Donnerstag, Juli 11, 2024

­Sturzprophylaxe bei Osteoporose im Alltag von großer Bedeutung

Patienten mit Osteoporose sind stärker anfällig für Verletzungen und Frakturen, der Sturzprophylaxe kommt daher eine bedeutende Rolle zu.

Die Frakturanfälligkeit ist bei Osteoporose deutlich gesteigert, wobei mehr als ein Viertel der gestürzten Personen mit erhöhtem Pflegeaufwand entlassen werden. Auch der Sturzprophylaxe kommt daher eine wichtige Rolle zu, damit Osteoporose-Patienten nicht aus der Selbstständigkeit in einen Pflegebereich umziehen müssen.

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Unter dem Strich sind Millionen Menschen in unseren Breiten an Osteoporose erkrankt. Sehr viele haben auch ein erhöhtes Osteoporoserisiko – etwa ein Drittel aller Frauen nach der Menopause.

Im Grunde genommen ist das unfreiwillige, plötzliche Niederfallen die achthäufigste Todesursache älterer Menschen. Dabei stürzen etwa 30 % aller über 65-Jährigen mindestens einmal pro Jahr. Die Folgen sind meist schwerwiegend und häufig bricht der Oberschenkenhals. Und die Sterblichkeit innerhalb des ersten Jahres danach ist 2- bis 5-fach erhöht.

 

Sturz-Ursachen abklären

Meistens liegen bei älteren Menschen verschiedenste Ursachen für einen Sturz vor. Dabei kommen neben einer von außen einwirkenden Kraft, die nachvollziehbar zu einem Sturz führt, auch lokomotorische, synkopale und iatrogene Ursachen als Auslöser infrage.

Entscheidend ist es, dass der Arzt Risikopersonen identifiziert und mit diesen risikoreichen Situationen bespricht. Das kann die Sturzprävention und die Bewegungsfähigkeit sehr fördern. Dementsprechend ist bei Osteoporose-Patienten regelmäßig nach Stürzen zu fragen und eine Sturz-Risiko-Beurteilung vorzunehmen.

Je nach Tageszeit gibt es unterschiedliche Besonderheiten. Beispielsweise kommt es im häuslichen Bereich, besonders in den Morgenstunden, häufig zu Stürzen. Wichtige Faktoren sind die Umgebung, bestehende Gangunsicherheiten und Bewusstseinsstörungen sowie Frühsymptome von Erkrankungen wie Schwindel und Übelkeit. Schließlich muss der Arzt auch allgemeine Einschränkungen durch frühere Stürze für die zukünftige Sturzprävention erfragen.

Ebenso ist eine genaue Medikamentenanamnese zu erheben, da psychotrope Substanzen (Benzodiazepine, …), Antihypertensiva, Diuretika sowie interagierende Arzneimittel und »Hangover« das Sturzrisiko beim alten Menschen erhöhen können. Auch der internistische und neurologische Status, der TIAs, HRST, Blutzucker- oder Blutdruckschwankungen aufdeckt, ist zentrale Grundlage einer effektiven Sturzprävention.

 

Zur Sturzprävention die Bewegung erhöhen

Die Bewegung ist nicht nur in Hinblick auf die Erhöhung der Knochenmasse ein wichtiger Bestandteil der Therapie der Osteoporose. Auch die regelmäßige Schulung von Reaktion, Koordi­nation, Propriozeption und Gleichgewicht verringert das Sturzrisiko.

Natürlich gibt es zahlreiche Sportarten, bei denen das Risiko, dass man sich etwas bricht, erhöht ist. Jedenfalls muss sich eine Empfehlung zu einer Sportart daher an den Fähigkeiten und der Verfassung des Patienten orientieren.

Das Krafttraining der Rückenextensoren fördert beispielsweise die Stabilität und beugt der Rundrückenbildung vor. Aber auch die alltäglichen Aktivitäten sind nicht unwichtig. Denn die Haus- oder die Gartenarbeit beanspruchen den Körper zwar nur kurz, aber häufig. Deswegen beeinflussen das Knochen- und das Muskelgewebe beträchtlich.

Chronische Schmerzen bei bereits bestehenden Frakturen lassen viele Osteoporose-Patienten zunehmend inaktiv werden. Sie vermeiden dann Gleichgewichtsreaktionen und werden zunehmend ungeschickter.

Durch spezielle Übungen kann man die Schmerzen lindern und die Bewegungssicherheit im Alltag verbessern. Dabei hat man das Ziel, die Alltags-üblichen Bewegungen wieder zu erlernen und dabei die Haltungskontrolle zu verbessern. Außerdem sollte man dadurch die Gangsicherheit wieder erhalten.

 

Umgebung als Sturzprophylaxe für Osteoporose-Patientinnen und Patienten anpassen

Neben der Fehlsichtigkeit beziehungsweise der Schwerhörigkeit können auch die zunehmende Blendempfindlichkeit und eine schlechte Hell-Dunkel-Adaption die Gefahr für Stürze erhöhen. Bei Dämmerung sollte man nicht auf elektrisches Licht verzichten und Lampen so platzieren, dass sie nicht blenden.

Die betroffenen Personen sollten auch die Nutzung von Dusche und Badewanne üben. Dabei könnten Haltegriffen und angepasste Stühle Sicherheit geben.

Auch muss man den Umgang mit Gehhilfen verbessern – idealerweise in möglichst vielen Bereichen. So können nicht nur Stöcke, sondern auch Rollatoren, Schuh-Spikes, Anti-Rutsch-Matten, Badewannen-Einstiegshilfen und sogar Eiskrallen für Stöcke das Sturzrisiko minimieren. Sofern diese regelmäßig an die Bedürfnisse des Betroffenen angepasst werden.

 

Hüftprotektoren

Hüftprotektoren in Form einer mehrschichtigen, gepolsterten Schale stellen einen guten Schutz gegen Oberschenkelhalsbrüche dar. Da sie Teil einer Spezialhose sind, liegen sie stabil über dem Trochanter major. Schließlich verteilen im Falle eines Aufpralls die Energie und wirken so Sturz-dämpfend.


Literatur:

Tai TW, Tsai YL, Shih CA, Li CC, Chang YF, Huang CF, Cheng TT, Hwang JS, Lu TH, Wu CH. Refracture risk and all-cause mortality after vertebral fragility fractures. Anti-osteoporotic medications matter. J Formos Med Assoc. 2023 Apr 27:S0929-6646(23)00112-2. doi: 10.1016/j.jfma.2023.04.004. Epub ahead of print. PMID: 37120337.

Gates M, Pillay J, Nuspl M, Wingert A, Vandermeer B, Hartling L. Screening for the primary prevention of fragility fractures among adults aged 40 years and older in primary care. Systematic reviews of the effects and acceptability of screening and treatment, and the accuracy of risk prediction tools. Syst Rev. 2023 Mar 21;12(1):51. doi: 10.1186/s13643-023-02181-w. PMID: 36945065; PMCID: PMC10029308.

Kerschan-Schindl K. Prevention and rehabilitation of osteoporosis. Wien Med Wochenschr. 2016 Feb;166(1-2):22-7. doi: 10.1007/s10354-015-0417-y. Epub 2016 Jan 14. PMID: 26769298.


Quelle: Osteoporose und ­Sturzprophylaxe. Dr. Michaela Schieder. MEDMIX 3/2007

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