Risiko für neuerlichen Suizidversuch verringern

Menschen nach Suizidversuch brauchen intensive psychologische Betreuung. Eine neue Methode reduziert deutlich das Risiko weiterer suizidaler Krisen.

Eine neuen Behandlungsmethode reduziert nach einem Suizidversuch das Risiko für weitere suizidale Krisen deutlich. Eine aktuelle Studie unter Leitung der London School of Economics konnten nun zeigen, dass diese in der Schweiz entwickelte Methode auch sehr kostenwirksam ist.

 

Kurztherapie für Menschen nach Suizidversuch

Menschen brauchen nach einem Suizidversuch intensive psychologische Betreuung. Die Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) haben dafür eine Kurztherapie entwickelt. In Zusammenarbeit mit der London School of Economics und dem Universitären Notfallzentrum des Inselspitals Bern untersuchten sie nun, ob diese Behandlung für Menschen nach Suizidversuch auch zu Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen führen kann.

 

Suizidversuch auch als ökonomische Bürde

Weltweit rechnet die Weltgesundheitsorganisation WHO mit etwa einer Million Selbstmorde. Etwa zehnmal so oft wird jährlich ein Suizidversuch gemacht. Folge sind einerseits grosse emotionale Belastungen für Betroffene und Angehörige. Andererseits entstehen auch beträchtliche Kosten für das Gesundheitswesen. In erster Linie sind hier vor allem medizinische Notfallzentren und psychiatrische Kliniken betroffen.

Schließlich stellt ein Suizidversuch auch das grösste Risiko für weitere suizidale Krisen dar. Bislang gibt es jedoch kaum anerkannte Behandlungsmethoden, die dieses Risiko zuverlässig reduzieren.

 

Kurztherapie zur Prävention

Die in Bern entwickelte Kurztherapie zur Prävention wiederholter Suizidversuche «Attempted Suicide Short Intervention» (kurz: ASSIP) konnte bereits 2016 in «PLOS Medicine» eine bisher einmalige Wirksamkeit nachweisen. Diese Kurztherapie reduzierte das Risiko für weitere Suizidversuche um 80 Prozent. Die Behandlung bestand aus lediglich drei Sitzungen gefolgt von anhaltendem brieflichen Kontakt über zwei Jahre.

Die aktuelle Studie zeigt, dass mit dem Rückgang der Suizidversuche durch ASSIP auch die Kosten für die Notfallbehandlungen und psychiatrischen Hospitalisationen signifikant reduziert werden. Somit ist diese Behandlung nicht nur klinisch wirksam sondern auch wirtschaftlich wichtig.

120 Betroffene, die wegen Suizidversuch im Universitären Notfallzentrum behandelt worden waren, wurden untersucht. Jeder zweite erhielt zusätzlich zur üblichen psychiatrischen Behandlung drei ASSIP-Sitzungen sowie personalisierte Briefen über zwei Jahre.  Die Kontrollgruppe erhielt eine einzelne Suizidrisiko-Einschätzung.

Nach 24 Monaten machten 41 Personen der Kontrollgruppe einen weiteren Suizidversuch, in der ASSIP-Gruppe waren es nur fünf.

 

Fazit. Das Berner Programmhat grosses Potenzial, weltweit in der Suizidprävention eingesetzt zu werden. Zur Zeit wird ASSIP in der Schweiz in Bern, Zürich, Solothurn und in der Privatklinik Wyss angewendet. International setzen Finnland, Litauen, Schweden, Belgien, Österreich und die USA das Programm ein. Schließlich planen auch Portugal und Australien die Anwendung von ASSIP.

Quellen:

A-La Park, MSc1; Anja Gysin-Maillart, PhD2; Thomas J. Müller, MD2,3; et al. Cost-effectiveness of a Brief Structured Intervention Program Aimed at Preventing Repeat Suicide Attempts Among Those Who Previously Attempted SuicideA Secondary Analysis of the ASSIP Randomized Clinical Trial. https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2707429

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