Samstag, Juli 13, 2024

PDE10A hemmen, um braunes Fettgewebe zu aktivieren

Durch Hemmung von PDE10A kann braunes Fettgewebe aktiviert werden. Das steigert den Energieumsatz des Körpers, was bei der Gewichtsabnahme eine maßgebliche Rolle spielt.

Am IFB AdipositasErkrankungen der Universität Leipzig wurde ein vielversprechenden Ansatz zur Gewichtsabnahme und zur Verbesserung der Insulinresistenz im braunen Fettgewebe gefunden. Die Wissenschaftler setzten ein Substrat ein, mit dem braunes Fettgewebe im menschlichen Körper aktiviert werden kann. Das steigert unter anderem den Grundumsatz, was eine entscheidende Rolle beim Abnehmen spielt. Die Forschungsergebnisse wurden jetzt im renommierten Fachjournal „EMBO Molecular Medicine“ veröffentlicht.

 

Aktiviertes braunes Fettgewebe wandelt weißes Fettgewebe in gutes beiges Fettgewebe um

Früher dachte man, dass braunes Fettgewebe nur in Kindern aktiv ist und in Erwachsenen eine untergeordnete Rolle für den Energieumsatz spielt. Studien in den letzten Jahren belegten aber, dass braunes Fettgewebe auch im Organismus von Erwachsenen aktivierbar ist.

So wurde auch entdeckt, dass sogenanntes weißes Fettgewebe, das eigentlich als reiner Energiespeicher dient, teilweise in beiges Fettgewebe umgewandelt werden kann, indem eben braunes Fettgewebe – beispielsweise durch Kälte – aktiviert wird (aus weiß und braun wird beige).

 

Braunes Fettgewebe steigert den Energieumsatz und

Die unterschiedlichsten Diäten bzw. Ernährungsumstellungen, um Gewicht zu verlieren, haben eines gemeinsam: man sollte weniger Kalorien zu sich nehmen, als der Körper verbraucht. Dabei spielt auch Bewegung und Sport, um eben mehr Kalorien zu verbrennen und den Energieumsatz des Körpers zu steigern, eine große Rolle.

Braunes Fettgewebe ist für die Wärmeentwicklung – der sogenannten Thermogenese – im Körper verantwortlich und verbraucht dazu große Mengen an Energie, um seine Aufgaben erfüllen zu können. Dazu muss es aktiviert werden. Für Menschen mit Übergewicht und Adipositas ist die Erhöhung des Energieumsatzes wiederum ein ein wichtiges Ziel, um erfolgreich eine Gewichtsabnahme zu erreichen. Die Idee, braune Fettzellen zu bilden und zu aktivieren, zielt hingegen auf einen gesteigerten Energieverbrauch.

 

Substrat MP-10 hemmt PDE10A – braunes Fettgewwebe wird so aktiviert

Braunes Fettgewebe kann einerseits durch Kälteeinwirkung aktiviert werden, aber offensichtlich auch durch den Einsatz bestimmter Wirkstoffe, wie die Forscher des IFB AdipositasErkrankungen nun eben zeigen konnten.

Forscher der Arbeitsgruppe um Dr. Wiebke Fenske des IFB AdipositasErkrankungen identifizierten nun –mittels spezieller kombinierter Bildgebungstechniken mit PET und MRT – erstmalig im Menschen das bereits bekannte Enzym PDE10A – Phosphodiesterase 10A – im braunen Fettgewebe und im sogenannten Striatum – einem Teil des Großhirns –, dessen Aktivität mit Übergewicht und Adipositas zusammenhängen soll. Die Forscher wendeten dabei unter anderem  an.

Durch den Einsatz des Substrates MP-10 wurde das Enzym PDE10a gezielt ausgeschaltet, was zu einer deutlichen Gewichtsabnahme und Verbesserung der Insulinresistenz durch Aktivierung des braunen Fettgewebes führte. In menschlichen Zelllinien konnten die Forscher beobachten, dass braunes Fettgewebe verstärkt aktiviert und dadurch schlechtes weißes in beiges Fettgewebe umgewandelt wurde.

Das Substrat MP-10 ist gut für den Menschen verträglich. Ein Vorteil des Substrats und des enzymatischen Angriffspunkts im Vergleich zu anderen Forschungsansätzen ist sein dualer Wirkansatz zur Gewichtsreduktion über einen zentralen Pfad im Gehirn und im Fettgewebe. Die Leipziger Forschergruppe um Wissenschaftlerin Fenske hofft, dadurch negative kardiologische Nebenwirkungen vermeiden und übergewichtigen Patienten eine sichere Gewichtsabnahme und eine Verbesserung des Diabetes ermöglichen zu können.

Das IFB AdipositasErkrankungen ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Zentrum, das Forschung und Behandlung zu Adipositas unter einem Dach vereint. In Leipzig steht Adipositas mit deren häufigen Begleiterkrankungen Typ-2-Diabetes, Atherosklerose, Fettgewebestörung und Fettleber im Mittelpunkt.

Quellen und weitere Informationen:
„A novel thermoregulatory role for PDE10A in mouse and human adipocytes“ doi: 10.15252/emmm.

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