Donnerstag, Juni 13, 2024

Kontrastmittelverstärkter Ultraschall

Welchen Stellenwert hat der kontrastmittelverstärkter Ultraschall: ist er sinnvoll oder bringt er nur Zusatzkosten für die Krankenkassen?

Kontrastmittelverstärkter Ultraschall (Contrast-Enhanced Ultrasound – CEUS) ist vor circa 20 Jahren in die Klinik eingeführt worden. In diesem Zeitraum sind die Kontrastmittel weiterentwickelt worden. In der klinischen Routine ist nur ein Produkt in der Anwendung – dieses jedoch weltwelt in den meisten Ländern zugelassen für vielfältige klinische Indikationen. Bei diesem Kontrastmittel (KM) handelt es sich um gasgefüllte Mikrobläschen, sogenannte microbubbels, welche analog zu anderen KM in der Computertomografie und Magnetresonanztomografie über die Vene indiziert werden. Diese KM sind für den Patienten ungefährlich und werden über die Lunge abgeatmet. Im Ultraschallbild führen diese KM zu einer deutlichen Signalverstärkung der durchbluteten Organe bis hin zu den kleinsten Gefäßen.

Für die Anwendung des kontrastmittelverstärkten Ultraschalls sind jedoch gerätetechnische Voraussetzungen notwendig, sodass nicht mit jedem herkömmlichen Ultraschallgerät die Methode zur Anwendung kommen kann. Jedoch haben sich inzwischen vielfältige klinische wichtige Indikationen entwickelt, die teilweise bereits in der Routine eingesetzt werden. Hierbei spielt insbesondere die Vermeidung von Röntgenuntersuchungen mit Strahlenexposition eine besondere Rolle. Somit wird der kontrastmittelverstärkte Ultraschall gerne für die Verlaufskontrolle bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen verwendet. Auch lassen sich Gefäßanomalien erheblich besser mit dem Kontrastmittelverstärkten Ultraschall beurteilen. Besonders sensitiv hat sich der KM-Ultraschall für die Beurteilung von undichten Gefäßprothesen bewährt und scheint hier bei der Detektion wie auch bei der Verlaufskontrolle der kontrastmittelverstärkten Computertomografie deutlich überlegen zu sein. Auch für die Beurteilung von Gefäßläsionen, hier insbesondere Unterscheidung von gutartigen und bösartigen Tumoren, nimmt Kontrastmittelverstärkter Ultraschall eine immer wichtigere Rolle in der klinischen Routine ein.

Im Bereich der Kinderradiologie wird heutzutage Kontrastmittelverstärkter Ultraschall sehr gerne zur Beurteilung von Harnrückfluss aus der Blase in den Harnleiter verwendet. Dies ist eine wichtige Untersuchung bei Patienten mit Nieren-, Beckenentzündungen im Kindesalter. Diese wichtige Anwendung mit Vermeidung von Röntgenstrahlung ist inzwischen in die Leitlinien aufgenommen worden, obwohl diese Methode weiterhin außerhalb der Zulassung des KM liegt. Als besonders wichtiger Bereich für den KM-Ultraschall ist die Notfallsonografie zu benennen. Hier lassen sich bei traumatisch verunglückten Patienten mit KM-Ultraschall viel besser Blutungsquellen in Organen wie Leber, Niere und Milz identifizieren und er ist in Teilen sogar einer KM-verstärkten CT-Untersuchung überlegen. Im Hinblick auf die Vermeidung von Röntgenstrahlungsexposition bei Kindern und jungen Erwachsenen ist Kontrastmittelverstärkter Ultraschall nach Verkehrsunfällen eine echte Alternative zur CT-Untersuchung.

Eine weitere wichtige Anwendung bei der Notfallsonografie stellt die Hodentorsion dar. Bei der Hodentorsion handelt es sich um eine Verdrehung von Hoden am Samenstrang, welche zu einer Abschnürung der Blutgefäße führt, die für den betroffenen Patienten äußert schmerzhaft ist und infolgedessen ein Absterben des Hodens auftreten kann. Mit der kontrastmittelverstärkten Sonografie lässt sich selbst mit einem im Ultraschall wenig geübten Arzt sicher eine Hodentorsion diagnostizieren.

Dies sind einige Beispiele, wo heutzutage sinnvollerweise der kontrastmittelverstärkte Ultraschall klinisch zur Anwendung kommen kann. Auf Grund der hohen technischen Voraussetzungen (spezielle Ultraschallgeräte) und der zusätzlichen hohen Kosten durch das KM ist jedoch bei den meisten Anwendungen die Erstattung durch die Krankenkassen eher sehr zurückhaltend. Durch inzwischen vorliegende klinische Studien, gerade durch die Noninvasivität und auch zunehmende Verbreitung der speziellen für die Untersuchung notwendigen Ultraschallgeräte, ist eine Breitenanwendung des Kontrastmittelverstärkten Ultraschalls, insbesondere für Anwendungen, welche sich in den Leitlinien widerspiegeln, zu erwarten. Somit ist auch zukünftig eine bessere Vergütung durch die Krankenkassen zu erhoffen.

Quelle:

Universitätsprofessor Dr. med. Ulf Teichgräber, MBA
Universitätsprofessor Dr. med. Ulf Teichgräber, MBA

Statement » Stellenwert der kontrastmittelverstärkten Ultraschalluntersuchung: sinnvoll oder nur Zusatzkosten für die Krankenkassen? « von Universitätsprofessor Dr. med. Ulf Teichgräber; Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Jena; DEGUM-Stufe III anlässlich der PK der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) „Gefäßerkrankungen erkennen und behandeln – mit Ultraschall schnell, zuverlässig und schonend“, Dezember 2016, Berlin

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