Medizin · Knochen, Gelenke & Schmerz

Gichtanfall nach dem Martinigansl: Warum Festessen die Gicht weckt – und was hilft

Ein Gichtanfall kommt oft nach einem üppigen Abend: Martinigansl, Punsch, Weihnachtsfeier. Hier lesen Sie, warum Festessen die Gicht weckt, was im Anfall hilft und wann Sie rasch ärztliche Hilfe brauchen.

7 Min. Lesezeit

Gichtanfall lindern: Älterer Mann lagert im Schlafzimmer den Fuß auf einem Polster hoch und kühlt den Vorfuß mit einem in ein Tuch gewickelten Kühlpack
Inhalt
  1. Warum ein Festessen einen Gichtanfall auslösen kann
  2. Gicht und Alkohol: Was Studien über Fleisch, Bier und Wein zeigen
  3. So erkennen Sie einen Gichtanfall im großen Zeh
  4. Was im Gichtanfall sofort hilft
  5. Wann zum Arzt? Diese Warnzeichen sind ernst
  6. Häufig gestellte Fragen (FAQ) – Gichtanfall
  7. Quellen

Ein Gichtanfall kommt oft in der Nacht nach einem üppigen Abend: Martinigansl, ein paar Gläser Wein, danach der erste Punsch am Adventmarkt. Am Morgen ist die große Zehe rot, heiß und so empfindlich, dass schon die Bettdecke schmerzt. Zwischen Martini und Silvester häufen sich genau solche Abende. In diesem Artikel erfahren Sie, warum reichhaltiges Essen und Alkohol einen Anfall auslösen können, was Studien dazu zeigen, was Sie im Anfall selbst tun können, wann Sie rasch zum Arzt sollten und wie sich weitere Anfälle verhindern lassen.

Warum ein Festessen einen Gichtanfall auslösen kann

Gicht entsteht, wenn sich zu viel Harnsäure im Blut ansammelt. Laut Gesundheitsportal gesundheit.gv.at ist sie in den Industrieländern die häufigste entzündliche Gelenkserkrankung. Schätzungen zufolge haben ein bis zwei Prozent der Bevölkerung Gicht. Männer erkranken etwa fünfmal so oft wie Frauen, meist ab dem 40. Lebensjahr, Frauen in der Regel erst nach den Wechseljahren.

Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen. Diese stecken vor allem in Fleisch, Innereien, bestimmten Fischsorten und Meeresfrüchten, aber auch in manchen Alkoholsorten wie Bier. Steigt der Spiegel rasch an, können sich im Gelenk Harnsäurekristalle bilden. Das Immunsystem reagiert darauf mit einer heftigen Entzündung.

Als typische Auslöser eines Anfalls nennt gesundheit.gv.at reichhaltiges Essen, hohen Alkoholkonsum aber auch sehr strenges Fasten. Auch viele Getränke mit Fruchtzucker erhöhen das Risiko. Ein Abend mit Gansl, Blaukraut, Bier und süßem Punsch vereint gleich mehrere dieser Faktoren. Wer danach ein paar Tage streng fastet, um das Festessen „auszugleichen“, setzt einen weiteren Auslöser. Mehr zu den Hintergründen lesen Sie in unserem Artikel Ursache von Gicht: die Rolle von Ernährung und Alkohol.

Gicht und Alkohol: Was Studien über Fleisch, Bier und Wein zeigen

Dass ein üppiges Essen einen Anfall auslösen kann, ist nicht nur Erfahrungswissen. In einer US-Studie mit 633 Menschen mit Gicht verglichen Forschende die zwei Tage vor einem Anfall mit Zeiträumen ohne Anfall. Wer in zwei Tagen am meisten Purine aufgenommen hatte, hatte ein fast fünfmal so hohes Risiko für einen erneuten Anfall wie jemand mit der geringsten Menge. Purine aus tierischen Lebensmitteln wogen dabei deutlich schwerer als solche aus Pflanzen.

