Montag, Mai 27, 2024

Impfstoff gegen Malaria von der EMA empfohlen

Der weltweit erste Impfstoff gegen Malaria hat eine positive Empfehlung der europäischen Regulierungsbehörde EMA erhalten.

 

Das Komitee für Medizinprodukte zur Anwendung am Menschen (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat eine positive Empfehlung für den von GSK eingereichten weltweit ersten Impfstoff gegen Malaria bei Kindern im Alter von 6 Wochen bis 17 Monate ausgesprochen. Nach dieser Entscheidung wird nun die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Richtlinienempfehlung zur Anwendung des Impfstoffs RTS,S – künftiger Handelsname Mosquirix™ – im Rahmen von nationalen Impfprogrammen abgeben, nachdem dieser durch die nationalen Behörden zugelassen ist.

 

RTS,S – der vorbeugende  Impfstoff gegen Malaria, die durch den Parasiten Plasmodium falciparum verursacht wird

Der in Kooperation mit der PATH Malaria Vaccine Initiative (MVI) entwickelte Impfstoff gegen Malaria RTS,S ist der erste und bisher einzige Impfstoff zur Vorbeugung gegen Malaria, der diesen Meilenstein erreicht hat. Während  andere Impfstoffe virale oder bakterielle Erreger bekämpfen, wurde RTS,S mit dem Ziel konzipiert, die durch den Parasiten Plasmodium falciparum verursachte Malaria vorzubeugen. Dieser Parasit kommt hauptsächlich in den südlich der Sahara gelegenen Regionen Afrikas (SSA) vor. 2013 starben Schätzungen zufolge 584.000 Menschen an Malaria. Rund 90 % dieser Todesfälle traten in den südlich der Sahara gelegenen Regionen auf, 83 % der Opfer waren Kinder unter fünf Jahren.

Das wissenschaftliche Gutachten des CHMP ist ein entscheidender Schritt im regulatorischen Verfahren, um RTS,S neben den bereits verfügbaren, zur Vorbeugung gegen Malaria empfohlenen Mitteln bereitzustellen. Die positive Empfehlung in Bezug auf Kleinkinder basiert auf der Überprüfung von Daten zur Beurteilung der Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität des Impfstoffkandidaten.

Die Daten, auf die sich der Antrag stützt, stammen hauptsächlich aus klinischen Studien der Phase III, an denen über 16.000 Kleinkinder teilgenommen haben, und die von 13 afrikanischen Forschungszentren in acht afrikanischen Ländern (Burkina Faso, Gabun, Ghana, Kenia, Malawi, Mozambique, Nigeria und Tansania) von PATH und GSK durchgeführt wurden.

Die Daten aus diesem Studienprogramm zeigen im Verlauf der ersten 18 Monate der Nachbeobachtung bei Kindern im Alter von 5 bis 17 Monaten eine klinische Wirksamkeit gegen Malaria von fast 50 % nach drei Impfstoffdosen. Bei Säuglingen von 6 bis 12 Wochen wurden die Malaria-Fälle um 27 % reduziert. Nach vier Impfstoffdosen betrug die Wirksamkeit 39 % in der Gruppe der Kleinkinder nach vierjähriger Nachbeobachtung und 27 % bei der Gruppe der Säuglinge nach dreijähriger Nachbeobachtung.2  In Gebieten mit der höchsten Malarialast konnten pro 1.000 geimpfter Kinder mehr als 6.000 klinische Malariafälle verhindert werden.

 

2013 starben Schätzungen zufolge 584.000 Menschen an Malaria. Rund 90 % dieser Todesfälle traten in den südlich der Sahara gelegenen Regionen auf, 83 % der Opfer waren Kinder unter fünf Jahren.  

 

Impfstoff gegen Malaria wurde bezüglich Wirksamkeit zusätzlich zu bestehenden Anti-Malaria-Maßnahmen wie Insektiziden und Moskitonetzen evaluiert, die von etwa 80 % der Studienteilnehmer verwendet wurden.

Für sich allein ist RTS,S zwar nicht die endgültige Antwort auf Malaria, aber wenn der Impfstoff gegen Malaria zusammen mit den derzeit verfügbaren Mitteln wie Moskitonetzen und Insektiziden eingesetzt wird, sollte er einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Auswirkungen der Malaria auf Kinder in den afrikanischen Bevölkerungsgruppen, die den Impfstoff am meisten brauchen, unter Kontrolle zu halten.

Nun sind noch mehrere weitere Schritte erforderlich, bevor der Impfstoff gegen Malaria bei den Kleinkindern in Afrika ankommt, die den Schutz gegen diesen für den Menschen tödlichen Parasiten am dringendsten brauchen. PATH wird weiter mit GSK und anderen Partnern zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass so bald wie möglich ausreichende Evidenz zur Verfügung steht, die eine fundierte Entscheidung für die verbleibenden Schritte unterstützen. GSK hat sich verpflichtet, RTS,S zu einem nicht gewinnorientierten Preis abzugeben: Wenn RTS,S zugelassen wird, soll der Preis die Herstellungskosten decken und einen kleinen Gewinn von rund 5 % erbringen, die aber wiederum von GSK in die Erforschung und Entwicklung von einem Imfstoff gegen Malaria der zweiten Generation oder von Impfstoffen gegen andere vernachlässigte tropische Krankheiten reinvestiert werden.

