Dienstag, Februar 20, 2024

Ultraschall des Magen-Darm-Trakts

Nach rasanter Fortentwicklung der Technologie ist der Ultraschall mittlerweile fester Bestandteil in der Erkennung von Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts.

Seit seiner Einführung in den klinischen Alltag in den 1970er Jahren hat der Ultraschall in der Medizin eine sehr beeindruckende Entwicklung genommen. War es am Anfang noch so, dass die „Altväter“ des Ultraschalls sich darüber geärgert haben, dass der „im Ultraschall vermutete Gallenblasenstein noch einer Überprüfung durch eine Röntgenaufnahme bedurfte“, so ist durch die verbesserte Bildauflösung die Darstellung von Strukturen von 0,5 bis ein Millimeter Größe kein Problem mehr. Diese rasante Fortentwicklung der Technologie ermöglicht nun auch die Darstellung von Strukturen, die in der Anfangsphase des Einsatzes des Ultraschalls vor circa 40 Jahren allenfalls vermutet werden konnten. Deswegen kommt der Ultraschall heute auch bei der Darstellung bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts zum Tragen.



 

Ultraschall: fester Bestandteil in der Erkennung von Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts

Mittlerweile ist der Ultraschall somit ein fester Bestandteil in der Erkennung von Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Konnte man früher Strukturen im Bauchraum, die nicht der Leber, der Gallenblase, den Nieren oder anderen großen Strukturen zugehörig waren, allenfalls vermuten, so kann man heute durch die extrem genaue Ortsauflösung des Ultraschalls auch die Wand des Magens und von Darmanteilen darstellen.

Man kann die Dicke der Darmwand vermessen und auch die unterschiedlichen Schichten der Darmwand im Ultraschall sichtbar machen. Jegliche Veränderung dieser Wandschichten, sei es eine Verdickung der Wand, eine Unterbrechung der Wandstruktur, ein „Verschwimmen“ der klaren Auftrennung der verschiedenen Wandschichten oder auch Umgebungsreaktionen (Flüssigkeit im Bauchraum, entzündliche Veränderungen in der Umgebung), gibt Hinweise auf Erkrankungen des untersuchten Magen-Darm-Abschnitts.

Hier sollen stellvertretend für die Vielzahl der Möglichkeiten drei wichtige Anwendungen der Sonografie bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts dargestellt werden.

 

Erstens: Blinddarmentzündung (Appendizitis)

Die Erkennung einer Blinddarmentzündung, der sogenannten Appendizitis, war vor Einführung des hochauflösenden Ultraschalls ein Problem. Nach Literaturangaben wurden ein Drittel bis 40 Prozent der Patienten quasi umsonst operiert, weil sie zwar Beschwerden hatten, die an eine Blinddarmentzündung denken ließen, letztendlich aber doch keine Blinddarmentzündung vorhanden war, was man erst dann erkannt hatte, wenn der Bauchraum operativ eröffnet worden war.

In den meisten Fällen wurde dann der auch nicht entzündete Blinddarm vorsichtshalber entfernt. Aber welcher Patient unterzieht sich schon gerne einer nicht notwendigen Operation. Der Ultraschall ist heutzutage in der Lage, mit einer Genauigkeit von circa 95 Prozent eine Blinddarmentzündung zu erkennen oder auszuschließen. Damit kann man daher die Patientensicherheit erhöhen.

 

Zweitens: Divertikulitis beziehungsweise Divertikelkrankheit

Mit zunehmendem Alter bilden sich bei vielen Menschen Aussackungen der Darmwand, sogenannte Divertikel. Diese kommen zumeist im vorletzten Teil des Dickdarms, dem sogenannten S-Darm (Sigma) vor. Wenn sich zum Beispiel harte Anteile des Stuhlgangs in solchen Aussackungen verfangen, kommt es zu einer Entzündung der Divertikel (Divertikulitis).

Als Symptome haben die Patienten Schmerzen im linken Unterbauch, also auf der gegenüberliegenden Seite des Blinddarms. Zahlreiche Erkrankungen können solche linksseitigen Unterbauchschmerzen auslösen, der Ultraschall ist aber heutzutage in der Lage, ebenso wie bei der Blinddarmentzündung mit einer Sicherheit von circa 95 Prozent die korrekte Diagnose zu stellen. Beziehungsweise auszuschließen und somit eine zielgerichtete Behandlung zu ermöglichen.

 

Drittens: chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen treten bei circa fünf Prozent der Bevölkerung auf. Diese Erkrankungen können prinzipiell in jedem Lebensalter auftreten und befallen unterschiedliche Anteile des Dünn- und Dickdarms. Zur genauen Sicherung der Diagnose ist meistens eine Spiegelung des Dickdarms mit Entnahme von Gewebeproben unumgänglich.

Aber schon in der Anfangsphase der Erkrankung bietet der Ultraschall mit der Darstellung einer krankhaften Wandverdickung des befallenen Darmabschnittes wichtige Hinweise darüber, welche Erkrankung vermutlich vorliegt.

Nachdem die Erkrankung dann gesichert ist, ist der Ultraschall eine hervorragend geeignete Methode zur Kontrolle. Damit kann man einerseits den Krankheitsverlauf während der Therapie beurteilen. Andererseits hilft es, dem Patienten wiederholte Spiegelungen beziehungsweise strahlenbelastende Röntgenuntersuchungen zu ersparen.




Quelle:
Statement » Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts – Ultraschall Möglichkeiten «. Professor Dr. med. Dirk Becker, Vizepräsident der DEGUM/ Dr. med. Hans Worlicek, Leiter der Kommission für Ultraschall in der Praxis der DEGUM. Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM).

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