Mittwoch, Februar 21, 2024

Fast jeder Krebspatient will zuhause sterben

Dass ein Krebspatient lieber im häuslichen Umfeld sterben will, ist sehr verständlich – doch dieser Wunsch kann sehr häufig nicht erfüllt werden.

Noch immer sterben mehr als die Hälfte aller Krebspatienten mit unheilbaren Tumoren im Krankenhaus. Allerdings wächst der Anteil derer, die ihre letzten Wochen im Hospiz oder in einem Alters- beziehungsweise Pflegeheim verbringen, wie eine unlängst publizierte Studie zeigen konnte. Doch der Wunsch, zuhause zu sterben, bleibt oft verwehrt – die Realität zeigt, dass jeder vierte Krebspatient zuhause stirbt.

 

Umfrage: Nur jeder vierte Krebspatient stirbt zuhause

In Umfragen sprechen sich die meisten Krebspatienten für ein Sterben im häuslichen Umfeld aus. Dieser Wunsch kann ihnen häufig nicht erfüllt werden. In den Städten Bochum und Münster sowie den Landkreisen Borken und Coesfeld starben 2011 nur knapp 25 Prozent von ihnen zuhause. Das belegen die Totenscheine, die der Palliativmediziner Dr. Burkhard Dasch vom Klinikum der Universität München zusammen mit Kollegen aus Bochum ausgewertet hat. Zum Vergleich haben die Mediziner die Totenscheine aus dem Jahr 2001 herangezogen.

Zu beiden Zeitpunkten starben die meisten Krebspatienten im Krankenhaus. Der Anteil ist jedoch von gut 62 auf rund 51 Prozent gefallen. Gleichzeitig ist der Anteil der Krebskranken, die in Hospizen sterben, von 5,5 auf 12,5 Prozent gestiegen. Auch in Alten- und Pflegeheimen starben 2011 mehr Krebspatienten als zehn Jahre zuvor. Der Anteil stieg von gut sieben auf knapp elf Prozent. Rund zwei Prozent starben 2011 auf einer Palliativstation. Diese Einrichtungen gab es 2001 im Untersuchungsgebiet noch nicht.

 

Palliativversorgung wird ausgebaut

Die Entwicklung wurde durch die Eröffnung von Hospizen gefördert. Im Jahr 2001 gab es in Bochum und Münster erst drei Palliativstationen, die sich auf die Betreuung von sterbenden Menschen spezialisiert hatten. Seither sind in den beiden Landkreisen drei neue Hospize hinzugekommen. Der Bedarf ist laut Dr. Dasch noch aber nicht gedeckt. Die Weiterverlegung in ein Hospiz sei aufgrund zu gering vorgehaltener Bettenzahlen oft ein Problem und ein Nadelöhr. Krankenhausentlassungen würden hierdurch verzögert und stationäre Liegezeiten verlängert. Dr. Dasch begrüßt deshalb, dass die Bundesregierung mit einem Gesetz den Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung fördern will.

Der Wunsch der Patienten, zuhause zu sterben, lässt sich nach Ansicht von Palliativmedizinern nicht immer erfüllen. Dr. Dasch nennt als Beispiel Menschen mit Hirntumoren. Diese Patienten litten häufig unter epileptischen Anfällen, Lähmungen, Koordinationsstörungen sowie Hirnleistungsstörungen, so Dasch. Angehörige seien dann mit der häuslichen Pflege dieser Krebspatienten häufig überfordert.

Krebspatienten mit Blut- oder Lymphdrüsenkrebs sterben dagegen häufiger als geplant im Krankenhaus, obwohl es für sie heute auch im Endstadium noch gute Behandlungsmöglichkeiten gibt.

B. Dasch et al.: Epidemiologische Untersuchung zum Sterbeort von Tumorpatienten. Auswertung von Todesbescheinigungen einer Dekade. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2016; 141 (17); e158–e165

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