Montag, Februar 26, 2024

Kava-Kava gegen Angst, Angstzustände und zur Beruhigung

Kava-Kava gilt als Medizin und Genussmittel, wobei es zur Wirkung gegen Angst, Angstzustände sowie zur Beruhigung positive Erfahrungsberichte gibt.

Obwohl die vorliegenden Erkenntnisse und Erfahrungsberichte zur Wirkung von Kava-Kava gegen Angst, Angstzustände sowie zur Beruhigung vielversprechend sind, reichen sie bis heute nicht aus, um seine Effekte gegen eine generalisierte Angststörung über das Placebo hinaus bestätigen zu können.

 

Piper methysticum

Kava-Kava, Piper methysticum, ist auch als Rauschpfeffer bekannt – ist ein ausdauernder Strauch, der bis zu 4 m hoch wird und große Blätter sowie sehr kleine Blüten ausbildet – beheimatet in Polynesien. Kava-Präparate werden aus dem Wurzelstock und den anhaftenden Wurzeln einer zu den Pfeffergewächsen gehörenden Pflanze gewonnen.

Traditionell werden frische oder getrocknete Bestandteile der Kava-Wurzel mit Wasser aufgegossen oder auch zu einem feinen Pulver zerrieben beziehungsweise in einem Mörser zerstoßen. Auch werden Kava-Pflanzenteile gekaut und ausgespuckt.

Kava hinaus konsumiert – als Medizin oder als Genussmittel. So finden sich zum Beispiel Kava-Bars in vielen US-Staaten. Hierbei werden üblicherweise weiterhin nur Produkte konsumiert, die aus der Wurzel gewonnen werden – so zum Beispiel Wurzelpulver oder Extrakte. Es wird sowohl mit Wasser aufgegossen oder mit Milch o. Ä. konsumiert. Oft wird Lecithin hinzugefügt, um eine bessere Auflösung der Kavapyrone in Wasser zu erreichen.

Es wird auch als Softdrink vertrieben, so in Rzo in Hawaii (ausgesprochen „rizzo“) oder Bula in den USA. Seit 2009 ist das Getränk „Lava Cola“ (auch genannt Kava Cola) in Vanuatu und anderen Ländern erhältlich, das wegen seiner beruhigenden Wirkung beworben wird.

 

Kava-Kava aus Inseln des Pazifik

Kava-Kava wird auf vielen Inseln des gesamten Pazifik kultiviert. Die Untersuchung der Wurzeln zeigte, dass ­eine bestimmte Gruppe an Inhaltsstoffen, die sog. Kavapyrone (auch Kavalactone ­genannt) ausgeprägte anxiolytische (angstlösende) Wirkungen besitzen, wobei molekularbiologische Prüfungen zeigten, dass diese Wirkung bei ­Kava-Kava auf andere Weise zustande kommt als bei den synthetisch hergestellten Arzneimitteln.

Zahlreiche Extraktpräparate (Tagesdosis 60–120 mg) Kavapyrone) haben sich als nebenwirkungsarme Arzneimittel viele Jahre bewährt, bis Ende 2000 erste Berichte über leberschädigende Nebenwirkungen auftauchten.

Übrigens zeigte eine Studie, dass der Inhaltsstoff in Kava die Lebensdauer von Fadenwürmern verlängern kann.

 

Warnung nach der Jahrtausendwende

Die sich im Jahre 2001 häufenden Meldungen, in den Medien zum Teil sensationell aufgemacht, ließen schließlich die Gesundheitsbehörden zunächst in Deutschland, dann in der Schweiz und in Österreich, reagieren.

Es wurde gewarnt, Präparate ohne regelmäßige Kontrolle der Leber einzunehmen, schließlich kündigte Ende 2001 das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel an, dass es beabsichtige, die Zulassung von Kava-Präparaten zu widerrufen. Damit reagierten die Institutionen auf Fälle von schwerwiegenden Leberschädigungen, – sechs Fälle mit Leberversagen und notwendiger Transplantation sowie drei Fälle mit tödlichem Verlauf, bei denen die Einnahme von Kava-Präparaten vorlag. Einige Hersteller reagierten in vorauseilendem Gehorsam damit, dass sie ihre Präparate freiwillig vom Markt nahmen. Im Juni 2002 wurde dann die Zulassungen für Kava- und Kavain-haltige Arzneimittel zurückgenommen.

