Samstag, Juli 6, 2024

Orthopädische Rehabilitation mit umfassender Schmerztherapie

Wenn die Orthopädische Rehabilitation Teil einer umfassenden Schmerztherapie ist, bringt das den Patienten zusätzliche Lebensqualität.

Im Grunde genommen ist die Orthopädische Rehabilitation eine spezialisierte Form der Rehabilitation. Sie zielt darauf ab, Menschen zu helfen, die aufgrund von orthopädischen Erkrankungen oder Verletzungen Schmerzen oder eingeschränkte Beweglichkeit haben. Zu den häufigsten orthopädischen Erkrankungen gehören Arthritis, Rückenschmerzen, Knie- und Hüftgelenkschmerzen, Bandscheibenvorfälle, Osteoporose, Osteoarthritis und Verletzungen durch Sport oder Unfälle. Unter dem Strich kommen übrigens vhronische Rückenschmerzen besonders teuer, sofern die Patienten auf eine Orthopädische Rehabilitation verzichten. Dies belegt eine aktuelle deutsche Studie. Dementsprechend fordern Schmerzexperten bei chronischen Schmerzen ein multimodales Konzept.

 

Orthopädische Rehabilitation kommt gesamt günstiger

Jedenfalls lohnt es sich, wenn man chronische Schmerzen konsequent behandelt. Das gilt für die Betroffenen, aber auch für die öffentlichen Haushalte. Ein wichtiger Baustein dabei ist die orthopädische Rehabilitation. In diesem Sinne analysierte eine rezente deutsche Studie gesundheitsökonomische Effekte der Rehabilitation bei chronischem Rückenschmerz. Man verglich dabei die direkten und indirekten Kosten von Patienten mit Reha-Bedarf.

Ein Teil der Patienten hatte eine Orthopädische Rehabilitation in Anspruch genommen, ein anderer nicht. Zwar kostet die Orthopädische Rehabilitation für eine Person über 5.000 Euro an direkten und indirekten Kosten wie zum Beispiel Krankenstandstage. Dennoch kommt das unter dem Strich im Gesamten günstiger, diese umfassende Maßnahme zur Schmerzbekämpfung in Anspruch zu nehmen. Denn die REHA-Patienten brauchten in den beiden Folgejahren weniger akut stationäre Leistungen. Außerdem verursachten sie geringere indirekte Kosten durch Arbeitsunfähigkeit.

 

Worauf kommt es an bei der Schmerztherapie in der orthopädischen Rehabilitation?

Zunächst muss man die Art des Schmerzes identifizieren und entsprechend dem Mechanismus mit geeigneten Medikamenten behandeln. Akute nozizeptive Beschwerden wie etwa Wund- oder Knochenschmerzen kurz nach einer Operation erfordern einen ganz anderen Behandlungsansatz als chronische Wirbelsäulenschmerzen, die häufig neuropathischen Charakter haben. In beiden Fällen ist eine medikamentöse Schmerztherapie unabdingbar, um die Patientinnen und Patienten überhaupt rehabilitationsfähig zu machen.

Chronische Schmerzen sind allerdings nicht nur Begleiterscheinungen einer morphologischen Störung, also vielleicht eines Bandscheibenproblems oder einer instabilen Wirbelsäule. Sie können sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickeln. Wobei immer mehr Menschen betroffen sind, die häufig noch mitten im Arbeitsleben stehen.

Um diese Patienten gezielter behandeln zu können, braucht man ein multimodales, individuell zugeschnittenes Rehabilitationskonzept. Dazu gehören neben Krankengymnastik oder physikalischen Therapien auch Wärme-, Kälte- und Wasseranwendungen, Massagen, Elektrotherapie und Ultraschall ergänzend zu Medikamenten sinnvoll sein.

 

Psychologisch-verhaltenstherapeutische Methoden: Schmerz bewältigen lernen und Wirksamkeit von Medikamenten hinterfragen

Ein weiterer Pfeiler der Behandlung sind psychologisch-verhaltenstherapeutische Verfahren und Entspannungstechniken. Die Schmerzpatienten erlernen Strategien zur Schmerzbewältigung. Beispielsweise Entspannungstechniken, und Coping-Strategien, um den negativen Auswirkungen von chronischen Schmerzen wie Angst, Hilflosigkeit oder Leistungsabfall bis hin zu Depression entgegenzuwirken. Auch die Eigenaktivität der Betroffenen wird gefördert.

Bei Patienten mit chronischen Schmerzen muss man auch die Wirksamkeit der Medikamente immer wieder überprüfen. Denn es geht um eine längerfristige pharmakologische Intervention, die auch die physiologischen Mechanismen der Chronifizierung günstig beeinflussen sollte.

In der Praxis zeigt sich oft, dass chronische Schmerzpatienten medikamentös nicht ideal versorgt werden. Mit anderen Worten nehmen beispielsweise ältere Menschen oft jahrelang nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR). Und das, obwohl diese Medikamentengruppe auf Dauer starke Nebenwirkungen verursacht und sich für die Behandlung neuropathischer Schmerzen gar nicht eignet. Wenn sich nach Wochen oder gar Monaten kein nachhaltiger Therapie-Erfolg einstellt, muss man die medikamentöse Behandlung auf alle Fälle umstellen. Auch wenn Schmerzfreiheit bei jahrzehntelangem Schmerz kaum erzielbar ist, gibt es immer noch verschiedene Möglichkeiten, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.


Literatur:

Krischak, Gert & Tepohl, Lena & Dannenmaier, Julia & Hartschuh, Ulrich & Auer, Ramona & Kaluscha, Rainer. (2018). Gesundheitsökonomische Effekte der Rehabilitation bei chronischem Rückenschmerz – Eine Beobachtungsstudie mittels kombinierten Sekundärdaten einer gesetzlichen Krankenkasse und der Deutschen Rentenversicherung. Die Rehabilitation. 10.1055/a-0668-4235


Quelle: Österreichische Schmerzgesellschaft – www.oesg.at

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