Sonntag, Mai 19, 2024

Mutterkraut (Heilpflanze, Arzneipflanze) mit guter Heilwirkung

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Heilwirkung von Mutterkraut sind begrenzt, doch viele Anwendungen (vor allem zur Migräneprophylaxe) beruhen auf traditionellem Wissen und haben sich sehr bewährt.

Mutterkraut – auch bekannt als Tanacetum parthenium oder Fieberklee – ist eine Heilpflanze, auf deren Heilwirkung die traditionelle Volksmedizin seit langer Zeit setzt. Zudem gibt verschiedene Studien und Anwendungsbeobachtungen zu den Eigenschaften und Anwendungen von Mutterkraut.

 

Mutterkraut (Tanacetum parthenium) als Heilpflanze im Blickpunkt

Mutterkraut (Tanacetum parthenium) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und ähnelt in ihrem Aussehen der Kamille. Die Heilpflanze (und Arzneipflanze) wird in England bereits seit Jahrhunderten bei Fieber und Kopfschmerzen angewendet.

Die Hauptinhaltsstoffe sind Sesquiterpenlaktone (0,5-2 %), ätherisches Öl (0,5 %; v.a. Campher und trans-Chrysanthenylacetat), Flavonoide (Apigenin- und Luteolinglykoside) sowie lipophile Kaempferolderivate. Wichtig ist ein Mindestgehalt von 0,2 % Parthenolid, welches für die Heilwirkung von Mutterkraut eine besondere Bedeutung besitzt.

 

Anwendungen von Mutterkraut

Es gibt verschiedene Daten und Informationen zur Heilwirkung und zu den Anwendungen von Mutterkraut.

Beispielsweise enthält Mutterkraut Verbindungen, die entzündungshemmende Eigenschaften entfalten. Diese können bei der Behandlung von Entzündungszuständen im Körper, wie beispielsweise Arthritis, hilfreich sein.

Der Name „Fieberklee“ deutet bereits darauf hin, dass die Volksmedizin Mutterkraut traditionell zur Senkung von Fieber einsetzte. Vermutlich haben bestimmte Mutterkraut-Inhaltsstoffe eine fiebersenkende Heilwirkung, indem sie auf die Temperaturregulation des Körpers einwirken.

Mutterkraut wurde zudem auch bei der Behandlung von Verdauungsbeschwerden wie Magenkrämpfen, Blähungen und Verdauungsstörungen eingesetzt. Es wird angenommen, dass es krampflösende Eigenschaften besitzt, die bei der Entspannung der glatten Muskulatur des Magen-Darm-Trakts helfen können.

 

Bewährte Heilwirkung von Mutterkraut bei Migräne

Mutterkraut ist besonders bekannt für seine Verwendung bei der Migränebehandlung. Einige klinische Studien haben gezeigt, dass die regelmäßige Einnahme von Mutterkraut-Extrakt die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen verringern kann. Die genauen Wirkungsmechanismen sind jedoch noch nicht vollständig verstanden.

Mutterkraut wurde von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) als bewährtes traditionelles Pflanzenheilmittel zur Prophylaxe von Migräneattacken eingestuft. Es wird eine tägliche Einnahme von 100 mg empfohlen.

In diesem Sinne hat man die Heilwirkung von Mutterkraut in zahlreichen pharmakologischen Studien untersucht. Die Heilpflanze hemmte dabei eine überschießende Freisetzung von Serotonin, normalisierte die Vasomotorik, und konnte Entzündungen entgegenwirken.

Für diese Heilwirkung von Mutterkraut sind die Sesquiterpenlactone (Parthenolid), die Flavonoide und vermutlich auch die Ätherischöl-Substanzen verantwortlich.

In mehreren randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudien wurde die Heilwirkung von Mutterkraut bei Migränepatienten untersucht. Bei regelmäßiger Einnahme konnten die Anzahl und die Schwere der Migräneanfälle signifikant gemildert werden. Außerdem kam es zu einer Verbesserung der Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Schwindel und Erbrechen.

 

Weitere traditionelle Einsatzgebiete

Manche Frauen setzen auf die Heilwirkung von Mutterkraut, um Menstruationsbeschwerden wie Krämpfe und Schmerzen zu lindern. Denn die krampflösenden Eigenschaften sollen dabei helfen, die glatte Muskulatur der Gebärmutter zu entspannen und somit die Beschwerden zu lindern.

Einige Menschen verwenden Mutterkraut zur Behandlung von Schwindel und Schwindelanfällen. Hierzu könnten die durchblutungsfördernden Eigenschaften des Krauts helfen, die Durchblutung zum Gehirn zu verbessern und somit Schwindel zu reduzieren.

Überdies gibt es Hinweise, dass Mutterkraut antiallergische Eigenschaften besitzt. Einige Studien deuten darauf hin, dass es Entzündungsreaktionen im Körper reduzieren und allergische Symptome mildern kann. Es

In der traditionellen Volksmedizin hat man die Naturstoffe des Mutterkrauts auch bei der Behandlung von Hauterkrankungen wie Ekzemen und Psoriasis eingesetzt. Auch hier soll die entzündungshemmende Heilwirkung von Mutterkraut dazu beitragen, Hautentzündungen zu lindern.

 

Sicherheit und Einschränkungen

Unter dem Strich muss man aber auch beachten, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Heilwirkung von Mutterkraut begrenzt sind. Viele der genannten Anwendungen beruhen auf traditionellem Wissen und Erfahrungen.

Obwohl Mutterkraut als relativ sicher gilt, gibt es einige Vorsichtsmaßnahmen bei Anwendung der Heilpflanze zu beachten. Denn einige Personen können allergische Reaktionen auf Mutterkraut zeigen. Insbesondere, wenn sie bereits auf andere Pflanzen der Korbblütlerfamilie allergisch reagieren.

Schwangere Frauen sollten Mutterkraut vermeiden, da es potenziell abortive (abtreibende) Wirkungen haben kann.


Literatur:

(1) Heptinstall S., Awang D. Feverfew: A review of its history, its biological and medicinal properties, and the status of commercial preparations of the herb. ACS Symposium Series 691. Phytomedicines of Europe– Chemistry and Biological Activity 1998; 158–75.

(2) Ardjomand-Wölkart, K., Bauer, R. Pflanzliche Migräneprophylaxe – Mutterkraut, Oesterreichische Apotheker-Zeitung 70(5): 26-28 (2016)

(3) http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Herbal_- _Community_herbal_monograph/2011/01/WC500100983.pdf.

(4) Ghantous, A., Sinjab, A., Herceg, Z., Darwiche, N. Parthenolide: from plant shoots to cancer roots. Drug Discov Today. 18(17-18): 894-905 (2013)

(5) Gobrecht P., Andreadaki A., Diekmann H., Heskamp A., Leibinger M., Fischer D. Promotion of Functional Nerve Regeneration by Inhibition of Microtubule Detyrosination. J Neurosci. 36(14):3890-902 (2016)

(6) Wider B., Pittler M.H., Ernst E. Feverfew for preventing migraine. Cochrane Database Syst Rev 4:CD002286. (2015)

Weitere Infos: http://www.hmppa.at und http://initiative-natuerlich-gesund.at/


Quelle:

Statement Porträt der Arzneipflanze des Jahres 2017: Mutterkraut (Tanacetum parthenium) von Univ.-Prof. Dr. Rudolf Bauer, Vizepräsident der HMPPA, Leiter des Instituts für Pharmazeutische Wissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz

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