Ähnlich klar ist der Zusammenhang von Gicht und Alkohol. Eine zweite Untersuchung derselben Forschungsgruppe mit 724 Teilnehmenden zeigte: Schon mehr als ein bis zwei alkoholische Getränke in den 24 Stunden davor erhöhten das Risiko für einen Anfall um etwa ein Drittel, mehr als zwei bis vier Getränke um rund die Hälfte. Wein, Bier und Spirituosen waren dabei jeweils mit einem höheren Risiko verbunden. Die Autorinnen und Autoren raten Menschen mit Gicht deshalb, Alkohol jeder Art zu begrenzen.

Für die Festtage heißt das nicht, auf alles zu verzichten. Hilfreich ist, Fleisch und Innereien in kleineren Portionen zu essen, viel Wasser zu trinken und Alkohol bewusst zu begrenzen. Welche Lebensmittel bei Gicht gut verträglich sind, zeigt unser Artikel Ernährung bei Gicht: Was man essen darf, und was nicht.

So erkennen Sie einen Gichtanfall im großen Zeh

Ein Gichtanfall setzt oft nachts oder frühmorgens ein, meist ohne Vorwarnung. Beim ersten Anfall ist häufig nur ein Gelenk betroffen, meistens das Grundgelenk der großen Zehe. Es können aber auch andere Gelenke betroffen sein. Viele Betroffene beschreiben, dass sie nicht einmal das Gewicht der Bettdecke auf dem Zeh ertragen.

Typisch sind diese Zeichen:

  • plötzliche, sehr starke Schmerzen in einem Gelenk
  • das Gelenk ist geschwollen, gerötet, überwärmt und extrem berührungsempfindlich
  • manchmal kommen Fieber, Kopfschmerzen oder Übelkeit dazu

Am stärksten sind Schwellung und Schmerzen meist sechs bis zwölf Stunden nach Beginn. Unbehandelt klingt ein Anfall nach ein bis zwei Wochen von selbst ab, mit Behandlung meist nach einigen Tagen.

Wichtig für die Diagnose: Während eines akuten Anfalls liegen die Harnsäurewerte im Blut oft im Normalbereich. Ein normaler Wert schließt Gicht also nicht aus. Laut gesundheit.gv.at lässt sich der Harnsäurespiegel frühestens zwei Wochen nach dem Abklingen zuverlässig beurteilen. Sicher wird die Diagnose, wenn in einer Probe der Gelenkflüssigkeit unter dem Mikroskop Harnsäurekristalle zu sehen sind.

Was im Gichtanfall sofort hilft

Bei einem Gichtanfall zählt ein früher Behandlungsbeginn. Das britische Gesundheitsportal NHS rät, ärztlich verordnete Medikamente so bald wie möglich einzunehmen; sie wirken in der Regel innerhalb von zwei Tagen. Zusätzlich können Sie selbst einiges tun:

  • Kühlen: ein Kühlpack oder gefrorenes Gemüse in ein Tuch wickeln und bis zu 20 Minuten auf das Gelenk legen, nie direkt auf die Haut
  • Hochlagern und schonen: den Fuß auf einen Polster legen und das Gelenk nicht belasten
  • Viel Wasser trinken, sofern Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nichts anderes rät
  • Druck vermeiden: nachts die Bettdecke vom Gelenk fernhalten, enge Schuhe weglassen

Gegen die Entzündung setzen Ärztinnen und Ärzte vor allem entzündungshemmende Schmerzmittel, Kortison oder den Wirkstoff Colchicin ein, je nach Situation auch kombiniert. Das empfehlen die europäischen Gicht-Empfehlungen der EULAR. Welcher Wirkstoff passt, hängt von Nieren, Magen, Herz und anderen Medikamenten ab. Klären Sie die Anwendung deshalb immer ärztlich ab, auch wenn Sie ein Schmerzmittel zu Hause haben.

Alkohol und ein weiteres üppiges Essen sollten Sie während des Anfalls meiden.

