Sonntag, Mai 19, 2024

Depressionen bei Kindern und im Jugendalter erkennen

Traurigkeit ist häufig ein Anzeichen für Depressionen bei Kindern: Bis zu 2,5 Prozent der Kinder und bis zu 8,3 Prozent im Jugendalter leiden daran, wobei die Ursachen mannigfaltig sind.

Im Grunde genommen sind Kinder und Menschen im Jugendalter immer wieder mal traurig und niedergeschlagen. Das kann bis hin zu purer Verzweiflung gehen. Wenn eine Traurigkeit jedoch länger anhält und heftig auftritt, könnte eine Depression die Ursache sein. Wobei die Ursachen von Depressionen bei Kindern und im Jugendalter mannigfaltig sein können. Stichwörter dazu sind Ausbildung und Schule einschließlich von Leistungsdruck, das Erwachsen werden per se, Mobbing und soziale Konflikte, familiäre Probleme, verschmähte Liebe und viele mehr. Besonders wichtig sind jedenfalls in solchen Situationen Menschen, denen Betroffene vertrauen und sich ohne Ängste öffnen können.

Übrigens leiden bis zu 2,5 Prozent der Kinder und bis zu 8,3 Prozent der jungen Menschen im Jugendalter an Depressionen, wobei diese oft nicht erkannt werden. Sogar Kleinkinder im Alter zwischen ein und drei Jahren können schon betroffen sein. Besonders tragisch ist in diesem Zusammenhang, dass Suizide sogar schon im Alter von zehn Jahren vorkommen. Das zeigte sich bei einer in Wien durchgeführten Untersuchung von 122 Fällen von Selbstmorden im Kindesalter. Übrigens geschahen die meisten Selbstmordhandlungen im Februar und im Juni. Die  Experten vermuteten eine Verbindung mit dem Schulstress.

 

Mehr Informationsarbeit notwendig

Depressionen bei Menschen im mittleren Lebensalter werden meistens rechtzeitig erkannt und behandelt. Doch speziell bei der Altersdepression und bei Depressionen bei Kindern ist noch viel an Aufklärungsarbeit zu leisten. So leiden ein bis zwei Drittel der Hochbetagten unter Depressionen, laut Untersuchungen werden aber bei zwei Drittel der Betroffenen die Symptome nicht als psychische Störung erkannt und nur fünf Prozent behandelt.

Auch bezüglich auftretender Traurigkeit bei Kindern und Jugendlichen ist viel mehr Achtsamkeit angezeigt. Die Häufigkeit für Depressionen bei Kindern liegt bei 0,4 Prozent bis 2,5 Prozent, wobei die Kinder unter Depressionen mit lang anhaltenden Verstimmungen, Freudlosigkeit, Interessenverlust, Antriebsverminderung, verstärkter Ermüdbarkeit, konstanter »Traurigkeit« und Schlafstörungen leiden.

Bei den Jugendlichen leiden bereits 0,4 bis 8,3 Prozent an Depressionen. Während der Pubertät steigt die Häufigkeit der Erkrankung bereits auf jene bei den Erwachsenen an. Im Laufe des Jugend­alters erkranken dann 15 bis 20 Prozent der Jugendlichen an einer Depression. Das ist vergleichbar mit der Häufigkeit im Rahmen der Lebenszeit von Erwachsenen. Das könnte sogar darauf hinweisen, dass die meisten Depressionen bereits im Jugend­alter beginnen.

 

Depressionen bei Kindern und im Jugendalter zeigt gleiche Geschlechterverteilung

Bekannt ist auch, dass Frauen häufiger an Depressionen leiden als Männer. Allerdings dürfte bei Männern die Erkrankung wegen oft nicht gut erkannter Symptome seltener diagnostiziert werden. Doch auch dieses Ungleichgewicht im Erwachsenenalter bildet sich bereits in der Jugend heraus.

Während die Verteilung der Geschlechter von Buben zu Mädchen mit eins zu eins gleich ist, verändert sich bei den Jugendlichen die Relation in Richtung der Erwachsenenverteilung. Und zwar zwei zu eins von Frauen zu Männern unter den Depressiven. Von Lebensalter zu Lebensalter unterscheiden sich die Symptome von Depressionen bei Kindern und im Jugendalter.

Verkompliziert wird die Sachlage auch dadurch, dass gewisse Ängste – wie z.B. »Fremdeln« mit etwa acht Monaten, Trennungsängste mit 18 Monaten, Dunkelangst mit vier Jahren, soziale Trennungsängste im fünften Lebensjahr – zur natürlichen Entwicklung gehören. Auch Schlafstörungen sind in manchen Entwicklungsphasen »normal«. Die Loslösung vom Elternhaus im Rahmen der Pubertät muss zu einem gewissen Maß ebenfalls Trennungsschmerz auslösen.

 

Organische oder äußere Ursachen von Depressionen bei Kindern

Doch es gibt auch Depressionen bei Kindern, die organische beziehungsweise äußere Ursachen haben. Das können Gehirntumore, Trauer, Trennungen im Familienverband, Mobbing in der Schule oder auch sexueller Missbrauch sein. Hierzu kommt es darauf an, die eigentlichen Ursachen zu ­erkennen und zu »behandeln«.

Der Selbstmord ist die tragischste Folge von Depressionen bei Kindern – aber auch Erwachsenenalter. Eine Entwicklung in Richtung Suizidgefahr kann bei Kindern mit der Erkrankung bereits im Schulkindalter erfolgen. Oft sprechen die Betroffenen schon sehr früh über ihre Traurigkeit und hier können sich bereits Selbstmordgedanken entwickeln.

Die Befürchtung, von den Eltern nicht genug Beachtung geschenkt zu bekommen, sowie Störungen bezüglich Leistungen in der Schule sind ebenfalls Merkmale von Depressionen bei Kindern.

Depressionen bei Kindern und Jugendlichen sollten zunächst psychosoziale Hilfestellungen und Psychotherapie zur Anwendung kommen. Jedenfalls sollten nichtmedikamentöse Maßnahmen gegen Depressionen bei Kindern und Jugendlichen zum Einsatz kommen.


Literatur:

Bodicherla KP, Shah K, Singh R, Arinze NC, Chaudhari G. School-Based Approaches to Prevent Depression in Adolescents. Cureus. 2021 Feb 19;13(2):e13443. doi: 10.7759/cureus.13443. PMID: 33758723; PMCID: PMC7978390.

Werner-Seidler A, Perry Y, Calear AL, Newby JM, Christensen H. School-based depression and anxiety prevention programs for young people. A systematic review and meta-analysis. Clin Psychol Rev. 2017 Feb;51:30-47. doi: 10.1016/j.cpr.2016.10.005. Epub 2016 Oct 24. PMID: 27821267.

Mendelson T, Tandon SD. Prevention of Depression in Childhood and Adolescence. Child Adolesc Psychiatr Clin N Am. 2016 Apr;25(2):201-18. doi: 10.1016/j.chc.2015.11.005. Epub 2016 Jan 7. PMID: 26980124.

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