Donnerstag, Juni 13, 2024

Neue App treibt medizinische Forschung weltweit voran

Neue App treibt medizinische Forschung weltweit voran

 

Die Einwilligung zur Studie wird per Unterschrift auf dem Gerät erteilt © Universitätsklinikum Freiburg
Die Einwilligung zur Studie wird per Unterschrift auf dem Gerät erteilt © Universitätsklinikum Freiburg

Innovatives Netzwerk von mobilen Softwareanwendungen soll Versorgungsstrategien in medizinischer Behandlung analysieren und verbessern / Universitätsklinikum Freiburg beteiligt sich als erste Einrichtung in Deutschland mit einer App zum Kreuzbandriss.

Medizinische Forschung braucht Daten, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten und Behandlungsmethoden zu verbessern. Doch leider ist es oftmals schwierig Studienteilnehmer zu finden. Die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Norbert Südkamp) ist als erste universitäre Einrichtung in Deutschland mit einer neuen App zur Datenerhebung über die medizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten mit einer vorderen Kreuzbandruptur an den Start gegangen: „Back on Track: Kreuzbandriss-Studie“. Die App, die bald in vier weiteren Sprachen verfügbar sein soll, sammelt aber nicht nur weltweit Daten zur Versorgungsstrategie und zur Behandlungszufriedenheit von Patienten mit einer Kreuzbandinstabilität, sondern kann auch „die kulturellen Unterschiede der medizinischen Therapie zwischen einzelnen Ländern und Kontinenten abbilden“ sagt Prof. Dr. Philipp Niemeyer, Sektionsleiter Knie- und Knorpelchirurgie in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg, der das Projekt leitet. Die App wurde von Martin Zens vom Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK, Lehrstuhl: Prof. Dr. Peter Woias) der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in Kooperation mit der Firma Design-IT (Frankfurt) entwickelt.

Die technische Grundlage für die App liefert die Firma Apple. Sie hat Anfang des Jahres angekündigt eine spezielle Plattform für klinische Studien über Mobile Devices, also beispielsweise Smartphones und Tablet-PCs, einzuführen; diese heißt „Apple Research Kit“. Grundinnovation ist es, dass Patientendaten sicher und komplett außerhalb der Apple-Server-Struktur (Open-Source-Software-Framework) durch Wissenschaftler oder Studienteilnehmer erhoben, verwaltet und ausgetauscht werden können. Die Einwilligung zur Teilnahme kann rechtssicher direkt per Unterschrift auf dem Mobile Device erfolgen. Ein großer Vorteil der Idee ist, dass Studienteilnehmer beispielsweise Tests oder Fragebögen bequem von zu Hause am mobilen Gerät beantworten können. Außerdem kann jeder Anwender auch selbst auf seine Daten zugreifen und diese kontrollieren. Die Forscher haben die Möglichkeit, die Daten einfacher auszuwerten und zu analysieren. Derzeit ist das Research Kit als Open-Source-Software ausschließlich für Apple-Geräte verfügbar. Eine Ausweitung auf Android-Systeme und Windows-Telefone ist in Planung.

Mit der mobilen Anwendung aus Freiburg kann eine Vielzahl von Angaben zum Heilungsverlauf sowie der Sportfähigkeit des Patienten nach einem Kreuzbandriss gemacht werden. „Die App ist ein wichtiger Beitrag, um in Zukunft optimierte Versorgungsstrategien für die Patienten zu entwickeln“, sagt Prof. Niemeyer. „Die Daten könnten helfen, eine neue Grundlage zu generieren, für welche Patienten eine operative Versorgung notwendig und sinnvoll ist.“ Die Struktur für die App zur vorderen Kreuzbandruptur hat die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg gemeinsam mit dem Klinikrechenzentrum geschaffen. Das Konzept wurde mit dem Datenschutzbeauftragten des Universitätsklinikums besprochen und folgt den aktuellen Datenschutzempfehlungen in vollem Umfang. Auch mit der Ethikkommission wurde die App abgestimmt. Die mobile Applikation „Back on Track: Kreuzbandriss-Studie“ ist derzeit weltweit die ersten App nach der Entwicklungsphase, die seit dem 17. Juli im App-Store verfügbar ist. Neben den Freiburger Forschern beteiligen sich unter anderem auch Wissenschaftler der Universitäten Oxford und Stanford.

Die vordere Kreuzbandruptur, auch Kniegelenksinstabilität genannt, ist eine häufig auftretende Sportverletzung. Bei plötzlichem und kräftigem Verdrehen des Kniegelenkes kann das vordere Kreuzband reißen. Es sorgt mit dem hinteren Kreuzband für die Stabilität des Kniegelenks, außerdem verhindern beide, dass sich der Oberschenkel im Knie nach vorn und hinten verschiebt. Ein Kreuzbandriss ist von starken Schwellungen und Schmerzen sowie Bewegungsbeeinträchtigungen begleitet. Um die Stabilität des Knies wiederherzustellen kann die Ruptur physiotherapeutisch durch Muskelaufbau und eine äußerlich angebrachte Schiene oder durch einen minimalinvasiven arthroskopischen Eingriff behandelt werden.

 

Quelle: http://www.uniklinik-freiburg.de/nc/presse/pressemitteilungen/detailansicht/pres…

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