Montag, Mai 20, 2024

Nichtsteroidale Antirheumatika, NSAR: Wirkung und Halbwertszeit

Nichtsteroidale Antirheumatika, NSAR, sind Medikamente zur Therapie von Schmerzen, Entzündungen und Fieber, mit unterschiedlicher Wirkung und Halbwertszeit der Präparate.

Nichtsteroidale Antirheumatika – NSAR – sind häufig verschriebene Medikamente, gemeinsam haben die Präparate vor allem ihre entzündungshemmende, analgetische, antipyretische und plättchenaggregationshemmende Wirkung. Die Wirkungen der NSAR sind vor allem zur Behandlung von Muskelschmerzen, Dysmenorrhoe, arthritischen Zuständen, Pyrexie, Gicht sowie Migräne gefragt. Weiter kommen sie in bestimmten akuten Traumafällen als opioidsparende Mittel zum Einsatz. Eine wichtige Rolle – nicht zuletzt in Hinblick auf unerwünschte Wirkungen – hat die Halbwertszeit der einzelnen nichtsteroidalen Antirheumatika, NSAR. Übrigens sind topische NSAR – wie das Diclofenac-Gel – auch zur Verwendung bei akuter Tenosynovitis, Verstauchungen des Sprunggelenks und Weichteilverletzungen erhältlich.

 

Wie Nichtsteroidale Antirheumatika wirken

Die meisten verfügbaren NSAR sind schwache Säuren, wobei diese Eigenschaft für die erreichten Konzentrationen in entzünd­lichen Geweben oder in der Synovialflüssigkeit entzündeter Gelenke von Bedeutung ist. Die Hemmung der Cyclo­oxygenaseaktivität nebst Hemmung der Synthese von Prosta­glandinen stellt den wichtigste Wirkungsmechanismus der NSAR dar.

Nichtsteroidale Antirheumatika hemmen in den meisten Fällen annähernd gleichermaßen die Isoenzyme der Cyclooxygenase, COX-1 und COX-2. Das bedeutet im Unterschied zu den selektiven COX-2-Hemmern, das die Wirkstoffe auch die Plättchenaggregation hemmen und damit die Blutungszeit verlängern. Dies führt wiederum dazu, dass die klassischen NSAR die Schleimhaut des oberen Magen-Darm-Trakts schädigen können.

Neben der Hemmung der Cyclooxygenase werden eine Reihe von anderen Mechanismen für die entzündungshemmende Wirkung der NSAR verantwortlich gemacht. So hemmen einige NSAR die Lipoxygenase und führen auch zu einer Abnahme der Produktion von Leukotrienen.

Nichtsteroidale Antirheumatika können auch Funktionen der Neutrophilen wie die Zellaggregation oder die Bildung von Hydroperoxid von Neutrophilen hemmen. Sie beeinflussen die Freisetzung lysosomaler Enzyme, Lymphozytenfunktionen, die Freisetzung von Rheumatoidfaktoren und bestimmte Zellmembranfunktionen wie NADPH-Oxidase, Phospholipase C, oxidative Phosphorylierung und Aufnahme von Arachidonsäure.

Diese Eigenschaften der NSAR mögen auch ihre unterschiedlichen entzündungshemmenden Potenzen wie auch die quantitativ unterschiedliche Nebenwirkungsinzidenz erklären.

 

Nichtsteroidale Antirheumatika, NSAR, haben kurze und lange Halbwertszeit

Wenn man Nichtsteroidale Antirheumatika nach ihrer Plasma-Halbwertszeit einteilt, so drängen sich zwei Gruppen aus:

  • NSAR mit kurzer Halbwertszeit von einer Viertel bis 4,5 Stunden und
  • solche mit langer Halbwertszeit – von 10 bis 60 Stunden.

Nichtsteroidale Antirheumatika mit kurzer Halbwertszeit sind: ASS, Dexibuprofen, Diclofenac, Fenoprofen, Flufenaminsäure, Flurbiprofen, Ibuprofen, Indomethacin, Ketoprofen, Tolmetin.

NSAR mit langer Halbwertszeit sind: Diflunisal, Fenbufen, Naproxen, Phenyl­butazon, Piroxicam, Sulindac, Tenoxicam.

Eine lange Halbwertszeit ist mit einer stärker werdender Nebenwirkungsfrequenz vergesellschaftet, NSAR mit kurzer Halbwertszeit haben in der Regel ein günstigeres Nebenwirkungsprofil, wobei die wichtigsten Nebenwirkungen gastrointestinale Blutungen sind.

Für die Regeneration der Magenschleimhaut scheint es vorteilhaft zu sein, wenn NSAR eine kurze Halbwertszeit haben. Nichtsteroidale Antirheumatika haben eine hohes Interaktionspotential und können vor allem bei längerfristiger Einnahme schwere unerwünschte Wirkungen verursachen.

 

NSAR und mögliche Auswirkungen auf SARS-CoV-2 und die Coronavirus-Erkrankung Covid 19

Das Schwere-akute-respiratorische-Syndrom-Coronavirus-2 SARS-CoV-2 ist der ätiologische Erreger der Coronavirus-Krankheit COVID-19. Jüngste Studien haben berichtet, dass der SARS-CoV-2-Stamm ähnlich wie SARS-CoV ein Spike-Protein (S) mit einer Rezeptorbindungsdomäne (RBD) exprimiert, das an das Angiotensin-Converting-Enzym 2 (ACE2) bindet.

Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass die Morbidität und Mortalität von COVID-19 auf übermäßige Entzündungen wie Atemwegsentzündungen und Zytokinstürme zurückzuführen sind. Wobei infizierte Patienten in den frühen Krankheitsphasen unter Unwohlsein oder Fieber leiden und zur symptomatischen Linderung Analgetika wie Paracetamol und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen einsetzen.

In ähnlicher Weise können Patienten mit chronisch entzündlichen Erkrankungen NSAR oder Kortikosteroide als Management für ihre Krankheit nehmen. Das könnte wiederum ihre Anfälligkeit für mikrobielle Infektionen erhöhen kann.

Da COVID-19 eine Viruserkrankung ist, gab es Bedenken, dass der Einsatz von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) SARS-Coronavirus-Infektionen verschlimmern könnte. Aber dazu gibt bislang keine einheitlichen Beweise. Hingegen sind die Beweise häufig widersprüchlich und knapp sind.

Deswegen sind weitere Untersuchungen erforderlich, um ein endgültiges Verständnis des Zusammenhangs von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und COVID-19 zu erlangen.


Literatur:

Cabbab ILN, Manalo RVM. Anti-Inflammatory Drugs and the Renin-Angiotensin-Aldosterone System. Current Knowledge and Potential Effects on Early SARS-CoV-2 Infection. Virus Res. 2020 Oct 8:198190. doi: 10.1016/j.virusres.2020.198190. Epub ahead of print. PMID: 33039544; PMCID: PMC7543703.

Ida Ghlichloo; Valerie Gerriets. Nonsteroidal Anti-inflammatory Drugs (NSAIDs). StatPearls [Internet]. Last Update: February 18, 2020.

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