 

Impfstoff gegen Malaria wird nun von unabhängigen Beratungsgremien evaluiert

Nach dem positiven wissenschaftlichen Gutachten des CHMP werden jetzt zwei der unabhängigen Beratungsgremien der WHO – die Strategic Advisory Group of Experts (SAGE) zu Immunisierungen und das Malaria Policy Advisory Committee (MPAC) – gemeinsam die Evidenzbasis für RTS,S überprüfen und eine gemeinsame Richtlinienempfehlung dazu abgeben, wie der Impfstoff neben anderen Maßnahmen und Mitteln zur Prävention gegen die Malaria eingesetzt werden kann.

Die WHO hat angedeutet, dass eine solche Richtlinienempfehlung bis zum Ende dieses Jahres möglich wäre. Bei einer Richtlinienempfehlung handelt es sich um ein formelles Überprüfungsverfahren durch die WHO, das der Entwicklung eines optimalen Managements von Prävention und Behandlung von Krankheiten dienen soll, die sich, wie die Malaria, weltweit auf das öffentliche Gesundheitswesen auswirken.

Pre-qualification-Status: Nach der Empfehlung der WHO reicht GSK einen Pre-qualification-Antrag für RTS,S bei der WHO ein. Zum Pre-qualification-Status der WHO gehört eine wissenschaftliche Beurteilung der Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit einer jeden neuen Impfstoffs, der für WHO-Impfprogramme vorgeschlagen ist. Die Vereinten Nationen (UN) und andere große öffentliche Beschaffungsstellen nutzen diese Vorauswahl-Entscheidung, um fundierte Entscheidungen bezüglich des Kaufs von Impfstoffen treffen zu können.

Lokale Zulassung und Verfügbarkeit: Nachdem das wissenschaftliche Gutachten des CHMP und die Vorauswahl der WHO vorliegen, wird GSK Zulassungsanträge in den einzelnen afrikanischen Ländern südlich der Sahara stellen. Dabei soll mit den Ländern begonnen werden, in denen klinische Studien der Phase IV durchgeführt werden können. Positive zulassungsrechtliche und politische Entscheidungen der einzelnen afrikanischen Länder ermöglichen dann, im Rahmen von afrikanischen Impfprogrammen mit der Einführung von RTS,S zu beginnen.

Sowohl eine Richtlinienempfehlung der WHO als auch die Pre-qualification durch die WHO sind Voraussetzungen dafür, dass die Impfallianz Gavi (Global Alliance for Vaccines and Immunisation) die Aufnahme neuer Impfstoffe in lokale, von der UNICEF geförderte Impfprogramme unterstützt.

Der Impfstoff RTS,S

  • Der Impfstoff gegen Malaria hat den Markennamen MosquirixTM erhalten. Der wissenschaftliche
    Name RTS,S gibt die Zusammensetzung des Impfstoffs wieder. RTS,S enthält das Adjuvanssystem AS01.
  • RTS,S ist so entwickelt worden, dass das Immunsystem den Malariaparasiten Plasmodium falciparum abwehren kann, wenn er das erste Mal in den Blutkreislauf des menschlichen Wirts eindringt und dann die Leberzellen infiziert. Der Impfstoff verhindert, dass der Parasit die Leber infiziert, dort heranreift und sich vermehrt, woraufhin er erneut in den Blutkreislauf eindringen und die roten Blutkörperchen infizieren würde, was dann zur Krankheitssymptomatik führt.
  • Die Sicherheit und Wirksamkeit von RTS,S wurden im Rahmen einer groß angelegten Studie der Phase III ausgewertet. Bei dieser Studie wurden drei Dosen im Abstand von jeweils einem Monat und eine zusätzliche vierte Dosis nach 18 Monaten gegeben. Die bei dieser Studie ermittelten Ergebnisse haben durchgehend gezeigt, dass RTS,S zum Schutz von Kindern gegen Malaria in Ländern, in denen die Krankheit endemisch ist, beitragen kann, wenn er zusätzlich zu anderen Maßnahmen zur Malariakontrolle wie Moskitonetzen verwendet wird.
  • RTS,S ist weltweit der am weitesten in der Entwicklung fortgeschrittene Impfstoff-Kandidat. Er wurde 1987 von Wissenschaftlern konzipiert, die in GSK-Laboratorien arbeiteten. Die Frühphase der klinischen Entwicklung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Walter Reed Army Institute for Research. Im Januar 2001 gingen GSK und die durch Fördergelder der Bill & Melinda Gates Foundation unterstützte PATH, eine öffentlich-private Partnerschaft ein, um einen RTS,S-basierten Impfstoff gegen Malaria für Säuglinge und Kleinkinder zu entwickeln, die in afrikanischen Regionen südlich der Sahara leben, in denen die Malaria endemisch ist.
  • GSK hat bisher mehr als 365 Millionen $ investiert und geht davon aus, bis zum Abschluss der Entwicklung weitere 200 bis 250 Millionen $ zu investieren. Von 2001 bis Ende 2014 hat die MVI, unterstützt durch Fördergelder der Bill & Melinda Gates Foundation, mehr als 200 Millionen $ investiert, um das RTS,S-Projekt voranzutreiben.
  • Das Votum des CHMP der EMA ist der letzte Schritt des im Juli 2014 eingeleiteten Verfahrens nach Artikel 58, wonach die CHMP in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein wissenschaftliches Gutachten zu einem ausschließlich für Märkte außerhalb der Europäischen Union (EU) bestimmten medizinischen Produkt zur Anwendung am Menschen erstellt. Bei dieser Beurteilung muss das medizinische Produkt die gleichen Standards erfüllen wie die Produkte, die zur Anwendung in der Europäischen Union bestimmt sind.

 

Quellen

http://www.who.int/malaria/media/world_malaria_report_2014/en/

RTS,S Clinical Trials Partnership, The Lancet. 2015; 386 (9988): 31–45. 

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