Dienstag, Juli 2, 2024

Prorenin-Receptor für das Immunsystem

Dem Prorenin-Receptor – des ursprünglichem Herz-Kreislaufmoleküls – wurde eine neue Rolle für das Immunsystem zugeteilt.

 

Der Prorenin-Receptor wurde erst vor wenigen Jahren in der Herz-Kreislauf-Forschung entdeckt und allmählich kristallisiert sich heraus, dass er für die Entwicklung der verschiedensten Zellen des Organismus unverzichtbar ist. Jetzt haben Sabrina Geisberger, Dr. Ulrike Maschke, Dr. Katrina J. Binger, Prof. Dominik N. Müller – alle vom Experimental and Clinical Research Center des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare (MDC) und der Charité –sowie Dr. Mark D. Wright von der Monash Universität in Prahran, Australien, gezeigt, dass der Prorenin-Receptor auch eine wichtige Rolle für die Entwicklung der T-Zellen des Immunsystems spielt.

Der Prorenin-Receptor wurde 2002 von Dr. Genevieve Nguyen von INSERM – Institut national de la santé et de la recherche médicale – in Paris entdeckt. Ihre Entdeckung beflügelte zunächst die Herz-Kreislauf-Forschung, da der Rezeptor sowohl das Enzym Renin als auch dessen Vorläufer Prorenin bindet. Dieser Fähigkeit verdankt er seinen Namen (Pro)Renin-Rezeptor, kurz PRR.

Renin ist in das Renin-Angiotensin-System eingebunden, das den Wasser- und Salzhaushalt und den Blutdruck reguliert. Störungen in diesem System können zu Bluthochdruck führen. Inzwischen stellte sich aber heraus, dass der Rezeptor PRR in keinerlei Zusammenhang mit Bluthochdruck steht. Aber wozu ist er dann nütze?

 

Prorenin-Receptor hat fundamentale Bedeutung für den Organismus

Inzwischen haben weitere Forschungen ergeben, dass der Prorenin-Receptor in nahezu allen Geweben und Zellen vorkommt. Um seine Funktion zu ermitteln, schalteten Forscher den Prorenin-Receptor in unterschiedlichen Geweben bei der Taufliege Drosophila, bei Zebrafischen und Säugern wie Mäusen aus. Die Folge waren schwere Schädigungen zum Beispiel an den Nieren und am Herzen.

Im frühen Entwicklungsstadium führte das Ausschalten des Rezeptors zum Absterben der Embryos. „Das bedeutet, der Rezeptor PRR hat eine fundamentale biologische Funktion im Organismus“, erläutert Forschungsgruppenleiter Prof. Müller vom ECRC.

Besonders stark ist der Prorenin-Receptor in den T-Zellen des Immunsystems ausgeprägt. Diese Zellen haben die Aufgabe Krankheitserreger zu erkennen und andere Zellen des Immunsystems für die Abwehr der Eindringlinge auf den Plan zu rufen.

Die Forscherinnen und Forscher des ECRC untersuchten, was geschieht, wenn der Rezeptor in T-Zellen von Mäusen ausgeschaltet wird, die sich zur Schulung im Thymusgewebe befinden. Das Ergebnis: die Entwicklung der T-Zellen war massiv gestört.

„In der Herz-Kreislauf-Forschung kam die Überlegung auf, einen Inhibitor zu entwickeln, um das Renin-Angiotensin-System auf eine alternative Weise zu inhibieren. Aber alle Untersuchungen, auch unsere, zeigen, dass dieser Rezeptor so wichtig für die Entwicklung des Organismus ist, dass es einfach zu gefährlich wäre, ihn zu blockieren“, betont Prof. Müller.

 

Quelle: New role for the (pro)renin receptor in T cell development. Sabrina Geisberger, Ulrike Maschke, Matthias GebhardtMarkus KleinewietfeldArndt ManzelRalf A. Linker, Ann ChidgeyRalf DechendGenevieve NguyenOliver DaumkeDominik N. MullerMark D. Wright und Katrina J. BingerBlood, 126(4):504-507.

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