Freitag, Juli 12, 2024

Epigenetische Faktoren und Übergewicht

Als Risikomarker für die Entwicklung von Übergewicht konnten Forscher eine Epigenetische Variante auf dem POMC-Gen entschlüsselt.

Wissenschaftler an der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten in einer Studie zeigen, dass nicht nur genetische Faktoren das Risiko für Erkrankungen, in diesem Fall Übergewicht, beeinflussen. Auch Veränderungen im Umfeld des Erbguts, sogenannte epigenetische Varianten, können zum Entstehen von Krankheiten beitragen. Demnach führt eine epigenetische Variante auf dem Proopiomelanocortin-Gen (POMC-Gen), das eine besondere Rolle bei der Regulation des Körpergewichtes spielt, zu einem erhöhten individuellen Risiko, im Laufe des Lebens übergewichtig zu werden. Die Ergebnisse der Untersuchung sind im aktuellen Fachjournal Cell Metabolism* veröffentlicht.

 

Epigenetische Veränderungen und Regulation des Körpergewichtes

Studien mit eineiigen Zwillingen weisen darauf hin, dass an der Regulation des Körpergewichtes ein hoher genetischer Anteil beteiligt ist. Die bislang gefundenen genetischen Varianten erklären allerdings nur einen kleinen Teil davon. „Daher sind wir der Frage nachgegangen, ob abgesehen von genetischen auch epigenetische Veränderungen eine Rolle bei der Regulation des Körpergewichtes spielen könnten“, erklärt Dr. Peter Kühnen, Wissenschaftler am Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie. Epigenetik bezieht sich hierbei auf Varianten, die die Funktion eines Gens regulieren können, ohne dass die betreffende Sequenz selbst verändert ist. Die vermutlich stabilste epigenetische Veränderung ist die sogenannte DNA-Methylierung, die Kopplung einer chemischen Verbindung, einer Methylgruppe, an die Erbsubstanz.

„Unsere Studie hat gezeigt, dass adipöse Kinder und Erwachsene zu einem signifikanten Anteil an einer bestimmten Stelle des POMC-Gens eine höhere Methylierungsintensität aufwiesen als normalgewichtige Personen“, sagt Dr. Kühnen. Er ergänzt: „Dieselbe Methylierungsvariante konnten wir in POMC-Neuronen im Gehirn verstorbener, übergewichtiger Personen ebenfalls nachweisen.“ Das Team um den Endokrinologen konnte diese Veränderung nach der Geburt in Blutzellen nachweisen, im Verlauf der ersten Lebensjahre blieb sie unverändert. Zusätzlich konnten die Wissenschaftler einen Einfluss von väterlicher Seite auf diese POMC-DNA-Methylierung beim Kind beobachten. Die Veränderung auf dem für die Regulation des Körpergewichtes bedeutsamem Gen scheint dazu zu führen, dass das Risiko zur Entwicklung von Übergewicht erhöht ist.

Die untersuchten Veränderungen sind jedoch nicht die Hauptursache für die Entstehung von Fettleibigkeit, sondern nur ein potenzieller Faktor von vielen. In den nächsten Schritten versuchen die Wissenschaftler zu verstehen, wie diese epigenetische Variante des Gens entsteht und wie sich beispielsweise der Einfluss des Vaters auf den Grad der DNA-Methylierung des Kindes erklären lässt.

*Kühnen P, Handke D, Waterland RA, Hennig BJ, Silver M, Fulford AJ, Dominguez-Salas P, Moore SE, Prentice AM, Spranger J, Hinney A, Hebebrand J, Heppner FL, Walzer L, Grötzinger C, Gromoll J, Wiegand S, Grüters A, Krude H. Interindividual Variation in DNA Methylation at a Putative POMC Metastable Epiallele Is Associated

Related Articles

Aktuell

Teufelskralle: Schmerzmittel mit natürlicher Wirkung gegen Entzündungen und Schmerzen

Teufelskralle zeigt als Schmerzmittel gute Wirkung, als unterstützende Therapie hilft es gegen Schmerzen und Entzündung bei Rheuma-Erkrankungen. Unter dem Strich sind Heilpflanzen, pflanzliche Mittel oder Arzneipflanzen gegen Rheuma...
- Advertisement -

Latest Articles

HPV und Warzen: Infektionen der Haut mit humanen Papillomaviren

Warzen – Haut-Infektionen mit den humanen Papillomaviren (HPV) – sind gutartige Hautwucherungen, die am häufigsten bei älteren Jugendlichen auftreten. Die lästigen, unschönen und unhygienisch wirkenden Warzen sind das klinische...

Das Heidekraut: eine vergessene Heilpflanze mit vielfältiger Wirkung

Die Wirkung von Heidekraut ist etwas in Vergessenheit geraten, dabei wirkt die Heilpflanze harntreibend, blutreinigend und entzündungshemmend. Das Heidekraut wächst in Gegenden, in denen sonst eher...

Psilocybine bei Patienten mit Krebs stark wirksam gegen Angst und Depression

Psilocybine – eine psychoaktive Substanz in Magic Mushrooms – wirkt sehr rasch gegen Angst und Depression bei Patienten mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Unter dem...