 

Gefahr von Gefahr durch Kava-Kava relativiert

Der international renommierte Wissenschaftler der Universität Münster/Westfalen Prof. Adolf Nahrstedt wies im März 2002 wies allerdings  – ein  – nach, dass die Nachforschungen der deutschen Gesundheitsbehörde unvollständig waren. Unter anderem hat man einem Kava-Kava-Präparat eine Leberschädigung angelastet. Jedoch litt der betreffende Patient bereits an chronischen Alkoholmissbrauch. Und er hatte eine Leberzirrhose, lange bevor er Kava-Kava einnahm.

In vielen anderen Fällen war ein Zusammenhang von Leberschäden und ­Kava-Kava-Einnahme nicht erkennbar. Berechnungen von Nahrstedt ergaben, dass das Risiko einer Schädigung durch Kava-Kava weitaus geringer ist als das Risiko bei einer Einnahme von Benzodiazepinen.

Im Mai des Jahres 2014 kam es zu einem juristischen Hin und Her zwischen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und den Herstellern der Kava-Kava-Produkte. Infolge hob das Verwaltungsgericht Köln den Bescheid zum Widerruf mit der Begründung auf, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Kava-Kava-haltigen Arzneimitteln nicht ungünstig sei. Die Berufung der Bundesrepublik Deutschland wurde zurückgewiesen.

Zahlreiche Arzneimittelbehörden in Europa kamen zur gleichen Bewertung aufgrund des damaligen Verdachts. In den USA ist Kava-Kava allerdings frei erhältlich, wie auch in Australiens.

Im Grunde genommen besteht jedenfalls der begründete Verdacht, dass Kava- und Kavain-haltige Arzneimittel bei nicht entsprechendem Gebrauch für die Leber schädigende Reaktionen auslösen können. Deswegen ist äußerste Vorsicht geboten, nicht zuletzt aufgrund des Handels im Internet.


Literatur:

Kanumuri SRR, Mamallapalli J, Nelson R, McCurdy CR, Mathews CA, Xing C, Sharma A. Clinical pharmacokinetics of kavalactones after oral dosing of standardized kava extract in healthy volunteers. J Ethnopharmacol. 2022 Oct 28;297:115514. doi: 10.1016/j.jep.2022.115514. Epub 2022 Jun 28. PMID: 35777607; PMCID: PMC9634089.

Chamoli M, Chinta SJ, Andersen JK, Lithgow GJ. Kavain suppresses human Aβ-induced paralysis in C. elegans. MicroPubl Biol. 2020;2020:10.17912/micropub.biology.000254. Published 2020 May 21. doi:10.17912/micropub.biology.000254

Sarris J, Byrne GJ, Bousman CA, Cribb L, Savage KM, Holmes O, Murphy J, Macdonald P, Short A, Nazareth S, Jennings E, Thomas SR, Ogden E, Chamoli S, Scholey A, Stough C. Kava for generalised anxiety disorder. A 16-week double-blind, randomised, placebo-controlled study. Aust N Z J Psychiatry. 2020 Mar;54(3):288-297. doi: 10.1177/0004867419891246. Epub 2019 Dec 8. PMID: 31813230.

Ooi SL, Henderson P2, Pak SC. Kava for Generalized Anxiety Disorder: A Review of Current Evidence. J Altern Complement Med. 2018 Aug;24(8):770-780. doi: 10.1089/acm.2018.0001. Epub 2018 Apr 11.


Quelle:

Erfahrungsberichte zu Kava-Kava gegen Angst, Angstzustände sowie zur Beruhigung. MEDMIX 4/2009.

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