guidelines/Clinical-Practice-Guidelines/Arterial-Hypertension-Management-of

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