Wann zum Arzt? Diese Warnzeichen sind ernst

Ein erster Gichtanfall gehört immer ärztlich abgeklärt, auch wenn die Beschwerden nach ein paar Tagen nachlassen. Erste Anlaufstelle ist Ihre Hausärztin, Ihr Hausarzt oder eine Primärversorgungseinheit. Am Wochenende oder in der Nacht hilft die Gesundheitsberatung 1450 bei der Einschätzung, wohin Sie sich wenden können, ebenso der Ärztefunkdienst 141.

Rasch, am besten noch am selben Tag, sollten Sie ärztliche Hilfe suchen, wenn:

  • ein Gelenk plötzlich schmerzt und anschwillt und die Schmerzen immer stärker werden
  • Sie dazu hohes Fieber haben, sich krank fühlen oder nicht essen können
  • Ihre gewohnte Gichtbehandlung diesmal nicht wirkt

Hinter einem heißen, geschwollenen Gelenk mit Fieber kann laut NHS auch eine Infektion im Gelenk stecken. Dann ist rasche ärztliche Hilfe nötig.

Auch zwischen den Anfällen lohnt sich die Kontrolle. Von einem erhöhten Harnsäurewert spricht man ab 6,8 Milligramm pro Deziliter. Die EULAR empfiehlt, bei Gicht schon ab der ersten Diagnose eine harnsäuresenkende Dauertherapie zu erwägen und den Wert dauerhaft unter 6 mg/dl zu halten. Unbehandelt können Anfälle mit der Zeit häufiger, stärker und länger werden; es können Gichtknoten entstehen, und das Risiko für Nierensteine steigt. Tipps für den Alltag finden Sie in unserem Leitfaden: Harnsäure im Alltag wirksam senken.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) – Gichtanfall

Wie lange dauert ein Gichtanfall?

Die Beschwerden erreichen meist sechs bis zwölf Stunden nach Beginn ihren Höhepunkt. Ohne Behandlung klingt ein Gichtanfall in der Regel nach ein bis zwei Wochen ab, mit früh begonnener Behandlung oft schon nach einigen Tagen. Werden die Anfälle mit der Zeit länger oder häufiger, sollte die Harnsäure ärztlich kontrolliert werden.

Was tun bei einem Gichtanfall in der Nacht?

Kühlen Sie das Gelenk mit einem in ein Tuch gewickelten Kühlpack für bis zu 20 Minuten, lagern Sie den Fuß hoch, halten Sie die Bettdecke fern und trinken Sie Wasser. Bei hohem Fieber oder rasch zunehmenden Schmerzen rufen Sie die Gesundheitsberatung 1450 oder den Ärztefunkdienst 141 an.

Kann die Harnsäure bei einem Gichtanfall normal sein?

Ja. Während eines akuten Anfalls liegen die Harnsäurewerte im Blut oft im Normalbereich. Ein normaler Wert schließt Gicht deshalb nicht aus. Zuverlässig beurteilen lässt sich der Harnsäurespiegel frühestens zwei Wochen nach dem Abklingen des Anfalls. Gesichert wird die Diagnose durch den Nachweis von Harnsäurekristallen in der Gelenkflüssigkeit.

Ist Wein bei Gicht besser als Bier?

Nach einer Studie mit 724 Menschen mit Gicht nicht. Wein, Bier und Spirituosen waren jeweils mit einem höheren Risiko für einen Anfall verbunden, schon ab mehr als ein bis zwei Getränken innerhalb von 24 Stunden. Die Forschenden raten, Alkohol jeder Art zu begrenzen.

Darf man bei Gicht Gansl essen?

Ein generelles Verbot gibt es nicht. Fleisch zählt aber zu den purinreichen Lebensmitteln, und eine große Purinmenge innerhalb von zwei Tagen erhöhte in einer Studie das Risiko für einen erneuten Anfall deutlich. Eine kleinere Portion, viel Gemüse, Wasser statt Bier und wenig Alkohol senken das Risiko.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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