Dienstag, April 23, 2024

Liquid Biopsy zur Diagnose Krebs: Erkennen von Tumoren im Bluttest

Bluttest zum Erkennen von Tumoren (Tumorzellen): Diagnose Krebs mittels Liquid Biopsy – Blutanalyse statt Mammographie und Darmspiegelung.

Im Grunde genommen stellt sich die Frage, ob ein einfacher Blutprobe die invasive Entnahme von Tumorgewebe ersetzen kann. Denn mittels Liquid Biopsy kann man Tumor-Zellen im Bluttest erkennen und so die Diagnose Krebs früh stellen. In naher Zukunft soll die Methode auch beim Therapiemanagement und der Verlaufskontrolle bei bestimmten Krebsarten helfen.

 

Diagnose Krebs mittels Bluttest: Liquid Biopsy zur Früherkennung von Tumoren

Es gibt bereits Tests mit dem biologischen Hintergrund, dass das Erbmaterial aus Krebszellen oder auch ganze Krebszellen kontinuierlich ins Blut gelangen. Diesen Nachweis auf Krebs bezeichnet man jedenfalls als Liquid Biopsy – flüssige Biopsie. Jeder Tumor hat sein charakteristisches Muster an krebsspezifischen Erbgutveränderungen. Mit den heute verfügbaren ultrasensitiven Methoden der DNA-Analyse, können Wissenschaftler zum Beispiel die krebstypischen DNA-Schnipsel aufspüren – unter all den anderen Erbmolekülen aus gesunden Zellen, die auch im Blut herumschwimmen.

In diesem Sinne gelingt es bereits in vielen Fällen, bei Krebspatienten nach der Behandlung anhand des Nachweises von DNA im Blut zu verfolgen, ob der Tumor wiederkehrt. Daher hat sich die Vision entwickelt, dass man in Zukunft Tests auf Tumor-DNA im Blut auch zur Früherkennung von Krebs einsetzen könnte. Dazu gibt es jedoch bisher keine Daten.

Aber auch wenn ein solcher Nachweis technisch machbar ist, muss man seinen Nutzen erst analysieren. Wie bei anderen Untersuchungen zur Früherkennung muss die Liquid Biopsy erst zeigen, dass sie bei Krebs beispielsweise die Überlebenszeit verlängert oder die Lebensqualität verbessert.

 

Den Krankheitsverlauf der Therapie im Blut mitverfolgen

Krebspatienten erhalten normalerweise Therapien entsprechend den molekularen Merkmalen ihres Primärtumors. Diese Eigenschaften können sich während der molekularen Entwicklung von Metastasen als Hauptursache für Krebstodesfälle allerdings ändern.

Eine erneute Analyse von Metastasen durch eine Nadelbiopsie (Gewebeentnahme mittel Hohlnadel) ist zwar möglich. Diese Methode ist aber invasiv und nur begrenzt einsetzbar. Diese Hürden könnten durch Liquid Biopsy mit Bluttest-Analyse von Tumoren beziehungsweise Tumorzellen überwunden werden.

Denn Liquid Biopsy informieren über zirkulierende Tumorzellen sowie über von Krebs abgeleitete zellfreie Nukleinsäuren, Exosomen und Blutplättchen.

Unter dem Strich sehen Experten in den Bluttests auf Tumor-DNA in der Krebs-Medizin für sehr bedeutend, allerdings wird Liquid Biopsy zunächst eher nicht zum Früherkennen von Krebs eingesetzt. Sondern vor allem sollen die Tests helfen, den Therapieverlauf von bereits diagnostizierten Krebserkrankungen zu beobachten.

Denn anders als Tumor-Gewebeproben lässt sich Blut problemlos mehrmals in kurzen Abständen abnehmen. So können die Ärzte verfolgen, ob und wie lange der Krebs auf ein Medikament anspricht. Das ist wichtig, denn Krebszellen entwickeln gegen viele Wirkstoffe rasch Resistenzen. Wann tatsächlich ein DNA-Test zu Früherkennung von Krebs zur Verfügung steht, lässt sich heute noch schwer abschätzen.

 

Mit Liquid Biopsy dem geeigneten Krebs-Medikament auf der Spur

Unlängst haben Wissenschaftler beim nichtkleinzelligen Lungenkrebs untersucht, ob sich durch Bluttests auf Tumor-DNA das Therapieansprechen mitverfolgen lässt. Bei allen Patienten seiner Studie war durch die Untersuchung von Tumorgewebe bereits vorab eine bestimmte krebsfördernde Mutation festgestellt worden. Diese Erbgutveränderung zeigt an, dass der Tumor durch ein bestimmtes Medikament angreifbar ist.

