Freitag, Januar 23, 2026

Wirkstoffverordnung nur vermeintlich ein Vorteil

Wirkstoffverordnung löst allfällige Lieferprobleme bei Arzneimitteln nicht. Stattdessen ist schnelle und transparente Information für alle Beteiligten der Arzneimittel-Lieferkette wichtig.

„Wenn Ärzte keine Produkte, sondern lediglich nur mehr Wirkstoffe verschreiben, wird das etwaige Lieferproblematiken bei Arzneimitteln nicht lösen, sondern sogar noch verschärfen. Vielmehr sollten Ärzte in dem Moment, in dem sie ein Rezept ausstellen, darüber informiert werden, ob das entsprechende Medikament auch verfügbar ist“, betont Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG, angesichts der aufflammenden Diskussion darüber, ob es Apothekern erlaubt sein soll, selbst zu entscheiden, welches Medikament sie den Kunden aushändigen, solange es zur vom Arzt verordneten Wirkstoffklasse gehört.

Leidtragende einer solchen Verordnung wären in erster Linie die Patienten, speziell jene, die laufend Medikamente zu sich nehmen müssen. Denn sie wären womöglich gezwungen, sich auf einen oftmaligen Wechsel ihres Medikamentes einzustellen. Dazu Herzog: „Wenn nicht mehr der Arzt entscheidet, welches Medikament sein Patient bekommen soll und nur mehr der Wirkstoff verschrieben wird, dann schafft man damit eine Flexibilität, die nur vermeintlich von Vorteil ist. In Wahrheit gefährdet man dadurch die Therapietreue und das Vertrauen in die Arzneimittel.“ Wiewohl eine solche Verordnung in vielen anderen Ländern bereits existiert, gelten dort andere Preismechanismen. In Österreich herrschen weit- und tiefgreifende Regularien, die ohnehin in den vergangenen Jahren bereits zu starken Preiserosionen geführt haben.

Der Nutzen, den eine Wirkstoffverordnung bringen soll, wird sich langfristig nicht abzeichnen. Vielmehr wird eine Folge davon sein, dass der Wettbewerb unter den Arzneimittelherstellern, die mit niedrigen Preisen zu kämpfen haben, noch mehr angefacht wird. „Da laufen wir Gefahr, dass der Arzneimittelschatz ausgedünnt wird, weil sich einige Produzenten vom Markt verabschieden könnten“, spezifiziert Herzog. Anstatt also damit die Versorgungssicherheit zu erhöhen, wird eher das Gegenteil erreicht. „Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein und ist schon gar nicht im Sinne der Patienten“, so Herzog.

Jedenfalls sei man laut dem PHARMIG-Generalsekretär jederzeit gerne bereit, auf sachlicher Ebene eine Diskussion darüber zu führen, wie die Information über die Verfügbarkeit von Arzneimitteln noch transparenter gemacht und allen Beteiligten der Arzneimittel-Lieferkette, vom Erzeuger über den Großhandel und die Apotheke bis hin zum Arzt, noch zeitnaher zur Verfügung gestellt werden kann.


Quelle: PHARMIG – Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs

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