Frostbeulen sind juckende oder brennende, rötlich-violette Schwellungen, die nach Kälte und Nässe vor allem an Zehen und Fingern auftreten. Fachleute sprechen von Perniones. Sie entstehen typischerweise bei feuchter Kälte, wie sie in Österreich im Herbst und Winter häufig ist. Meist sind sie harmlos und heilen von selbst ab. Dieser Ratgeber erklärt, wie Frostbeulen entstehen, woran Sie sie erkennen, was die Beschwerden lindert, was Sie besser lassen und wann Sie damit zur Ärztin oder zum Arzt gehen sollten.
Was sind Frostbeulen und warum entstehen sie bei Kälte und Nässe?
Frostbeulen sind eine entzündliche Reaktion der Haut auf Kälte. Sie gehören zu den Kälteschäden, bei denen das Gewebe nicht gefriert. Das unterscheidet sie von echten Erfrierungen. Frostbeulen sind eine seltene Reaktion, die bei wiederholtem Kontakt mit Kälte auftreten kann. Sie entstehen nicht durch eine Infektion und sind daher nicht ansteckend.
Was dabei im Körper passiert: Kälte lässt die kleinen Blutgefäße in Fingern und Zehen enger werden, das Blut kann schlechter fließen. Wärmt man sich danach wieder auf, weiten sich die Gefäße nahe der Hautoberfläche, während tiefer liegende Gefäße noch eng bleiben. Dieses Ungleichgewicht führt zu Schmerzen, Juckreiz und den typischen Verfärbungen.
Deshalb ist nicht unbedingt die strenge Kälte das Problem. Ungünstig sind vor allem feuchte kalte Luft und ein zu schnelles Aufwärmen danach. Wer im Herbst mit kalten, nassen Füßen nach Hause kommt und sie gleich auf die Heizung legt, tut der Haut deshalb keinen Gefallen.
Frostbeulen an den Zehen und Fingern erkennen: typische Symptome
Frostbeulen an den Zehen und an den Fingern sind am häufigsten. Sie können aber auch im Gesicht und an den Beinen auftreten. Die Beschwerden beginnen meist einige Stunden, nachdem man in der Kälte war.
Typische Anzeichen sind:
- rote bis violette, oft geschwollene Stellen oder kleine Knoten
- Juckreiz, Brennen oder Schmerzen, besonders beim Aufwärmen
- Druckempfindlichkeit der betroffenen Stellen
- in selteneren Fällen Blasen oder offene Stellen
Auf brauner oder schwarzer Haut ist die Rötung oft schwerer zu erkennen. Hier wird eher über Schwellung oder andere Symptome berichtet.
Sind Sie unsicher, ob es sich wirklich um Frostbeulen handelt, lassen Sie die Stellen ärztlich begutachten.
Die gute Nachricht: Die meisten Frostbeulen heilen innerhalb von zwei bis drei Wochen von selbst ab. Bei manchen Menschen halten sie aber den ganzen Winter an oder kommen bei jeder Kälteperiode wieder. Sie sind lästig und wiederkehrend, aber ungefährlich.
Wer bekommt Frostbeulen? Risikofaktoren und mögliche Grunderkrankungen
Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Laut der britischen Fachgesellschaft für Dermatologie in der Allgemeinpraxis treten Frostbeulen am häufigsten bei jungen Frauen und Frauen mittleren Alters sowie bei Kindern auf. Auch ein niedriges Körpergewicht zählt zu den begünstigenden Faktoren.
Häufig hängen Frostbeulen mit einer allgemein empfindlichen Durchblutung bei Kälte zusammen. In einer niederländischen Studie mit Patientinnen und Patienten aus Hausarztpraxen gab fast die Hälfte an, zusätzlich ein Raynaud-Phänomen zu haben, also anfallsartig weiße oder blaue Finger bei Kälte. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zum Raynaud-Phänomen. Wer generell schnell kalte Hände und Füße hat, findet Hintergründe im Artikel Warum friere ich ständig?
In den meisten Fällen steckt keine andere Krankheit dahinter. Selten können Frostbeulen aber Hinweis auf eine Grunderkrankung sein. Die Fachgesellschaft nennt unter anderem Bindegewebserkrankungen, besonders eine Sonderform des Lupus erythematodes (Chilblain-Lupus), eine systemische Sklerose mit Raynaud-Phänomen, Kälteeiweiße im Blut (Kryoglobuline), das Antiphospholipid-Syndrom und bösartige Erkrankungen des Blutes. Vom Chilblain-Lupus heißt es dort, dass bis zu 20 Prozent der Betroffenen einen systemischen Lupus entwickeln. Deshalb lohnt es sich, ungewöhnlich hartnäckige Frostbeulen abklären zu lassen.
Frostbeulen behandeln: Was hilft und was Sie besser lassen
Die wichtigste Maßnahme ist, die Haut vor weiterer Kälte und Nässe zu schützen und ihr Zeit zu geben. Der NHS rät:
- Langsam aufwärmen: Nasse Haut zuerst abtrocknen und dann behutsam erwärmen.
- Keine Hitze: Hände und Füße nicht auf die Heizung legen und nicht unter heißes Wasser halten.
- Nicht kratzen: Auch wenn es stark juckt, die Haut nicht aufkratzen oder daran zupfen.
- Warm und trocken anziehen: Draußen warme, wasserdichte Kleidung, Handschuhe und dicke Socken tragen und kaltes, nasses Wetter möglichst meiden.
- Durchblutung nicht zusätzlich bremsen: Rauchen, koffeinhaltige Getränke und abschwellende Nasenmittel können die Durchblutung von Fingern und Zehen beeinträchtigen.
