Freitag, Januar 23, 2026

Deutschland: Nationale Diabetes-Strategie ist nur ein kleiner Schritt

Die erste Nationale Diabetes-Strategie in Deutschland ist für Experten nur ein kleiner Schritt, die wirksamsten Maßnahmen gegen Übergewicht fehlen.

Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten DANK begrüßt die Verabschiedung der ersten Nationalen Diabetes-Strategie für Deutschland. Die Experten kritisieren jedoch die Inhalte zur Prävention als grob unzureichend. Nur die Maßnahme, dass Kinderlebensmittel zukünftig dem Nährwertprofil der WHO entsprechen sollen, ist wirklich als Fortschritt zu bezeichnen. „Damit könnten endlich die überzuckerten Kinder-Frühstücksflocken aus den Regalen verschwinden“, sagt DANK-Sprecherin Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft: „Deutschland sollte hier nicht auf eine europäische Regelung warten, sondern Kinder sofort vor ungesunden Lebensmitteln schützen, beispielsweise durch ein Werbeverbot.“

 

Problem Zucker in Softdrinks

In dem Entwurf kommt insbesondere die Ernährung zu kurz – ein wesentlicher Kern der Diabetesprävention. „Die Lebensmittelindustrie muss hier mehr in die Verantwortung genommen werden, denn ihre Produkte tragen ganz wesentlich zu gesundem oder ungesundem Essverhalten bei“, erklärt Barbara Bitzer. In Bezug auf Softdrinks etwa nennt die Diabetesstrategie aber weiterhin nur das Ziel einer freiwilligen Zuckerreduktion von 15 Prozent bis Ende 2025. „Dieses Ziel ist viel zu gering und damit quasi wirkungslos, um neue Diabetesfälle zu verhindern.“

Noch immer setze die Politik auch viel zu sehr auf das individuelle Verhalten und ignoriere den enormen Einfluss der Alltagsumgebung und des Lebensmittelangebots. „Deutschland braucht eine Nationale Diabetesstrategie, die verbindliche Maßnahmen und ambitionierte Ziele im Bereich Ernährung umfasst, ansonsten ist es keine Strategie“, betont Bitzer.

Im Zusammenhang mit den besonders problematischen Softdrinks bleibt die Nationale Diabetes-Strategie vage. Es soll lediglich die Forderung von Krankenkassen und wissenschaftlichen Fachgesellschaften geprüft werden, den Zuckergehalt um 50 Prozent zu senken. Zugleich wird aber eben nur das viel zu geringe Reduktionsziel von 15 Prozent der Reduktionsstrategie des BMEL erwähnt. „Die Diabetesstrategie darf nicht die Fehler der Reduktionsstrategie wiederholen“, warnt Bitzer, „eine so geringe Senkung wäre eine reine Schein-Maßnahme. Deutschland fiele bei der Zuckerreduktion weiter hinter andere europäische Länder zurück.“

Zum Vergleich: Großbritannien hat mit einer Steuer binnen zwei Jahren den Zuckergehalt in Softdrinks um durchschnittlich 34 Prozent gesenkt. „Es ist unverständlich, warum sich die Politik hier nicht an den Erfolgen anderer Länder orientiert, sondern weiter zulässt, dass überzuckerte Getränke das Risiko für Übergewicht und die Folgekrankheiten steigern“, sagt Bitzer, „hier wird offenbar Rücksicht genommen auf die Interessen derer, die an solchen ungesunden Produkten verdienen.“

 

Nationale Diabetes-Strategie überarbeiten

DANK fordert, bei der geplanten Überarbeitung des Präventionsgesetzes wirklich effektive bevölkerungsweite Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung einzuschließen wie eine höhere Besteuerung ungesunder Produkte bei gleichzeitiger Entlastung gesunder Produkte. „Entscheidend für eine gesunde oder ungesunde Ernährung ist letztlich auch die Lebenswelt Supermarkt“, sagt Bitzer, „denn über den Preis erreicht man die gesamte Bevölkerung.“


Literatur:

Bandy LK, Scarborough P, Harrington RA, Rayner M, Jebb SA. Reductions in sugar sales from soft drinks in the UK from 2015 to 2018. BMC Med. 2020;18(1):20. Published 2020 Jan 13. doi:10.1186/s12916-019-1477-4


Quelle:

Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten DANK

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

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