Montag, Juli 15, 2024

Beruf als Risikofaktor und Auslöser für Neurodermitis

Wichtigster Risikofaktor für junge Menschen mit Neurodermitis ist im Beruf der Kontakt mit Substanzen, die Auslöser für kritische Symptome sein können.

Die Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung der Haut, die viele Bereiche des Lebens betrifft, wobei auch der entsprechende Beruf zu den Risikofaktoren zählen kann. Wenn sich betroffene Personen aber einige wichtige Maßnahmen zu Herzen nehmen, so können sie Probleme durch die Erkrankung im Berufsalltag gut in den Griff bekommen. Die meisten Probleme entstehen entstehen im Beruf durch den Kontakt mit kritischen Substanzen, die die Haut beeinträchtigen und Auslöser für schwere Neurodermitis-Symptome sein können. Eine geeignete Vorbeugung ist hier am wichtigsten.

 

Menschen mit Neurodermitis meist von klein auf betroffen

Neurodermitiker kratzen sich oft schon im Kleinkindalter nachts blutig. Der extreme Juckreiz ist typisch für diese auch als Atopische Dermatitis bekannte Hauterkrankung. Neurodermitis tritt häufig schon im Säuglingsalter auf und ist wieder auf dem Vormarsch.

Eine Neurodermitis bedeutet Stress für die kleinen Patienten wie auch für ihre Eltern. Die Erkrankung wird den allergischen Krankheiten zugeordnet und entsteht wohl aus einem Zusammenspiel genetischer und umweltbedingter Faktoren. So sind etwa Tabakrauch und Hausstaub als Risikofaktoren nachgewiesen, während sich Geschwister oder sonstiger Kontakt zu anderen Kindern positiv auswirken.

Unter dem Strich tritt die Neurodermitis schon bei Kleinkindern auf. Allerdings kann sie in späteren Jahren aber auch wieder von selbst verschwinden. Dabei ist düe Neurodermitiker oft die Pubertät eine kritische Phase im Krankheitsverlauf. Einige Betroffene heilen in dieser Zeit spontan, während es bei anderen zu einer deutlichen Verschlechterung kommt.

 

Beruf und Umwelt: Risikofaktoren und Auslöser für Neurodermitis

Neurodermitiker haben eine sehr empfindliche Haut, die sehr auf äußere Reize reagiert. Ein Team um die LMU-Forscherinnen Dr. Astrid Peters und Professor Katja Radon haben unlängst fast 4000 Probanden von der Kindheit ins Erwachsenenalter begleitet und hinsichtlich atopischer Erkrankungen und einer möglichen beruflichen sowie umweltbedingten Exposition befragt.

„Wir haben anhand der Daten Vorhersagemodelle für die Pubertät entwickelt, weil diese Phase im Krankheitsverlauf oft wichtig ist“, sagt Radon. „Dabei zeigte sich, dass der wichtigste Risikofaktor für Jugendliche mit Neurodermitis der berufliche Kontakt zu bestimmten Substanzen ist, etwa Bäckermehl oder Desinfektionsmittel. Diese Ergebnisse geben den Allergologen ein Instrumentarium zur besseren Beratung der Patienten an die Hand – ganz besonders in Hinsicht auf die Berufswahl.“ (Journal of Allergy and Clinical Immunology online, 7. September 2010)

In der Untersuchung konnte der natürliche Verlauf einer atopischen Dermatitis im Alter von 9 bis 11 und 16 bis 20 Jahren bestimmt werden. Zudem wurden relevante Risikofaktoren in Hinsicht auf das Auftreten, das erneute Auftreten oder das Bestehen der Erkrankung im Verlauf der Adoleszenz beurteilt.

 

Verschiedene Risikofaktoren für Neurodermitis

Etwa sieben Prozent aller Teilnehmer entwickelten eine atopische Dermatitis erst in ihrer Jugend. Mädchen trugen ein höheres Risiko, in den Teenagerjahren zu erkranken, während unter den Kindern Jungen verstärkt betroffen sind. Wie erwartet, erwies sich eine bereits bestehende Neurodermitis bei engen Verwandten als ein starker Risikofaktor.

„Besonders wichtig war für uns aber, dass Risikofaktoren der Säuglings- und Kinderjahre generell deutlich an Einfluss verlieren“, sagt Peters. „Dazu gehört unter anderem, dass ein Kind nicht gestillt wurde, keine Geschwister hat und keinen Kindergarten besucht. In der Adoleszenz scheint nur mehr der beruflich bedingte Kontakt zu reizenden Substanzen besonders bedeutend zu sein.“ Zu den Hochrisikojobs werden Arbeiten in der Bäckerei, als Reinigungskraft oder in der Krankenpflege gezählt.

Die Exposition in solchen Berufen wirkt sich selbst dann negativ aus, wenn sie nur vorübergehend oder für kurze Zeit besteht. Schließlich sollten Ärzte jedenfalls diese Erkenntnisse berücksichtigen, wenn sie Menschen mit Neurodermitis oder entsprechend gefährdete Jugendliche bezüglich Risikofaktoren im Beruf und mögliche Substanzen als Auslöser für ernsthafte Hautbeschwerden beraten.


Literatur:

Astrid S. Peters et.al. Prediction of incidence, recurrence and persistence of atopic dermatitis in adolescence: a prospective cohort study. Journal of Allergy and Clinical Immunology online, Vol. 126, Issue 3, Pages 590-595.e3; 7. September 2010


Quelle: http://aumento.klinikum.uni-muenchen.de

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