Mittwoch, Juli 17, 2024

Krankenhaushygiene Schuld am MERS-Ausbruch

Im heurigen Frühjahr war das 2012 entdeckte MERS-Coronavirus der Auslöser für den MERS-Ausbruch mit lebensgefährlichen Lungenentzündungen in Saudi-Arabien.

Nach dem MERS-Ausbruch in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschiddaim März und April befürchteten WHO-Epidemiologen, dass das MERS-Virus mutiert und dadurch gefährlicher geworden sei. MERS ist die Abkürzung für Middle East Respiratory Syndrome. Angesichts des Ausbruchs befürchteten die Gesundheitsexperten, dass im Worst-Case ein mutiertes MERS-Virus sogar eine weltweite Epidemie auslösen könnten. Innerhalb von vier Wochen steckten sich damals etwa 200 Menschen mit dem Virus an – genau so viele wie nun seit 2 Jahren seit der Entdeckung des Virus im Jahr 2012. Die durch das MERS-Virus verursachte Lungenentzündung verläuft bei jedem dritten Betroffenen tödlich.

Deutsche Virologen geben Entwarnung

Virologen der Universität Bonn und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung gaben nun jedoch Entwarnung. Denn die Wissenschafter kamen nach ihrer Analysen vom MERS-Ausbruch zu einem völlig anderen Ergebnis. Das MERS-Coronavirus in Dschidda war nicht mutiert, sondern die mangelhafte Krankenhaus-Hygiene war das Hauptproblem der Epidemie.

Ihren Untersuchungen zufolge ist das MERS-Virus aus Dschidda nicht ansteckender als der Stamm, der 2012 isoliert wurde. Das Virus hatte keine Mechanismen entwickelt, um ein „Überlisten“ bzw. ein Unterlaufen des menschlichen Immunsystems zu ermöglichen.

Unzureichende Krankhaushygiene und schlecht ausgebildete Mitarbeiter schuld am MERS-Ausbruch

Die Hälfte der infizierten Patienten wurde im König Fahd Hospital in Dschidda behandelt. „Wir nehmen an, dass es dort zur massenhaften Übertragung der Krankheit gekommen ist“, sagt Studienleiter Professor Dr. Christian Drosten. Durch das MERS-Virus erkrankte Patienten müssen häufig beatmet werden. Wenn nun der Beatmungsschlauch unsachgemäß entfernt wird, können infektiöse Aerosole frei werden, die viele Milliarden Viren enthalten.

Schlecht ausgebildetes oder sorgloses Pflegepersonal kann hier eine Katastrophe auslösen. In Deutschland oder Österreich, der Schweiz bzw. in den meisten europäischen Statten ist ein ähnlicher Ausbruch wohl kaum zu befürchten.

Entgegen anfänglicher Befürchtungen blieb der MERS-Ausbruch auf Dschidda beschränkt und klang wieder ab. Grund war unter anderem die Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen in den Krankenhäusern von Saudi-Arabien – zum Beispiel die bessere Isolierung der Patienten. „Das zeigt, wie effizient selbst einfache Methoden gegen ein derartiges Virus sein können“, betont Prof. Drosten.

Quelle: Christian Drosten, Doreen Muth, Victor Corman, Raheela Hussain, Malaki Al Masri, Waleed HajOmar, Olfert Landt, Abdullah Assiri, Isabella Eckerle, Ali Al Shangiti, Jaffar A. Al-Tawfiq, Ali Albarrak, Alimuddin Zumla, Andrew Rambaut, Ziad Memish: An observational, laboratory-based study of outbreaks of MERS-Coronavirus in Jeddah and Riyadh, Kingdom of Saudi Arabia, 2014; Clinical Infectious Diseases; DOI: 10.1093/cid/ciu812

Bild: Das MERS-Coroanvirus verursachte heuer in Dschidda zahlreiche lebensgefährliche Lungenentzündungen – Blick auf die Skyline der wichtigen Hafenstadt am Roten Meer in Saudi-Arabien in der Provinz Mekka © Ammar shaker / Wikimedia Commons

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