Die Wirkung von Digitalis auf Herz und Gefäße im Blickpunkt

Das Digitalis aus dem Fingerhut mit seinen Inhaltsstoffen Digoxin und Digitoxin hilft seit hunderten Jahren den Menschen mit Herzschwäche. © Nadezhda Kharitonova / shutterstock.com

Das Digitalis aus dem Fingerhut mit seinen Inhaltsstoffen Digoxin und Digitoxin hilft seit hunderten Jahren den Menschen mit Herzschwäche. © Nadezhda Kharitonova / shutterstock.com

Die Wirkung von Digitalis (Digoxin, Digitoxin) soll gegen Herzschwäche helfen, doch bei manchen Herz-Patienten kann es das Sterberisiko sogar erhöhen.

Seit fast hunderten Jahren setzt man bei Patienten mit Herzinsuffizienz auf die Wirkung von Digitalis, den Fingerhüten. Das pflanzliche Arzneimittel Digitalis , gewonnen aus Fingerhut-Pflanzen, mit den Inhaltsstoffen Digoxin und Digitoxin kann aber auch giftig sein und Nebenwirkungen verursachen, wenn man zu viel davon gleichzeitig einnimmt. Zudem werden die Auswirkungen von Digitalis auf die Sterblichkeit bei Herz-Patienten kontrovers diskutiert, manche Studien ergaben sogar eine höhere Sterblichkeit bei bestimmten Patienten.

 

Die Wirkung von Digitalis für Herz-Patienten in der Kritik

Die Wirkung von Herz-Medikamenten aus Digitalis könnten die Sterblichkeit von Patienten mit Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz erhöhen. Und zwar im Vergleich zu anderen Arzneimitteln um etwa 21 Prozent erhöhen. Das hatte vor einigen Jahren ein Forscherteam des Kardiologen Prof. Stefan Hohnloser vom Universitätsklinikum Frankfurt in einer Metaanalyse herausgefunden.

Die Forscher werteten 19 Untersuchungsergebnisse aus den Jahren 1993 bis 2014 mit Daten von mehr als 326.000 Patienten, die wegen Vorhofflimmern oder Herzinsuffizienz therapiert worden waren. Bei den Patienten, die auf die Wirkung von Digitalis setzen, lag die Mortalität bei Vorhofflimmern um 29 Prozent, bei Herzinsuffizienz um 14 Prozent höher als bei Herz-Patienten, die andere Wirkstoffe einsetzten. Weiter fand man Wechselwirkungen von Digitalis mit anderen Medikamenten.

Unlängst hatte eine Studie beispielsweise die Auswirkungen der Verabreichung von Digitalis bei Patienten mit implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) untersucht. Dabei fanden sie heraus, dass die Verwendung von Digitalis mit einer erhöhten Mortalität verbunden war. Und zwar selbst nach sorgfältiger Anpassung an mögliche Störfaktoren. Deswegen sollten ICD-Patienten solche Präparate nur mit großer Vorsicht anwenden.

Im Grunde genommen weisen viele Forscher auf die aktuell unbefriedigende Datenlage hin. Und sie empfehlen deswegen, Digitalis-Präparate mit großer Sorgfalt anzuwenden.

 

Wirkung von Digoxin und Digitoxin

Das Digoxin ist der häufigste Digitalis-Wirkstoff. Er steht im Blickpunkt der großen deutschen DIGIT-HF-Studie. Die hat aktuell das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis ins Jahr 2024 finanziert. Dabei untersuchen die Wissenschaftler, ob der Wirkstoff Digitoxin, der die Kontraktionskraft des Herzens erhöht, das Leben von Patienten mit einer bestimmten Form der Herzschwäche verlängern und ihre Krankenhausaufenthalte verringern kann.

Im Grunde genommen enthalten die meisten Digitalis-Medikamente derzeit den in Fingerhüten gewonnenen Wirkstoff Digoxin, das andere Derivat Digitoxin scheint gegenüber Digoxin allerdings Vorteile zu haben. Die großangelegte DIGIT-HF-Studie soll hierzu mehr Klarheit schaffen.

Auf die gefährliche Wechselwirkung zwischen Digoxin und dem Arzneimittel Dronedaron wird weisen bereits die Fachinformationen der Produkte hin. das Dronedaron ist ein Antiarrhythmikum, dass zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen eingesetzt wird. Unter dem Strich kennen Ärzte diese Problematik.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt, dass wenn Patienten Digitalis-Medikamente einsetzen, ihren behandelnden Arzt kontaktieren sollten, um gemeinsam die weitere medikamentöse Behandlung zu evaluieren.


Literatur:

Erath JW, Vamos M, Hohnloser SH. Effects of digitalis on mortality in a large cohort of implantable cardioverter defibrillator recipients. Results of a long-term follow-up study in 1020 patients. Eur Heart J Cardiovasc Pharmacother. 2016;2(3):168-174. doi:10.1093/ehjcvp/pvw008

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