Donnerstag, Februar 22, 2024

Vorbeugung hilft: Mit Prävention eine Demenz verhindern

Es gibt einige allgemeine Empfehlungen zur Prävention von Demenz, die helfen können, eine Demenz mittels effektiver Vorbeugung zu verhindern.

Laut dem aktuellen Bericht der „Lancet Commission“ könnte mehr als ein Drittel aller Demenzfälle verhindert werden. Dieses Potenzial auszunutzen, ist angesichts des rasanten Anstiegs von Demenzerkrankungen durch den demografischen Wandel von besonderer Bedeutung. In diesem Zusammenhang ist es entscheidend, dass man die Bevölkerung über neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Prävention, Vorbeugung, einer Demenz informiert.

Neu ist beispielsweise die Erkenntnis, dass ein Schädeltrauma einen Risikofaktor für Demenz darstellt. Dementsprechend schützten Helme beim Sport oder im Straßenverkehr nicht nur vor akuten Unfallfolgen, sondern auch langfristig vor einer Demenz. Neueste Daten bestätigen auch, dass die soziale Teilhabe einen sehr großen Anteil bei der Prävention einer Demenz hat.

 

Prävention und Früherkennung einer Demenz besonders wichtig

Unter dem Strich leiden weltweit derzeit etwa 50 Millionen Menschen an einer Demenz. Da aber eine Demenz nicht heilbar ist, sind die Vorbeugung und die Früherkennung ausgesprochen wichtig. Denn die Entstehung und den Verlauf einer demenziellen Erkrankung kann man sehr beeinflussen.

Im aktuellen „Report of the Lancet Commission 2020“ betonen die Autoren, dass man 40% aller Demenzfälle verhindern oder zumindest deutlich hinausgezögern könnte. Dazu müsste man alle Risikofaktoren vermeiden beziehungsweise minimieren.

 

Risikofaktoren für eine Demenz

Die Experten ergänzten die bisher bekannten modifizierbaren Risikofaktoren um drei neue:

  • Schädel-Hirn-Trauma,
  • Luftverschmutzung und
  • exzessiver Alkoholkonsum (> 21 Alkoholeinheiten pro Woche).

Bereits 2017 hat man neun andere Faktoren identifiziert (Reihenfolge nach abnehmender Einflussstärke):

  • Schwerhörigkeit,
  • niedriger Bildungsstand,
  • Rauchen,
  • Mangel an sozialen Kontakten,
  • Depression,
  • Hypertonie,
  • Übergewicht,
  • körperliche Inaktivität und
  • Diabetes mellitus.

In der Summe gehen bis zu 40 % der Demenzerkrankungen zulasten der genannten Faktoren.

 

Für die Prävention vor einer Demenz ist es nie zu spät

Wie die Autoren ausführen, ist es im Leben nie zu spät, mit der Vorbeugung einer Demenz zu beginnen. Bedeutsam für den Alltag ist der neu identifizierte Risikofaktor Kopfverletzungen. In diesem Sinne steht vor allem der Straßenverkehr sowie Sport im Fokus. Denn Fahrradhelme oder Helme bei bestimmten Risikosportarten bieten einen Schutz, um später an einer Demenz zu erkranken. Auch über den schädigenden Einfluss von Alkohol und Luftverschmutzung sollte man die Bevölkerung umfassend informieren.

Der Lancet-Report geht nicht nur ausführlich auf diese Faktoren und deren Modifizierbarkeit ein, sondern gibt auch Empfehlungen zur Versorgung von Demenzkranken. Angestrebt wird eine ganzheitliche Versorgung, die physische, psychische und mentale Aspekte sowie altersbedingte Begleiterkrankungen einbezieht. Soziale Kontakte, die Versorgung und der Schutz von Demenzpatienten müssen sichergestellt werden, auch um unnötige Hospitalisierungen zu vermeiden.

Nicht zuletzt ist die Situation pflegender Angehöriger im Auge zu behalten (z. B. Überforderung, Angst, Depression). Denn „Care for family carers” hat anhaltende Auswirkungen auf deren Lebensqualität und Morbidität.

