Wie Weichmacher & Co. das Hormonsystem stören

Weichmacher & Co. können das Hormonsystem stören. Deswegen sind die in Verpackungen, Cremes sowie Nahrung enthaltenen chemischen Substanzen mit Vorsicht zu begegnen.

Das menschliche Hormonsystem ist ein fein austariertes System. Schließlich muss es beispielsweise den Stoffwechsel, das Wachstum, die Reproduktion, den Schlaf sowie unsere Stimmung regulieren. Dazu binden Hormone an spezielle Rezeptoren, die dann die biologischen Wirkungen vermitteln. Substanzen wie Weichmacher, die diese Hormonbindung beeinträchtigen, verursachen beispielsweise Störungen im Blutzuckerhaushalt sowie im Kalziumstoffwechsel. Diese können wiederum die Entstehung von Diabetes sowie Osteoporose begünstigen. Solche als Endokrine Disruptoren bezeichneten Chemikalien finden sich in Plastikverpackungen, Fertignahrung sowie in Kosmetika. Deswegen fordern Experten einen bewussten Umgang mit diesen im Alltag weit verbreiteten Stoffen.

Seit längerer Zeit wissen Experten, dass Endokrine Disruptoren – englisch endocrine disrupting chemicals, EDC – starke Auswirkungen auf die Gesundheit haben können. Von den über 800 chemischen Substanzen, die überall im Alltag zu finden sind, wirken manche wie Hormone und binden im Körper an einen Hormonrezeptor. Andere wiederum blockieren Hormonrezeptoren und verhindern so, dass körpereigene Hormone andocken und wirksam werden können. Wieder andere stören die Produktion oder die Umwandlung körpereigener Hormone und bringen so das fein austarierte Hormonsystem aus der Balance.

 

Endokrine Disruptoren können das Hormonsystem beeinflussen

Man findet Endokrine Disruptoren beispielsweise in Plastikverpackungen, Fertignahrung, Kosmetika sowie elektronischen Geräten. Dabei könnten alle diese Dinge könnten das Hormonsystem nachhaltig beeinflussen. Außerdem mehren sich die Hinweise, dass auch zunächst unverdächtige und scheinbar nützliche Chemikalien wie Weichmacher für Plastik, Flammschutzmittel, Beschichtungen für Pfannen sowie Verpackungen als Endokrine Disruptoren auf Menschen wirken.

Dabei sollen Endokrine Disruptoren durch die Bindung an Hormonrezeptoren wirken. Beispielsweise können zugehörige Xenoöstrogene das Eintrittsalter in die Pubertät senken und Antiandrogene zu vermehrten Penismissbildungen sowie zu einer seit Jahrzehnten beobachteten Verminderung der Samenqualität führen.

Weiters nehmen hormonabhängige Krebsarten wie Brust- und Prostatakrebs beständig zu und korrelieren mit der Anreicherung bestimmter Endokrine Disruptoren im Körper.

 

Endokrine Disruptoren und chronische Erkrankungen

Fünf Jahre nach einer ersten systematischen Studie hat die US-amerikanische Endocrine Society ein Papier (EDC-2) vorgelegt, in dem die gesamte neue Literatur systematisch analysiert wurde. Dabei zeigten die Ergebnisse deutlich, dass Endokrine Disruptoren auch zur Erhöhung chronischer Erkrankungen wie Übergewicht sowie Diabetes beitragen.

 

Kritische Substanzen

Für einige Substanzen liegen bereits belastbare Daten vor. Dazu gehören Bisphenol A (BPA), das in vielen Beschichtungen für Lebensmittelverpackungen enthalten ist. Weiters gehören dazu Phthalsäureester (Phthalate), die als Weichmacher für Plastik dienen, sowie Pestizide und Herbizide (z.B. DDT und Atrazin). Außerdem stehen Industriechemikalien wie polychlorierte Biphenyle (PCB) und polybromierte Diether in der Kritik. Letztere werden als Flammschutzmittel in Matratzen und Elektrogeräten verarbeitet. All diese Produkte werden jährlich im Tonnenmaßstab produziert und wirken schon in geringsten Konzentrationen auf Mensch und Tier.

 

Weichmacher und Endokrine Disruptoren, Plastikverpackungen etc.

Problematisch sind neue Chemikalien, die man zwar auf akute Giftigkeit hin testeten – allerdings ohne ihre Unbedenklichkeit als Endokrine Disruptoren zu prüfen. Zur Sicherheit gehört eben auch zu klären, ob sie bereits in niedrigen Dosen in das Hormonsystem eingreifen. Den Verbrauchern raten Experten, ihre Macht als Kunden zu nutzen und gegebenenfalls ihr Kaufverhalten zu ändern.


Literatur:

Gore, A. C. , Chappell, V. A., Fenton, S. E. et al.: Executive Summary to EDC-2: The Endocrine Society’s Second Scientific Statement on Endocrine-Disrupting Chemicals. Endocr. Rev. 2015 Dec;36(6):593−602. doi: 10.1210/er.2015−1093.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)

Related Articles

Aktuell

Tipps und Empfehlungen: was man gegen Frühjahrsmüdigkeit tun kann

Es gibt einige bewährte und wertvolle Tipps, Maßnahmen und Empfehlungen, was man gegen die Frühjahrsmüdigkeit tun kann. Im Grunde genommen ist die Frühjahrsmüdigkeit ein durchaus...
- Advertisement -

Latest Articles

Die Schlafqualität für die Lebensqualität ist wichtiger als die Dauer

Die Schlafqualität ist für für die Lebensqualität und für das persönliche Wohlbefinden wichtiger als die Dauer des Schlafes. Unter dem Strich hat bislang die Forschung...

Salzsensitiver Bluthochdruck bei Frauen häufiger

Salzsensitiver Bluthochdruck ist eine häufige Ursache für Hypertonie, bei der Körper überschüssiges Salz schlechter ausscheiden kann. Salzsensitiver Bluthochdruck bedeutet, dass der Blutdruck einer Person empfindlich...

Ultraschnelles Insulin für Patienten mit Typ-1-Diabetes im Fokus

Ein neues, hochkonzentriertes ultraschnelles Insulin soll die glykämische Kontrolle bei Patienten mit Typ-1-Diabetes verbessern. Ultraschnelles Insulin ist ein neues Medikament zur Behandlung von Diabetes – es...