Freitag, Juli 5, 2024

Alemtuzumab nach Fingolimod-Therapie

Das Absetzen von Fingolimod bei Multipler Sklerose kann schwere Rückfälle verursachen. Dies kann der monoklonaler Antikörper Alemtuzumab erfolgreich verhindern.

Im Grunde genommen konnten Ärzte ihren Patienten mit Multiple Sklerose vor noch vier Jahrzehnten nur symptomatische Therapien verschreiben. Ausnahme waren damals die Anwendung der Glukokortikoide im akuten Schub. Dann kam Markteinführung von Interferon als erste der »Disease modifying therapies« (DMT) zur Bekämpfung der Autoimmunreaktion. Mittlerweile sind verschiedene Wirkstoffe aus diversen therapeutischen Klassen zur Behandlung der Multiplen Sklerose zugelassen. Dazu gehört auch der Alemtuzumab, den die Industrie ursprünglich zur Therapie der chronisch-lymphatischen Leukämie vom B-Zelltyp entwickelte. Dabei dient der monoklonale Antikörper zur Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose im aktiven Stadium.

 

Alemtuzumab im Fokus

Alemtuzumab ist ein sogenannter gentechnisch hergestellter humanisierter, monoklonaler IgG1 kappa Antikörper. Ärzte verabreichen ihren Patienten für gewöhnlich 12 mg in einer 1,2 ml Lösung (10 mg / ml), die sie mit NaCl- oder Dextrose-Trägerlösungen per iv.-Infusion verdünnen.

Wie Alemtuzumab seinen therapeutischen Effekt erzielt, ist nach wie vor unklar. Im Grunde genommen dient der Wirkstoff bei Multiple Sklerose im Sinne einer Reprogrammierung, um den B- und T-Zellenpool selektiv zu Erneuern.

Innerhalb von 6 Monaten kommt es durch Alemtuzumab zu einer Repopulation der B-Zellen. Dabei erreichen die CD3+- und CD4+-Lymphozytenzahlen nicht die Ausgangswerte vor 12 Monaten. Die Lymphozytengesamtzahl steigt bei etwa 40 % der Patienten innerhalb von 6 Monaten bis zur unteren Normgrenze und bei etwa 80 % der Patienten innerhalb von 12 Monaten. Die Anzahl der Neutrophilen, Monozyten, Eosinophilen, Basophilen und der natürlichen Killerzellen wird nur vorübergehend durch den monoklonalen Antikörper verändert.

 

Pharmakokinetik und Dosierung

Mit jeder Behandlungseinheit steigen die Serumspiegel an und erreichten die höchsten Werte nach der letzten Infusion. Die Halbwertszeit beträgt etwa 4 bis 5 Tage und war zwischen den Behandlungsphasen vergleichbar. Nach 30 Tagen waren die Serumspiegel nur mehr sehr niedrig oder nicht mehr nachweisbar.

Verabreicht werden im ersten Behandlungsjahr 12 mg pro Tag an 5 folgenden Tagen – mit einer Totaldosis von 60 mg Alemtuzumab. Im zweiten Behandlungsjahr kommen 12 mg pro Tag an 3 folgenden Tagen zum Einsatz – mit einer Totaldosis von 36 mg des monoklonalen Antikörpers.

Jedenfalls müssen zwölf Monate zwischen den einzelnen Behandlungsphasen liegen. Ärzte verabreichen ihren MS-Patienten Alemtuzumab verdünnt als iv.-Infusion. Dabei verbessert zuvor eine Therapie mit Kortikosteroiden, Antihistaminika sowie Antipyretika die immunologische Verträglichkeit.

 

Monoklonaler Antikörper nach einer Fingolimod-Therapie

Nach Absetzen einer Fingolimod-Therapie drohen teilweise schwere Rückfällen der MS-Schübe. Dabei kann die durch Fingolimod verursachte Lymphopenie bis zu zwei Monate anhalten. Deswegen ist es unklar, ab wann eine Behandlung mit dem monoklonalen Antikörper beginnen soll. Denn zu langes Warten kann Multiple Sklerose reaktivieren und schwere Schübe verursachen. Um nun die Wirksamkeit und Sicherheit von Alemtuzumab bei der MS-Therapie nach Fingolimod zu analysieren, starteten Experten eine Studie, die Alemtuzumab und Rituximab nach Absetzen einer Fingolimod-Therapie verglich.

Die Wissenschaftler untersuchten 55 Patienten mit Multiple Sklerose (27 Rituximab und 28 Alemtuzumab). Dabei waren die Patienten der Rituximab mit im Durchschnitt 11,4 Jahre etwas etwas länger krank (Alemtuzumab-Gruppe durchschnittlich 7,8 Jahre). Außerdem waren 76,4% der Patienten Frauen. Jedenfalls zeigten sich beide Wirkstoffe ähnlich wirksam, wenngleich die Beobachtungsstudie eine sehr kleine Patientenanzahl analysierte.

Literatur:

Alcalá C1, Gascón F2, Pérez-Miralles F3, Domínguez JA2, Gil-Perotín S3, Casanova B3. Treatment with alemtuzumab or rituximab after fingolimod withdrawal in relapsing-remitting multiple sclerosis is effective and safe. J Neurol. 2019 Mar;266(3):726-734. doi: 10.1007/s00415-019-09195-2. Epub 2019 Jan 19.

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