Freitag, Juli 12, 2024

Generalisierte Angststörung als Risikofaktor für Krebs

Männer, die unter einer generalisierten Angststörung leiden, haben ein doppeltes Risiko, an Krebs zu sterben, als Männer ohne Angst.

Im Grunde genommen sterben Männer, die unter einer generalisierten Angststörung leiden, doppelt so häufig an Krebs. Bei Frauen hingegen führen generalisierte Angststörungen nicht zu einer erhöhten Todesrate durch Krebs. Das waren die Ergebnisse einer großen britischen und europäischen Studie zum Zusammenhang von Krebs und Angst, die Forscher unlängst in Wien präsentierten.

 

Generalisierte Angststörung

Die generalisierte Angststörung – GAS bzw. GAD im Englischen – ist eine der häufigsten Angststörungen beziehungsweise auch psychischen Gesundheitsprobleme. Bei etwa 5% der erwachsenen Bevölkerung lassen sich im Verlauf des Lebens die Symptome dieser Angststörung diagnostizieren.

In 9 von 10 Fällen geht die generalisierte Angststörung mit einer weiteren psychischen Erkrankung einher. Häufig mit Panikattacken oder Depressionen. Bei viele Patienten ist auch ein Reizdarmsyndrom manifestiert, wobei diese Patienten meistens zuvor beim Gastroenterologen bzw. Internisten oder auch beim Allgemeinmediziner vorstellig werden.

Die generalisierte Angststörung äußert sich häufig durch übermäßige, unkontrollierbare Sorgen im Zusammenhang mit vielen Bereichen des Lebens. Symptome können Muskelverspannungen, Schlaflosigkeit, die Unfähigkeit sich zu konzentrieren sowie innere Unruhe sein. Allgemein wird Entstehung und Aufrechterhaltung der generalisierten Angststörung (GAS) mit sorgenvollem Grübeln, physiologischer Anspannung und Angstgefühlen verbunden – Angst besetzte Gefühle verbunden mit Katastrophengedanken über die Unkontrollierbarkeit der zu erwarteten Katastrophe belasten die Betroffenen. Dieses Angstgefühl und die Katastrophengedanken sind mit physiologischen Reaktionen wie Schwitzen, Muskelspannung, Reizbarkeit vergesellschaftet.

 

Die » European Prospective Investigation into Cancer-Norfolk study «

Bereits frühere Studien haben untersucht, ob Angst mit einem frühen Tod oder als Hauptursache für eine Erkrankung assoziiert ist, die gezeigten Ergebnisse waren aber widersprüchlich oder waren verfälscht.

Die aktuellen Daten der 15.938 britischen Teilnehmern aus der »European Prospective Investigation into Cancer-Norfolk study« kamen von Männern und Frauen mit Krebs und diagnostizierter generalisierter Angststörung, die in den Jahren 1996 bis 2000 in die Studie eingeschlossen wurden. Die Betroffenen wurden die folgenden 15 Jahren untersucht beziehungsweise begleitet. Somit waren auch jene Patienten mit generalisierter Angststörung eingeschlossen, die später an Krebs starben.

 

Generalisierte Angststörung verdoppelt bei Männern das Risiko für Krebs

Die Forscher fanden heraus, dass 126 von 7139 Männern und 215 von 8799 Frauen eine generalisierte Angststörung hatten, allgemein waren über den Zeitraum von 15 Jahren 796 Männer und 648 Frauen an Krebs gestorben. Dabei zeigte sich, dass Männer mit einer generalisierten Angststörung doppelt so wahrscheinlich an Krebs starben, als Männer, die nicht an dieser psychischen Erkrankung litten. Bei Frauen mit generalisierter Angststörung zeigte sich allerdings kein erhöhtes Risiko für eine Krebs-Erkrankung.

 

Ärzte sollten Angst bei Patienten größere Bedeutung geben

In der Vergangenheit gab es wenige schlüssige Studien zur Beziehung zwischen Krebs und Angst. Diese Studie war die größte in diesem Zusammenhang. Die Forscher fanden heraus, dass Männer mit generalisierter Angststörung doppelt so wahrscheinlich an Krebs sterben, als nicht betroffene Männer. Dies galt auch nach Berücksichtigung einer Reihe weiterer Faktoren, wie Alter, chronische Krankheiten, schwere psychische Erkrankungen, Rauchen, Alkoholmissbrauch, körperliche Aktivität und die Einnahme verschiedener Medikamente. Frauen zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Angst und Krebs.

Die Forscher kritisierten, dass politische Entscheidungsträger, aber auch Ärzte der Bedeutung von Angst zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Das sollte sich ändern. Denn Angst ist mehr als nur ein Persönlichkeitsmerkmal. Angststörungen sind vielmehr psychische Störungen, die ein erhöhtes Sterberisiko mit sich bringen.

Quellen:

https://www.ecnp.eu

Http://www.nhs.uk/conditions/anxiety/pages/introduction.aspx ENDS

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