Die Forschenden konnten gut beobachten, wie die Konzentration der Krebs-DNA im Blut nach Beginn der Behandlung mit diesem Medikament abnahm. Und man sah, dass sie wieder anstieg, sobald der Tumor zurückkehrte. Das bestätigte die Beobachtung anderer Studien, dass in manchen Patienten nach einer zunächst erfolgreichen Therapie der Wiederanstieg der Tumor-DNA im Blut rund drei Monate früher messbar ist als andere Symptome für die Rückkehr der Erkrankung.

Das Fernziel sei, mit einem Bluttest das wirksamste Medikament für den einzelnen Patienten zu identifizieren – auch ohne vorher das Tumorgewebe analysieren zu müssen. Denn viele der Krebs-typischen Erbgutveränderungen, die mit der Liquid Biopsy nachgewiesen werden können, sind die entscheidenden Treiber des Wachstums des Tumors. Mit zielgerichteten Medikamenten könnten sie blockiert und damit der Krebs gestoppt werden.

Ob das überhaupt funktioniert und falls ja, für welche Krebsarten, ist laut Experten bislang noch nicht abzusehen. Man geht hierzu beispielsweise davon aus, dass die Liquid Biopsy bei Krebs durchaus eine Rollen einnehmen kann. Nämlich für gezielte Fragestellungen bei bestimmten Tumoren. An einen generellen „Krebstest“ glauben viele auf absehbare Zeit aber nicht.

 

Tumorzellen im Bluttest bestimmen die Prognose

Das Blut eines Krebspatienten enthält nicht nur Tumor-DNA, sondern auch ganze Krebszellen. Doch welche Informationen über die Krebserkrankung lassen sich durch den Nachweis dieser zirkulierenden Tumorzellen (CTCs) gewinnen? Bei vielen Krebsarten ist gut belegt, dass die Anzahl der CTCs eng mit der Prognose gekoppelt ist. Jedoch ist das Ergebnis für den einzelnen Patienten bisher noch nicht sehr aussagekräftig, sondern stellt eher eine statistische Aussage dar. Deswegen werden diese Tests außerhalb klinischer Studien noch kaum für die Therapieentscheidung herangezogen.

Allerdings kann eine lebende Zelle viel mehr Informationen liefern als nur ein DNA-Molekül. Deswegen kann man auch durch ihre Analyse viel über den Prozess der Metastasierung lernen. Seit neuestem lassen sich beispielsweise aus dem Blut isolierte CTCs in der Kulturschale vermehren. Wenn das auch im größeren Maßstab gelingen kann, dann kann man an diesen Zellen der Patienten mit Krebs rasch prüfen, auf welche Medikamente die Tumorzellen empfindlich sind.

Die umfassendste Information über den Tumor erhält man aber durch eine kombinierte Analyse von Tumor-DNA und CTCs. Forscher möchte daher ein Testsystem entwickeln, das diese beiden Nachweise vereinen soll. Viele Patienten befürchten, dass der Krebs zurückkehrt. Deswegen hoffen sie, dass man mittels Liquid biopsy möglichst frühzeitig Krebs wieder erkennen kann. Andere Patienten mit Krebs haben die Vorstellung, dass man mit einer Liquid Biopsy einen invasiven Eingriff zur Entnahme von Tumorgewebe vermeiden kann.

Für die klinische Anwendung der Tumorzellen basierten Liquid biopsy benötigt man jedenfalls dringend Methoden für eine schnelle, effiziente und selektive Trennung von Tumorzellen aus komplexen Körperflüssigkeiten der Patienten mit Krebs.


Literatur:

Zhao K, Liu Y, Wang H, Song Y, Chen X, Huang C, Niu Q, Cao J, Chen X, Wang W, Wu L, Yang C. Selective, user-friendly, highly porous, efficient, and rapid (SUPER) filter for isolation and analysis of rare tumor cells. Lab Chip. 2021 Dec 17. doi: 10.1039/d1lc00886b. Epub ahead of print. PMID: 34918732.

Dell’Olio F. Multiplexed Liquid Biopsy and Tumor Imaging Using Surface-Enhanced Raman Scattering. Biosensors (Basel). 2021 Nov 12;11(11):449. doi: 10.3390/bios11110449. PMID: 34821665; PMCID: PMC8615571.

Rolfo C, Cardona AF, Cristofanilli M, et al. Challenges and opportunities of cfDNA analysis implementation in clinical practice. Perspective of the International Society of Liquid Biopsy (ISLB) [published online ahead of print, 2020 May 5]. Crit Rev Oncol Hematol. 2020;151:102978. doi:10.1016/j.critrevonc.2020.102978

Poulet G, Massias J, Taly V. Liquid Biopsy: General Concepts. Acta Cytol. 2019;63(6):449‐455. doi:10.1159/000499337

Mader S, Pantel K. Liquid Biopsy: Current Status and Future Perspectives. Oncol Res Treat. 2017;40(7-8):404‐408. doi:10.1159/000478018


Quelle: www.krebsinformationsdienst.de

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