Montag, Februar 26, 2024

Spurenelement Selen: positive Wirkung für Körper, Psyche und Wohlbefinden

Früher dachte man, dass das Spurenelement Selen giftig ist, doch etwa um 1950 entdeckte man, dass seine positive Wirkung unerlässlich für Körper und Psyche ist.

Das Spurenelement Selen wird vor allem aufgrund seiner antioxidativen, positiven Wirkung für Körper und Psyche verwendet. Beispielsweise verhindert es die Oxidation von Zellen und Geweben. Es ist aber auch allgemein umfassend einsetzbar und unterstützt ein gesundes Leben. Weiter wirkt das Spurenelement mit dem Vitamin E – das auch ein Antioxidans ist – synergistisch. Beide steigern die Abwehrkräfte des Körpers. Daher sollten man auch bei der Supplementation der beiden Stoffe gemeinsam einnehmen. Übrigens ist Selenmangel meistens eher ein Problem für die gesamte Bevölkerung, als für das einzelne Individuum. Es betrifft somit die Gemeinschaft als Ganzes. Für den einzelnen gilt, dass eine ausgewogene Ernährung eigentlich der beste Weg ist, um Selenmangel zu vermeiden.

 

Wie hoch ist der Bedarf am Spurenelement Selen

Bei gesunden Menschen genügt eine Tagesmenge von 50mcg (Frauen), 70mcg (Männer) und für Schwangere oder stillende Mütter 65mcg bis 85mcg. Es gibt aber auch Angaben für die Tagesmenge von 200mcg bis 300mcg, insbesondere bei bisheriger Unterversorgung mit diesem Spurenelement oder bei Stress und Krankheiten.



Im Grunde genommen haben 8 von 10 Menschen in Mitteleuropa einen Selenmangel. Untersuchungen zeigen, dass bei Selenmangel beim Menschen rasch ein Verlust an Vitalität eintritt (Immunabwehr und Zellalterung). Zur Substituierung wird – ähnlich wie das Jod als Salzzusatz verwendet wird – Selen dem Brotgetreidemehl zugefügt.

Die Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit empfiehlt, dass man nicht mehr als 300 mcg (Mikrogramm) Selen pro Tag einnimmt. Die üblichen Dosierungen von 200 µg pro Nahrungsergänzung gilt als sicher, auch über einen längeren Zeitraum.

 

Männerspezifische Wirkungen des Spurenelements Selen

Männer haben einen höheren Bedarf an Selen. Fast die Hälfte der Menge an Selen im Köper findet man beim Mann in den Hoden. Weiter in jenen Bereichen der Samenleiter, die der Prostata am nächsten liegen. Unter dem Strich bewirkt Selen auch eine Erhöhung der Spermamenge und steigert somit die männliche Fruchtbarkeit. Allerdings stößt man Selen auch mit der Samenflüssigkeit aus, wodurch das Spurenelement so dem Körper verloren geht.

 

Vorkommen in der Nahrung

Brokkoli, Knoblauch, Kleie (110mcg), Kokosnüsse (810mcg), Leber, Meeresfrüchte (140mcg), Niere, Paranüsse (100mcg), Pistazien (450mcg), brauner Reis, Steinpilze(100mcg), Tomaten, Thunfisch (130mcg), Weizenkeime (60mcg) und Zwiebeln sind reichhaltige natürliche Quellen (die Angaben des Mineralstoffgehaltes in der Klammer beziehen sich auf 100g Nahrungsmittel.

Eine wechselnde Ernährung sichert die Zufuhr fast aller Spurenelemente, aber oftmals nicht in der auf Dauer erforderlichen Dosierung. Dies gilt für das Selen und die bisher beschriebenen Spurenelemente Zink und Mangan. Selen ist übrigens hitzeempfindlich und wird in seiner Wirkung durch die industrielle Lebensmittelbearbeitung reduziert. Aus diesem Grund wird ein spezielles, angereichertes »Selenbrot« angeboten, weil auch das Mehl von selenhältigen Böden im Backvorgang stark vermindert wird.

Anorganisches Selen ist in der Natur in vier Oxidationsstufen vorhanden: Selenat, Selenit, elementares Se und Selenid in absteigender Reihenfolge des Redoxstatus. Diese Formen werden von allen biologischen Systemen in bioverfügbarere organische Formen umgewandelt, hauptsächlich als die beiden Selenoaminosäuren Selenocystein und Selenomethionin.



 

Selen bringt unterschiedliche, teils sehr positive Wirkungen für Körper und Psyche

Das Spurenelement Selen erhöht mit seiner Wirkung das körperliche Wohlbefinden sowie die Vitalität. Es aktiviert die Bildung von Glutathionperoxidase, die die Erythrocyten vor der Oxidation (Einwirkung von Peroxyden) schützt. Damit ist auch die schon genannte Wirkung als Antioxidans begründet, die Selen in Zusammenwirkung mit Vitamin C und E ausübt.

Die Eigenschaft als Antioxidans ergibt die schützende Wirkung von Selen gegen Krebs und Herz- beziehungsweise Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

Insbesondere konnte die Keshan-Krankheit (Kardiomyopathie) durch Selengaben verhindert und diese als echte Selenmangel-Erkrankung erkannt werden. Damit war aber auch die Erfahrung verbunden, dass Selen vor Erkrankungen von Herz und Gefäßen schützt.