 

Prävention von Demenz: Empfehlungen zur Vorbeugung

Im Grunde genommen ist das Thema Prävention von Demenz sehr komplex. Denn die genaue Ursache demenzieller Erkrankungen hat die Forschung noch nicht vollständig entschlüsselt. Es gibt jedoch einige allgemeine Empfehlungen zur Prävention, die helfen können, das Risiko einer Demenz mittels umfassender Vorbeugung zu verringern.


Körperliche Aktivität

Die Prävention mit regelmäßiger körperlicher Bewegung kann das Risiko für eine Demenz reduzieren. Versuchen Sie, aktiv zu bleiben und regelmäßig Sport oder andere körperliche Aktivitäten in Ihren Alltag einzubauen.


Geistige Aktivität

Wichtig sind geistige Aktivitäten wie Rätsel lösen, Lesen, Lernen neuer Fähigkeiten oder das Spielen von Gedächtnisspielen. Diese können die Gehirnfunktion erhalten und das Demenzrisiko verringern.


Gesunde Ernährung

Bekanntermaßen kann eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, gesunden Fetten und magerem Eiweiß zur allgemeinen Gesundheit beitragen. Als Prävention vor einer Demenz wird empfohlen, den Konsum von gesättigten Fetten, Transfetten und Zucker zu reduzieren. Sehr gut Daten gibt es zur sogenannten MIND-Diät.


Soziale Teilhabe

Eine bedeutende Rolle hat der regelmäßige Kontakt mit anderen Menschen. In diesem Sinn können soziale Interaktionen und das Teilnehmen an sozialen Aktivitäten das geistige Wohlbefinden und auch die Vorbeugung vor einer Demenz fördern.


Kontrolle von Risikofaktoren

Wie oben erwähnt ist es wichtig, andere gesundheitliche Risikofaktoren zu kontrollieren, die mit Demenz in Verbindung stehen. Dazu gehören Bluthochdruck, Diabetes, Fettleibigkeit und hohe Lipidwerte. Regelmäßige ärztliche Untersuchungen und die Einhaltung von medizinischen Empfehlungen können dabei helfen.


Tabak und übermäßigen Alkoholkonsum vermeiden

Unter dem Strich erhöhen auch das Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum das Risiko von Demenz. Gegebenenfalls sollte man in Betracht ziehen, professionelle Hilfe zu suchen, um mit dem Rauchen aufzuhören. Alkohol sollte man nur in moderaten Mengen konsumieren.


Gesunder Schlaf

Gesunder Schlaf fördert die Leistung, die Aufmerksamkeit sowie Lern- und Gedächtnisprozesse. Ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf ist daher wichtig für die allgemeine Gesundheit des Gehirns und auch für die Prävention von Demenz. Hierzu helfen regelmäßige Schlafgewohnheiten und eine gute Schlafumgebung.


Literatur:

Sommerlad A, Kivimäki M, Larson EB, Röhr S, Shirai K, Singh-Manoux A, Livingston G. Social participation and risk of developing dementia. Nat Aging. 2023 May;3(5):532-545. doi: 10.1038/s43587-023-00387-0. Epub 2023 May 18. PMID: 37202513.

Livingston G, Huntley J, Sommerlad A, Ames D, Ballard C, Banerjee S, Brayne C, Burns A, Cohen-Mansfield J, Cooper C, Costafreda SG, Dias A, Fox N, Gitlin LN, Howard R, Kales HC, Kivimäki M, Larson EB, Ogunniyi A, Orgeta V, Ritchie K, Rockwood K, Sampson EL, Samus Q, Schneider LS, Selbæk G, Teri L, Mukadam N. Dementia prevention, intervention, and care: 2020 report of the Lancet Commission. Lancet. 2020 Aug 8;396(10248):413-446. doi: 10.1016/S0140-6736(20)30367-6. Epub 2020 Jul 30. PMID: 32738937; PMCID: PMC7392084.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)

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