Sonntag, März 30, 2025

Zeit lindert Schmerz der Trauer

Erst im zweiten Jahr nach dem Verlust entscheidet sich, ob ein normaler Bewältigungsprozess oder ein behandlungsbedürftiger (Schmerz) Zustand der Trauer vorliegt.

Der Ehemann ist an Krebs gestorben, die Tochter bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Für die Ehefrau im einen, für die Eltern im anderen Fall ist eine Welt zusammengebrochen. Und immer haben die Betroffenen zunächst das Gefühl, dass kein Stein mehr auf dem anderen steht. Wie Menschen den Verlust eines geliebten Angehörigen und den Schmerz bewältigen und wie Trauer verlaufen kann, haben unlängst Psychologen untersucht. Dabei hat sich die gängige Vorstellungen von Trauer korrigiert.

 

Aspekte von Trauer messen

Mehr als 500 Personen, die meisten von ihnen verwitwet oder verwaiste Eltern, haben für diese Studie ihr Erleben nach dem Verlust anhand eines neuen Fragebogens beschrieben. So konnten die Wissenschaftler verschiedene Aspekte von Trauer messen. Von besonderem Interesse war der Einfluss der Zeit seit dem Verlust, also die Dauer des Trauer-Prozesses.

Fasst man die Antworten von Personen zusammen, deren Verlust eine ähnlich lange Zeit zurückliegt, so zeigten sich vor allem während der ersten zweieinhalb Jahre nach dem Todesfall deutliche Veränderungen. Innerhalb des ersten Jahres nehmen Beeinträchtigungen durch unangenehme Gedanken und Gefühle einerseits und das Empfinden der Nähe zu der verstorbenen Person andererseits an Intensität stark zu. Ähnlich stark verlauft die Abnahme dieser Intensität während der folgenden zwölf bis 18 Monate. Dabei leiden Frauen stärker unter dem Verlust einer nahen Bezugsperson als Männer.

Ein weiteres Ergebnis: Auf längere Sicht, das heißt, über den Zeitraum von drei Jahren hinaus, lassen sowohl die Beeinträchtigungen als auch das Empfinden der Nähe zur verstorbenen Person beständig nach. Interessant ist, dass am Ende der ‚heißen Phase‘ der Trauer sowohl positive Erlebens- und Verhaltensmöglichkeiten zunehmen als auch die Fähigkeit zu Anteilnahme und Mitgefühl mit anderen Menschen wächst. Dieser Trend bleibt auch mehr als zehn Jahre nach dem Verlust erhalten. Schuldgefühle blieben langfristig nahezu unverändert auf einem mittleren Intensitätsniveau.

Neben Kummer ist Trauer auch mit persönlichem Wachstum verbunden, das von den Betroffenen rückblickend positiv erlebt wird. Die Bewältigung des Verlusts eines geliebten Menschen kann auch zu einer vorteilhaften Veränderung des Betroffenen führen. Die Zeit bringt den Schmerz von Trauer nicht zum Verschwinden, sie vermag ihn aber zu lindern.

 

Trauer – ein lang andauernder Prozess

Trauer ist ein Prozess, der sich lange hinzieht – auch das zeigt die Studie. Für viele Betroffene ist er nicht nach wenigen Monaten und nicht einmal nach dem traditionellen Trauerjahr abgeschlossen. Die Würzburger Ergebnisse zeigten, dass sich erst im zweiten Jahr nach dem Verlust entscheidet, ob die Beeinträchtigungen abnehmen oder auf hohem Niveau bestehen bleiben, ob also ein normaler Bewältigungsprozess oder ein behandlungsbedürftiges Trauern vorliegt. Für die Diagnose einer anhaltenden komplexen Trauer-Reaktion ist dies von eminenter Bedeutung.


Literatur:

Wittkowski, J. & Scheuchenpflug, R. (2015). Zum Verlauf „normaler“ Trauer. Verlusterleben in Abhängigkeit von seiner Dauer. Zeitschrift für Gesundheitspsychologie, 23, 169-176. DOI: 10.1026/0943-8149/a000145


Quelle: Universität Würzburg

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