Donnerstag, Juni 13, 2024

Eine Atemwegsinfekt (Bronchitis) tritt häufig vor einer Mittelohrentzündung (Otitis Media) auf

Vor einer Mittelohrentzündung (Otitis Media) tritt oft ein Atemwegsinfekt (Bronchitis) auf, wobei dann Viren und Bakterien aus dem Nasenraum ins Mittelohr wandern.

Die akute Mittelohrentzündung – Otitis Media – tritt besonders bei Kindern oft als Begleit-, oder Folgeerkrankung nach einem Atemwegsinfekt beziehungsweise nach Infekten des oberen Respirations­traktes wie einer Bronchitis auf. Denn dann gelangen die auslösenden Krankheiterreger Viren und / oder Bakterien aus dem Nasopharynx, dem Nasenrachen beziehungsweise Nasenrachenraum in das Mittelohr. Dabei gibt es verschiedene Risikofaktoren, die die Entstehung der Erkrankung begünstigen. Diese bezeichnet man fachlich als Tubenfunktionsstörung, Adenoide Vegetationen sowie hypertrophe Tonsillen. Jedenfalls Jedenfalls ist eine Mittelohrentzündung Otitis media definiert als eine Infektion der Mittelohrflüssigkeit.

 

Atemwegsinfekt vor Mittelohrentzündung: Viren und Bakterien können auch gemeinsam Verursacher sein

Jedenfalls kann eine Infektion des Mittelohrs sowie der Atemwege auf eine Virus-, Bakterien- oder Koinfektion mit beiden zurückzuführen sein.

Die häufigsten bakteriellen Erreger für eine Mittelohrentzündung sind Streptococcus pneumoniae. Gefolgt von nicht typisierbarem Haemophilus influenzae (NTHi) und Moraxella catarrhalis. Unklar ist bislang, ob die häufige Bakterien des menschlichen Ohrs, Alloiococcus otitidis und Turicella otitidis, ebenfalls beteiligt sind.

Nach der Einführung der konjugierten Pneumokokken-Impfstoffe haben sich die Pneumokokken-Organismen zu Nicht-Impfstoff-Serotypen entwickelt. Die häufigsten viralen Krankheitserreger der Mittelohrentzündung sind das Respiratory Syncytial Virus (RSV), Coronaviren, Influenzaviren, Adenoviren, humanes Metapneumovirus und Picornaviren.

 

Symptomatik bei Otitis Media

Leitsymptom einer Mittelohrentzündung ist ein stechender, oft pochender Ohrschmerz. Dabei treten bei Kindern die starken Schmerzen meist akut auf. Innerhalb von wenigen Stunden entstehende aus scheinbar voller Gesundheit heraus die Beschwerden.

Kleinkinder greifen mit der Hand häufig zum erkrankten Ohr (Ohrzwang). Die Patienten leiden sehr unter den stechenden Schmerzen im Ohr aber auch an Ohrklopfen und Schallleitungsschwerhörigkeit. Zu Schmerzen und Entzündung kommen Fieber und Abgeschlagenheit dazu.

 

Adäquate Therapie der Otitis Media

Die Entzündung bei Otitis Media heilt bei wirksamer Therapie unter Rückbildung der Trommelfellveränderungen ab oder es kommt spontan zur Perforation des Trommelfells und Abfluss des eitrigen oder serösblutigen Sekrets (Otorrhö).

Nach dem Abfluss des Sekretes verschwinden die Schmerzen recht rasch und der Allgemeinzustand des Patienten bessert sich entsprechend schnell.

 

Antibiotika anwenden

Aufgrund der möglichen schweren, mitunter vital bedrohlichen Komplikationen ist die akute Mittelohrentzündung eine Antibiotika pflichtige Erkrankung. Im Vordergrund steht die orale Gabe eines wirksamen Antibiotikums. Dabei kommen Penicillin V, Amoxicillin (evtl. in Kombination mit Clavulansäure), Cefuroxim sowie die Makrolide Erythromycin, Roxithromycin, Clarithromycin und Azithromycin zum Einsatz.

Die Anwendung der Wirkstoffe sollte ausreichend lange – etwa 4 bis 5 Tage lang – und hochdosiert erfolgen. Wobei man bei Komplikationen auf eine intravenöse Gabe wechseln kann. Zu berücksichtigen ist aber, dass eine Otitis media häufig spontan ausheilt.

Jedenfalls sollten Eltern bei ihren Kindern, wenn diese älter als 6 Monate sind, zunächst zwei Tage abwarten. Denn erst bei persistierenden Beschwerden sollte der Arzt eine Behandlung mit Antibiotika starten.

 

Weitere konservative Maßnahmen

Unter dem Strich sollte man fiebersenkende, antientzündliche und analgetisch wirkende Wirkstoffe – wie Paracetamol und NSAR – einsetzen. Die Patienten sollten sich weiter schonen und Bettruhe einhalten. Eine Wärmeanwendung am Ohr, beispielsweise durch eine Wärmflasche, kann ebenfalls den Beschwerden entgegenwirken.

 

Parazentese – der Trommelfellschnitt

Grundsätzlich bezeichnet der Begriff Parazentese ein Durchstechen oder Durchtrennen einer Körperstruktur, damit Flüssigkeiten oder Gase den Körper leichter verlassen können. Im Zusammenhang mit den Ohren kommt es bei der Parazentese zu einem Trommelfellschnitt.

Schließlich sollte eine Parazentese nur bei therapieresistenten Fällen durchgeführt werden. Wenn Fieber und Schmerzen nicht zurückgehen und eine Spontanperforation ausbleibt. Ein Trommelfellschnitt soll allerdings auch bei auftretenden Komplikationen die Heilung unterstützen.


Weitere Informationen:

Fieber bei Kindern muss nicht immer gesenkt werden


Literatur:

Amina Danishyar; John V. Ashurst. Acute Otitis Media. StatPearls [Internet]. Last Update: February 25, 2020.

Lappan R, Jamieson SE, Peacock CS. Reviewing the Pathogenic Potential of the Otitis-Associated Bacteria Alloiococcus otitidis and Turicella otitidis. Front Cell Infect Microbiol. 2020;10:51. Published 2020 Feb 14. doi:10.3389/fcimb.2020.00051

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