Freitag, Januar 16, 2026

Weniger kontrollierende Eltern haben glücklichere Kinder

Warmherzigere, weniger kontrollierende Eltern haben glücklichere Kinder, deren größeres psychisches Wohlbefinden bis ins Erwachsenenalter anhält.

Laut einer unlängst durchgeführten Studie wachsen Kinder glücklicher und mit mehr Lebenszufriedenheit auf, wenn Eltern in der Erziehung warmherzig sind und weniger psychologisch kontrollierende Methoden einsetzen.

 

Weniger kontrollierende Eltern legen für ihre Kinder den Grundstein für mehr psychisches Wohlbefinden im Erwachsenenalter

Eine lebenslang begleitende Studie des University College London (UCL) hat eine Reihe von wichtigen Bestimmungsfaktoren für psychisches Wohlbefinden im Erwachsenenalter auf Grundlage der kindlichen Umwelt gefunden. Die Forscher untersuchten die Daten von 5.362 Briten im Alter von 13 bis 64 Jahren, die einen repräsentativen Bevölkerungsquerschnitt zu Untersuchungszwecken bilden. Die Teilnehmer gehör(t)en dem Medical Research Council (MRC) des National Survey of Health und Development (NSHD) an. Diese einzigartige nationale Umfrage begleitete die Teilnehmer seit ihrer Geburt im März 1946.

Von den Teilnehmern der Studie befinden sich derzeit 2.800 im Rahmen eines aktiven Follow-ups. Die Daten für das komplette Wohlbefinden wurden hingegen von 3.699 Teilnehmern im Alter von 13 bis 15 Jahren erhoben. Demgegenüber standen rund 2.000 Teilnehmer im Alter von 60 bis 64 Jahren. Unter Verwendung eines 25 Punkte umfassenden Fragebogens, versuchte das Forschungsteam drei unterschiedliche Erziehungskonzepte zu ermessen.

Um die elterliche Bindung zu beurteilen, wurden die Studienteilnehmer gebeten, Aussagen wie „Sie schienen meine Probleme und Sorgen zu verstehen.“ zuzustimmen. Sätze wie „Sie versuchten, alles was ich tat unter Kontrolle zu haben“ wurden entwickelt, um die psychologische Kontrolle zu beurteilen, während mit „Nein“ bewertete Aussagen wie „Sie ließen mich ausgehen, so oft ich wollte“ darauf abzielten, die Verhaltenskontrolle zu bemessen.

Die Erwachsenen beantworteten den Fragebogen retrospektiv und beschrieben, wie sie sich an die Einstellungen und Verhaltensweisen ihrer Eltern, bevor sie selbst 16 Jahre alt waren, erinnerten. Die Studie versuchte auch Störfaktoren wie Trennung der Eltern, soziales Umfeld in der Kindheit, die psychische Gesundheit der Mütter und die Persönlichkeitsmerkmale der Teilnehmer zu berücksichtigen.

Psychologische kontrollierende Methoden begrenzt die Unabhängigkeit der Kinder

Das psychische Wohlbefinden im Erwachsenenalter bei Personen, deren Eltern eine stärkere psychologische Kontrolle während deren Kindheit ausgeübt hatten, war – vor allem bei den 60 bis 64jährigen deutlich reduziert. Dieser Effekt war so ausgeprägt, dass es die Studienautoren mit dem Verlust eines engen Freundes oder eines Verwandten gleichsetzten.

Dr. Mai Stafford, Vortragender in Sozialepidemiologie an der MRC-Unit für das Lifelong Health & Ageing am UCL, erklärte: „Wir haben festgestellt, dass Menschen, deren Eltern Wärme und Empathie zeigten, während des frühen, mittleren und späteren Erwachsenenalters eine höhere Lebenszufriedenheit und ein besseres psychisches Wohlbefinden aufwiesen.“

Indem man Kinder nicht ihre eigenen Entscheidungen treffen lässt, sie nicht ihre eigenen Wege gehen lässt, sie also unter permanenter psychologische Kontrolle hält, begrenzt man nicht nur die Unabhängigkeit der Kinder, sondern vermindert auch deren Fähigkeit, ihr Verhalten zu regulieren. Diese Beispiele psychologische Kontrolle umfassen nicht nur das Eindringen in deren Privatsphäre sondern auch die Förderung ihrer Abhängigkeit – und nicht ihrer Unabhängigkeit.

Aus anderen Studien weiß man auch, dass Kinder mit einer sicheren emotionalen Bindung zu den Eltern auch im Erwachsenenalter besser in der Lage sind, selbst sichere Bindungen eingehen zu können.

Dr. Stafford, sagt: „Die Eltern […] bieten uns eine stabile Basis, von der aus wir die Welt erkunden können. Es hat sich gezeigt, dass Wärme und Einfühlungsvermögen die soziale und emotionale Entwicklung fördern. Im Gegensatz dazu kann psychologische Kontrolle die Unabhängigkeit des Kindes eingrenzen und auch dessen Fähigkeit, sein Verhalten zu regulieren vermindern.“

Dr. Stafford fügt hinzu, dass „die Minimierung von wirtschaftlichem Druck und anderen negativen Einflüssen auf die Eltern helfen könnte, bessere Beziehungen zu ihren Kindern aufzubauen. Die Förderung einer gesunden Work-Life Balance ist wichtig, da die Eltern Zeit brauchen, um die Beziehungen zu ihren Kindern zu pflegen.“

Jüngste Studien zeigen, dass Eltern eine „Überbewertung“ ihrer Kinder vermeiden sollten, um Narzissmus zu vermeiden. Ebenso wichtig ist es aber auch, Warmherzigkeit zu bieten, um ein hohes Selbstwertgefühl bei Kindern zu entwickeln.


Quellen: Journal of Positive PsychologyUniversity College London (UCL)Medical Research Council (MRC) des National Survey of Health und Development (NSHD)

Latest Articles

Folgt uns auf Facebook!

Fokus Kinder

Behandlung mittels Psychotherapie bei jungen Menschen mit Depression

Psychotherapie wie die kognitive Verhaltenstherapie sollte die erste Behandlung bei jungen Menschen mit Depression sein. Und erst später Medikamente. Laut einer rezenten australischen Studie sollte...
- Advertisement -

Related Articles

Depressionen bei Kindern und im Jugendalter erkennen

Traurigkeit ist häufig ein Anzeichen für Depressionen bei Kindern: Bis zu 2,5 Prozent der Kinder und bis zu 8,3 Prozent im Jugendalter leiden daran,...

Fieber bei Kindern muss man erst senken, wenn das Kind dadurch leidet

Wenn die Temperatur stark steigt, dann hilft das oft gegen Krankheitserreger. Wobei man Fieber bei Kindern nicht senken muss, solange das Kind nicht darunter...

Enuresis – beim Einnässen von Kindern an alles denken

Prinzipiell muss man zwischen der klassischen Enuresis und der nicht organischen und organischen Harninkontinenz unterscheiden. Beim Einnässen von Kindern muss man zwischen erstens der klassischen Enuresis,...