Disease Management Programme bei Diabetes

Diabetes Highlight © Jacek Dudzinski / shutterstock.com

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Disease Management Programme sind bei Typ-2- aber auch Typ-1-Diabetes sinnvoll, da die Kontrolle der Blutzuckerwerte oft nicht optimal ist.

Disease Management Programme (DMP) sind Bestandteile von Managed-Care-Systemen, wobei besonders für chronische Erkrankungen – wie eben Typ-2- aber auch Typ-1-Diabetes – versucht wird, eine Verbesserung und Optimierung der Betreuung und einen effizienten Mitteleinsatz zu erreichen.

Disease-Management-Programme sind als unterstützende und koordinierende Maßnahme und nicht als Therapieersatz einzuordnen. Dabei haben sie vor allem informativen Charakter: der Patient wird über seine Krankheit, deren Symptome und Bedeutung, Behandlungsmöglichkeiten, Medikamente und Spezialärzte sowie Möglichkeiten eines idealen Lebensstils informiert. Hierzu dienen Informationsbroschüren, telefonische Beratung, Recall-Maßnahmen per Telefon, Brief, E-Mail oder SMS, Beratung und Betreuung der Arzneimitteltherapie in der Apotheke vor Ort im Sinne von pharmaceutical Care, statistische Datenanalysen über den Gesundheitszustanddes Patienten, weiters Schulungen sowie Unterstützung durch telemedizinische Geräte wie Smartphones, Apps bzw. Computerprogramme.

Diabetes mellitus eignet sich, weil er eine häufige und kostenintensive Erkrankung ist und weil bekannt ist, dass die Kontrolle der Patienten, die Kontrolle ihrer Blutzuckerwerte, der begleitender Risikofaktoren und die Einstellung der Patienten oft nicht optimal ist.

 

Disease Management Programme führen nicht gesichert zur Verbesserung der Blutzuckereinstellung

Problematisch ist, dass es in Bezug auf Disease Management Programme bei Diabetes nur wenige Studien gibt. Bezüglich der Verbesserung der Blutzuckereinstellung konnte nicht endgültig gezeigt werden, dass Disease Management Programme hier definitiv einen entscheidenden Vorteil bringen. Auch betreffend der ökonomischen Betreuung und dem effizienten Einsatz von Mitteln ist der Vorteil nicht sehr auffällig.

Allerdings sind die bestehenden unterschiedlichen Studien sehr schwer miteinander vergleichbar, sodass keine eindeutigen Aussagen machbar sind, ob Disease Management Programme für die Betreuungsqualität und für die ökonomische Betreuung bei Diabetes wirklich einen Vorteil bringen kann. Hier sind im Laufe der kommenden Jahre kontrollierte Studien notwendig – mit begleitender unabhängiger Validierung, Evaluation und Publikation der Ergebnisse.

In einer 2014 erfolgten Untersuchung mit systematischer Literaturrecherche in den Datenbanken MEDLINE, EMBASE, Cochrane Library und CCMed zeigten sich allerdings positive Tendenzen für die Endpunkte Mortalität und Lebensdauer sowie eine verbesserte Versorgung von Diabetes-Patienten.

Wichtige Erfolgfaktoren der Disease Management Programme sind:

  • Definierte Versorgungsebenen (Hausarzt, niedergelassener Arzt mit diabetologischem Schwerpunkt, Spezialambulanz, stationäre Einrichtung, Rehabilitationseinrichtung), geregelte Zuständigkeiten, geregelte Überweisung/Übernahme und Kooperation untereinander. So soll gerade im niedergelassenen Bereich über Netzwerke verstärkt zusammengearbeitet werden und es könnte der Diabetespatient z.B einmal pro Jahr zur Kontrolle in ein Diabeteszentrum geschickt werden.
  • Eine hochqualifizierte Aus- und Weiterbildung der Betreuer: So steht ein moduläres Ausbildungssystem zur Debatte. Der Umfang der Ausbildung ergibt die Eignung zur Betreuung in der entsprechenden Versorgungsebene. Die Basisbetreuung erfordert z.B. keine komplette Ausbildung zum Facharzt für Endokrinologie.
  • Ausreichende regionale, wohnortnahe Spezialambulanzen (z.B. Fußambulanzen)
  • Ein gleicher Zugang zu Heil- und Hilfsmitteln in ganz Österreich.
  • Ein geregelter, einfacher Zutritt für betroffene Patienten zu speziellen Angeboten und zu den notwendigen Versorgungsebenen.
  • Einheitliche Diagnose- und Therapieschemata durch Leit­linien der österreichischen Fachgesellschaften für Diagnose und Therapie.
  • Einbindung von Selbsthilfegruppen

 

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