Laut MSD Manual ist Schutz vor Kälte die beste Vorbeugung, auch ein Rauchstopp kann helfen. Wer zusätzlich zu trockener, rissiger Haut neigt, findet Pflegetipps in unserem Beitrag Trockene Haut im Winter.
Reicht das nicht, gibt es ärztliche Behandlungsmöglichkeiten. Das MSD Manual nennt Kortisoncremes und gefäßerweiternde Wirkstoffe zum Einnehmen, die die Beschwerden manchmal lindern. Die Studienlage dazu ist allerdings dünn. Eine systematische Übersichtsarbeit fand elf Studien mit zusammen 576 Teilnehmenden und eine mäßige Evidenz für zwei Wirkstoffe, und das nur bei schweren oder hartnäckigen Verläufen. In der erwähnten niederländischen Studie mit 32 Betroffenen war ein solcher Gefäßerweiterer bei chronischen Frostbeulen nicht besser als ein Scheinmedikament, senkte aber den Blutdruck und führte häufiger zu Wassereinlagerungen. Ob ein Medikament im Einzelfall sinnvoll ist, sollten Sie daher immer ärztlich abklären.
Wann zum Arzt mit Frostbeulen?
Die meisten Frostbeulen brauchen keine Behandlung in der Praxis. Lassen Sie die Haut aber ärztlich ansehen, wenn:
- die Stellen nach zwei bis drei Wochen nicht besser werden
- Eiter aus der Haut austritt
- Sie Fieber bekommen oder sich heiß, kalt oder fröstelig fühlen
- Frostbeulen immer wieder auftreten
- Sie Diabetes haben, denn Probleme an den Füßen können dann ernster verlaufen
- sich offene Stellen, Geschwüre oder dunkel verfärbte, absterbende Haut bilden
- zusätzlich andere auffällige Hautveränderungen auftreten
Bei schweren, anhaltenden Beschwerden, Geschwüren oder weiteren Hautveränderungen empfiehlt die britische Fachgesellschaft, gezielt nach einer Grunderkrankung zu suchen. Erste Anlaufstelle ist die Hausärztin oder der Hausarzt, bei Bedarf überweist sie oder er an eine Hautfachärztin oder einen Hautfacharzt. Menschen mit Diabetes sollten ihre Füße im Winter besonders gut im Blick behalten, mehr dazu im Beitrag Winterkälte belastet Menschen mit Diabetes.
Wenn Sie unsicher sind, ob und wie dringend Sie eine Praxis aufsuchen sollten, hilft in Österreich die Gesundheitshotline 1450 weiter.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) – Frostbeulen
Wie lange dauern Frostbeulen?
Die meisten Frostbeulen heilen innerhalb von zwei bis drei Wochen von selbst ab, wenn die Haut vor weiterer Kälte und Nässe geschützt wird. Bei manchen Menschen bleiben sie aber den ganzen Winter bestehen oder kommen bei jeder Kälteperiode wieder. Bessern sie sich nach drei Wochen nicht, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
Was ist der Unterschied zwischen Frostbeulen und Erfrierungen?
Bei einer Erfrierung gefriert das Gewebe, das ist ein Notfall. Frostbeulen entstehen dagegen ohne Gefrieren, meist bei feuchter Kälte und anschließendem Aufwärmen. Sie zeigen sich als juckende, rot-violette Schwellungen und sind zwar lästig, aber in der Regel ungefährlich. Bei offenen Stellen sollten sie aber ärztlich angesehen werden.
Darf man Frostbeulen mit warmem Wasser behandeln?
Behutsames Aufwärmen ist richtig, Hitze aber nicht. Der britische Gesundheitsdienst rät davon ab, Hände oder Füße auf die Heizung zu legen oder unter heißes Wasser zu halten. Besser: nasse Haut abtrocknen, trockene, warme Socken oder Handschuhe anziehen und die Haut langsam auf Raumtemperatur kommen lassen.
Was sind Pseudo-Frostbeulen?
Als Pseudo-Frostbeulen oder „COVID-Zehen“ bezeichnet man frostbeulenartige Hautveränderungen, die während der Corona-Pandemie häufig beschrieben und mit einer Covid-19-Infektion in Verbindung gebracht wurden. Ob dieser Zusammenhang tatsächlich besteht, ist laut einer Übersicht im Fachjournal JAAD International auch nach rund 300 Veröffentlichungen umstritten.
Können Kinder Frostbeulen bekommen?
Ja. Kinder gehören neben jungen Frauen zu den Gruppen, bei denen Frostbeulen am häufigsten auftreten. Nach dem Spielen im Schneematsch hilft es, nasse Socken und Handschuhe sofort zu wechseln und die Haut langsam aufzuwärmen. Halten die Beschwerden länger an, ist die Kinderarztpraxis die richtige Anlaufstelle.
Quellen
- Cappel M, Cappel J, Wetter D: Pernio (Chilblains), SARS-CoV-2, and COVID Toes Unified Through Cutaneous and Systemic Mechanisms – Mayo Clinic Proceedings, 2021; 96, 989-1005
- Primary Care Dermatology Society: Perniosis (syn. chilblains)
- Souwer IH et al.: Nifedipine vs Placebo for Treatment of Chronic Chilblains: A Randomized Controlled Trial. Ann Fam Med 2016
- Pratt M, Mahmood F, Kirchhof MG: Pharmacologic Treatment of Idiopathic Chilblains (Pernio): A Systematic Review. J Cutan Med Surg
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