Bei der Behandlung der Kashin-Beck-Krankheit (Osteochondropathie, tritt in Regionen mit endemischem Selenmangel auf), die zu Gelenksdeformationen führt, konnte mit ausreichender Selengabe die Krankheit verhindert oder deren Verlauf abgeschwächt werden. Damit ist nachgewiesen, dass Selen auch bei Knochenaufbau wirkt und beim Wachstum unerlässlich ist. Zudem ist ein erhöhter Selenstatus mit einer erhöhten Knochenmineraldichte der Wirbelsäule und der Oberschenkelknochen verbunden. Damit hilft Selen möglicherweise auch dabei, Knochenbrüche im höheren Alter zu verhindern.

Das Spurenelement Selen hat auch eine immunmodulierende Wirkung, Selenmangel schwächt das Immunsystem.

Selen ist für die Jungerhaltung des Gewebes wie auch die Elastizität der Haut beziehungsweise des Unterhautgewebes verantwortlich. Denn es verhindert die »Alterung aus der Oxidation« im Zusammenwirken mit Vitamin E als Zellschutz­vitamin. Bei Beschwerden in den Wechseljahren mildert die Einnahme von Selen die Hitzewallungen.

Ebenso kann die Einnahme von Selen bestimmte Störungen der Leberfunktion vermindern und auch vorbeugen. Zudem hilft es bei rheumatischen Erkrankungen, um den Verlauf zu mildern. Dementsprechend besteht auch ein Zusammenhang zwischen dem Selenspiegel und Rheumaschüben. Denn das Selen beschleunigt den Abbau giftiger Schwermetalle im Körper. Das kann dann in Folge verhindern, dass solche Metalle verschiedene Krankheiten auslösen.

Auch bei grauem Star ist ein ­Selenmangel eine mögliche Ursache für die Erkrankung. Das hat man herausgefunden, als man statistisch Selen-Mangel-Gebiete analysierte. Und daher kann die Gabe von Selen auch dabei helfen, der häufigen Erkrankung der Augen, dem grauen Star, vorzubeugen.



 

Selen, Gehirn und Psyche

Im Grunde genommen ist das Selen auch ein wichtiges Spurenelement im Hirnstoffwechsel. Wenn beispielsweise bereits in den Organen auftritt, bleibt die Selenkonzentration im Gehirn und im Nervensystem noch immer aufrecht.

Ein Mangel an Selen bringt eine negative Wirkung auf die Psyche und kann Depressionen und anderen psychischen Störungen fördern. Schließlich konnten verschiedene Studien auch zeigen, dass die Gabe von Selen zusätzlich zur Nahrung eine positive Wirkung auf die Psyche und das Wohlbefinden bringt.

 

Selenmangel

Selenmangel betrifft oft eine ganze Gemeinschaft als Ganzes. Deswegen gibt es verschiedene Public Health-Ansätze, um Selenmangel in der Bevölkerung zu vermeiden. Hierzu gibt es den Ansatz, den landwirtschaftlichen Boden mit zusätzlich Selen zu düngen. Eine alternative Anreicherung von Nahrungsquellen durch Futter mit Selenverbindungen, beispielsweise Eiern (oder vielmehr Eigelb) mit mehr Selen, ist ein anderer Ansatz.

In vielen Ländern kamen deswegen mit Selen angereicherte Eier, Fleisch sowie Milch erfolgreich aus den Markt. Die Verwendung von Mikroorganismen zur Herstellung von funktionellen Nahrungsmitteln wie Selenhefe ist ein weiterer Ansatz.

Dabei ist es weniger wahrscheinlich, dass organisches Selen giftige Ausmaße annimmt, als dies durch die Ergänzung mit Selenit und Selenat (den anorganischen Salzformen von Selenzusätzen) möglich ist.

Die Verwendung von anorganischen Salzen ist jedoch ein schneller Weg, um einem Selenmangel rasch entgegenzuwirken. Laut Weltgesundheitsorganisation beträgt die tolerierbare obere Aufnahmemenge für Selen bei Erwachsenen ab 19 Jahren 400 Mikrogramm oder 5,1 Mikromol pro Tag. Werte darüber gelten als toxisch. Letztendlich ist eine ausgewogene Ernährung der beste Weg, um einen Selenmangel zu vermeiden.

 

Selenvergiftungen

Selenvergiftungen aus Überdosierungen (ab ca. 2400 mcg) kommen nur bei mehrmonatiger Einnahme der 100-fachen normalen Tagesdosis vor. Überdosierungen zeigen sich durch Erkrankungen des Magen-Darmtraktes, knoblauchähnlichen Atemgeruch, metallischen Geschmack im Mund und gelbliche Haut.




Literatur:

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Wu CC, Wang C, Yang AM, Lu CS, Lin CY. Selenium status is independently related to bone mineral density, FRAX score, and bone fracture history. NHANES, 2013 to 2014 [published online ahead of print, 2020 Sep 10]. Bone. 2020;115631. doi:10.1016/j.bone.2020.115631

Aparna P. Shreenath; Jennifer Dooley. Selenium Deficiency. StatPearls [Internet]. March 25, 2020

Kieliszek M. Selenium⁻Fascinating Microelement, Properties and Sources in Food. Molecules. 2019;24(7):1298. Published 2019 Apr 3. doi:10.3390/molecules24071298

Mangiapane E, Pessione A, Pessione E. Selenium and selenoproteins: an overview on different biological systems [published correction appears in Curr Protein Pept Sci. 2018;19(7):725]. Curr Protein Pept Sci. 2014;15(6):598‐607. doi:10.2174/1389203715666140608151134

Mehdi Y, Hornick JL, Istasse L, Dufrasne I. Selenium in the environment, metabolism and involvement in body functions. Molecules. 2013;18(3):3292–3311. Published 2013 Mar 13. doi:10.3390/molecules18033292

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