Freitag, Januar 23, 2026

Subkutane Gabe von Antikörper zur Therapie von Tumoren wirksamer

Die subkutane Gabe von multispezifischen Antikörpern macht die Therapie von Tumoren schneller und verträglicher, als wenn die Wirkstoffe ins Blut gegeben werden.

Die Therapie von Tumoren mit multispezifischen und Trifunktionalen Antikörpern ist wesentlich besser verträglich, wenn man diese subkutan unter die Haut verabreicht. Und zwar ist das im Vergleich zur bisher üblichen Darreichungsform der Fall, bei der Antikörper ins Blut gegeben werden. Das konnten unlängst Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München (HMGU) im Tiermodell feststellen. Diese subkutane Gabe der Antikörper könnte auch die Dauer von Klinikaufenthalten deutlich verkürzen.

 

Gleichmäßige Abgabe in den Körper

„Insgesamt zeigen unsere Ergebnisse aus dem Tiermodell, dass die Gabe von trifunktionalen Antikörpern subkutan deutlich vorteilhafter ist als die intravenöse Standardtherapie“, fasste Erstautorin Nina Deppisch die Resultate zusammen. „Zwar ist die Bioverfügbarkeit, also die Wirkstoffdosis im Kreislauf, geringer – dafür wird der Antikörper aber besser vertragen – bei unverminderter Wirksamkeit gegen den Tumor.“ Die Forscher gehen davon aus, dass die gute Verträglichkeit dadurch zustande kommt, dass der unter die Haut gebrachte Antikörper wie aus einem Depot langsam und gleichmäßig in den Körper abgegeben wird. „Das bestätigen auch von uns erfasste Entzündungswerte wie etwa die Spiegel bestimmter Zytokine“, so Deppisch.

 

Künftig Antikörper subkutan statt intravenös einsetzen?

Zwei Punkte sehen die Forscher als richtungsweisend: „Zum einen zeigt unsere Arbeit erneut die Wirksamkeit von trifunktionalen Antikörpern“, so Studienleiter Mocikat. „Ihr Vorteil liegt generell darin, dass sie eine langfristige Immunität gegen den Tumor herbeiführen, anstatt ihn nur kurzfristig zu bekämpfen. Zum zweiten zeigen unsere Ergebnisse, dass die Behandlung von Tumoren hinsichtlich der Verfügbarkeit für Patienten auf eine breitere Grundlage gestellt werden kann. Möglicherweise ist bei insgesamt besserer Verträglichkeit eine stationäre Aufnahme des Patienten nicht mehr nötig, da die Gabe statt über Stunden hinweg in wenigen Minuten machbar ist.“

 

Multispezifische und Trifunktionale Antikörper

Multispezifische Antikörper: Normalerweise besitzen Antikörper zwei Arten von Bindungsstellen. Die beiden identischen Antigenbindungsdomänen in den variablen Regionen an den Ästen der Y- Struktur und eine weitere Bindungsstelle für Zellen der angeborenen Immunantwort im Bereich des Antikörper-Stammes (Fc-Region). Der Trick bei multifunktionalen Antikörpern ist nun, dass sie gleichzeitig mehrere unterschiedliche Zelltypen zusammenführen. Ein konkretes Beispiel sind die hier im Text behandelten trifunktionalen Antikörper.

Trifunktionale Antikörper bilden eine Unterklasse der multispezifischen Antikörper. Ihre beiden Bindungsstellen in den variablen Regionen sind unterschiedlich. Die eine bindet an ein Oberflächenantigen auf Krebszellen, die zweite an körpereigene T-Zellen und der konstante Teil an Fresszellen der angeborenen Immunabwehr (Makrophagen, Monozyten, Dendritische Zellen).

Die Zerstörung der Krebszellen erfolgt dann durch zwei unterschiedliche Mechanismen. Die T-Zellen leiten die Lyse der Tumorzellen ein (Apoptose) und die Zellen des angeborenen Immunsystems vernichten die Krebszellen durch Phagozytose und Nekrose. Die dabei entstehenden Zelltrümmer werden dem Immunsystem präsentiert und es entsteht eine langfristige Immunität.


Literatur:

Deppisch N, Ruf P, Eissler N, et al. Efficacy and Tolerability of a GD2-Directed Trifunctional Bispecific Antibody in a Preclinical Model. Subcutaneous Administration Is Superior to Intravenous Delivery. Mol Cancer Ther. 2015;14(8):1877-1883. doi:10.1158/1535-7163.MCT-15-0156


Quelle: Helmholtz Zentrums München (HMGU)

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